Verlorene Heimat gesucht

Die syrische Schauspielerin Amal Omran trat in Mülheim bei den „Klanglandschaften „Mittelmeer und Afrika“ auf.
Die syrische Schauspielerin Amal Omran trat in Mülheim bei den „Klanglandschaften „Mittelmeer und Afrika“ auf.
Foto: Picasa
Die syrische Schauspielerin Amal Omran und die Musiker von Hesen Kanjowaren bei den „Klanglandschaften Mittelmeer und Afrika“ zu Gast.

Mülheim.. Das einst reiche Kulturland Syrien ist zum finsteren Schauplatz eines brutalen Krieges verkommen. Die Schauspielerin Amal Omran und der Musiker Hesen Kanjo waren jetzt als syrische Künstler in der Reihe der „Klanglandschaften Mittelmeer und Afrika“ mit dem zweiteiligen Schauspiel- und Konzert-Programm „Verlorene Heimat“ vor vollem Haus und vielen ausländischen Gästen im Theater an der Ruhr zu Gast.

Die in Damaskus bis zum Ausbruch der Revolutionskämpfe gefeierte Schauspielerin Amal Omran stellte das Monodrama „Hak“ des türkischen Autoren Berkay Ates vor, das sich vom Schicksal der vor dem Krieg geflüchteten Künstlerin inspirieren ließ. Anschließend präsentierte der prominente Kanun-Spieler Hesen Kanjo, der bereits 1996 von Aleppo nach Deutschland ausgewandert ist, seine Band mit dem Kaval-Spieler Yasin Boyraz und dem Percussionisten Fethi Ak, die auch in der deutschen Ethno-Szene beliebt sind.

Inszenierung macht das Elend der Flüchtlinge sichtbar

Doch zunächst versuchte das Publikum dem in arabischer Sprache mit leider nur schwer zu lesenden deutschen Übertiteln aufgeführten Monodrama Omrans zu folgen. Einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, die gleichzeitig die Geschichte einer alten Kultur in einem gescheiterten Staat ist, in dem sich ein Diktator mit Freiheitskämpfern, aber auch Terroristen, einen mörderischen Krieg liefert.

In dieser Inszenierung, die Omran mit Unterstützung von Kumbaraci 50, der Istanbuler Partnerbühne des Theaters an der Ruhr, als erste Produktion in ihrer neuen türkischen Heimat verwirklichen konnte, macht die Schauspielerin in beeindruckenden Bildern das Elend eines Menschen sichtbar, der Identität und Sprache verloren hat. Ihr gelingt es, durch die große Intensität des Spiels und der Sprache, ihre unendliche Trauer über den Verlust ihrer Heimat und ihres bisherigen Leben zu einem bewegenden Ritual zu machen. Dabei schreit sie das Leid der unterdrückten und gemetzelten Menschen Syriens geradezu heraus.

Ein großes Lob gebührt auch dem begleitenden Gitarristen Merih Askin, der mit virtuos gespielten Saiteninstrumenten den Orient atmosphärisch zum Klingen bringt, und den man gern mal in einem Solo-Konzert hören würde.

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