Verlegung des Mülheimer Wochenmarktes umstritten

Der Markt wird von der Schloßstraße auf den Rathausplatz ziehen.
Der Markt wird von der Schloßstraße auf den Rathausplatz ziehen.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Deutsche Marktgilde betreibt künftig den Wochenmarkt. Rathausplatz und Schloßstraße sollen zunächst an verschiedenen Tagen genutzt werden.

Mülheim. Die Tage des Wochenmarktes in seiner jetzigen Form auf der Schloßstraße sind gezählt. Die Deutsche Marktgilde soll künftig den Markt betreiben. Geplant ist, dass dieser dienstags und freitags bis 14 Uhr auf dem Rathausplatz stattfindet, samstagmorgens und donnerstagnachmittags (ab Juni) auf der Schloßstraße. Eine Mehrheit aus SPD, CDU, FDP und einem Grünen beauftragte die Stadt, einen Vertrag mit der Gilde abzuschließen, der am 1. April beginnen und bis Ende 2020 laufen soll.

Im ersten Jahr soll der Markt nur dienstags und freitags auf dem historischen Rathausmarkt erfolgen. Sollte der Standort angenommen werden, kann sich die Marktgilde den Wochenmarkt auch an allen Tagen dort vorstellen.

Der Vorsitzende des Planungsausschusses, Dieter Wiechering, verspricht sich von der Verlagerung und dem Betreiberwechsel eine Bereicherung für das Quartier am Rathausmarkt und einen attraktiveren Markt. „Keine große Stadt hat einen so schlechten Markt wie wir“, sagt Hermann Stollen (Grüne) mit Blick auf die sieben bis zehn Markthändler, die sich derzeit an vier Tagen in der Woche auf der oberen Schloßstraße verteilen. „Mehr, attraktiver, besser“ – das ist das Ziel der Politik, wobei gilt: „Die jetzigen Händler müssen in jedem Fall auf dem neuen Markt berücksichtigt werden.“ Die Marktgilde will allen bisherigen Händlern ein Übernahmeangebot machen.

Nur ein Bewerber meldete sich

Die Stadtverwaltung wollte ursprünglich einen anderen Weg gehen und mit den bisherigen Marktbeschickern weitermachen. Denn auf die Ausschreibung zur Konzessionsvergabe hatte sich mit der Deutschen Marktgilde nur ein einziger Bewerber gemeldet, der auch noch weniger Geld in die Stadtkasse bringt, als derzeit die einzelnen Markthändler über die Standgebühr einbringen. Die Politik entschied daraufhin, Mindereinnahmen über Mehreinnahmen bei der Vergnügungssteuer zu decken. Danach folgt nun auch die Stadtverwaltung dem Mehrheitswunsch der Politik. Lediglich die MBI wehren sich gegen das Vorgehen, wollen noch einmal beraten, was wirklich der bessere Standort wäre, so Lothar Reinhardt.

Gute Stube der Stadt

Die Werbegemeinschaft Innenstadt (WGI) begrüßt das jetzige Vorgehen. „Der größte Teil unserer Mitglieder hält die Einbeziehung des Standortes Rathausmarkt für richtig“, sagt Bernd Hermes vom Vorstand. „Der Rathausmarkt war immer die gute Stube in der Stadt.“ Die Markthändler selbst möchten lieber auf der Schloßstraße bleiben, wo sie seit sieben Jahren sind. In einer Verlagerung sieht Helge Rademacher, Sprecher der Marktbeschicker, ein Risiko. Was sei, fragt er, wenn den Menschen die Lage am Rathaus zu abseits sei, wenn sie ausblieben. „Es geht hier um Existenzen“, sagt Rademacher und ist enttäuscht, dass die Händler nicht einbezogen worden sind.

Unterschriftenaktion angekündigt

Unternehmer an der Schloßstraße sprechen ebenfalls von einem Risiko, wenn der Markt abgezogen werden sollte: „An Markttagen haben wir deutlich mehr Gäste“, berichtet Claudia Appenzeller von Rick’s Café und fürchtet: „Ohne Marktstände könnte es auf der Schloßstraße trostloser werden.“ Ähnlich äußert sich Rajesh Luthra, der das Café Leonardo betreibt. „Gerade der obere Teil der Schloßstraße wird erheblich durch den Markt belebt.“ Der Unternehmer kündigte an, eine Unterschriftenaktion zu starten.

 
 

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