Verdi demonstriert für Erhalt der Mülheimer Straßenbahn

Die U18-Haltestelle am Bahnhof in der Innenstadt von Mülheim.
Die U18-Haltestelle am Bahnhof in der Innenstadt von Mülheim.
Foto: Oliver Mueller/Funke Foto Services
Die Diskussion um den Mülheimer Nahverkehr gewinnt an Fahrt. Pro Bahn warnt davor, die Kosten für einen Umstieg auf Busse zu unterschätzen.

Mülheim.. Die Diskussion um die massiven Einsparungen bei der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) gewinnt an Fahrt. Die Gewerkschaft Verdi, die bereits über 10.000 Unterschriften für den Erhalt der Mülheimer Straßenbahnen gesammelt hat, wird heute ab 14.30 Uhr im Hauptbahnhof am MVG Kundencenter eine Postkartenaktion starten. Unterdessen warnt der Fahrgastverband Pro Bahn davor, die Kosten für einen Umstieg von Bahn auf Bus zu unterschätzen.

Haltestellen, Wendeschleifen, Werkstätten – das erfordert aus Sicht des Fahrgastverbandes hohe Investitionen, für die es kaum Fördergelder geben dürfte. So könnten an der Haltestelle Stadtmitte keinesfalls noch weitere Busse als Ersatz für die Straßenbahnlinien 102 und 901 abgewickelt werden. Auch würden sich die Fahrzeiten deutlich verlängern.

MVG soll bis 2021 immer mehr sparen

Auf der Linie 102 müssten statt sechs Bahnen acht Busse eingesetzt werden, rechnet Johannes Gith vom Pro Bahn-Regionalvorstand Ruhr vor. Besonders kritisch sieht der Verband den Beschluss des Stadtrates, Investitionen bei der MVG auf das Allernötigste zum Erhalt der Verkehrssicherheit zu beschränken, um Kosten zu sparen.

Bis zum Jahr 2021 soll bei der MVG das Defizit von 34 Millionen jährlich immer stärker reduziert werden bis letztlich um 19,5 Millionen. Eine Wunschmarke. So haben es SPD und CDU beschlossen. Die SPD betont, dass dies für sie kein Einstieg in den Ausstieg aus dem Schienenverkehr sei. Und überhaupt habe man nur auf bereits vorgesehene Kürzungen sechs weitere Millionen von 2017 bis 2021 draufgesattelt, so Fraktionschef Dieter Wiechering.

Die SPD bleibt bei ihrer Forderung, vor einer Entscheidung über Bus und Bahn will sie das Gutachten abwarten, das ihnen aufzeigen soll, was überhaupt rechtlich möglich ist und welcher Schritt welche Kosten beim ÖPNV verursacht. „Wer hier seriös vorgehen will, legt die weitere Vorgehensweise nur auf der Grundlage belastbarer Zahlen, Daten und Fakten fest“, so Wiechering.

Grüne werfen SPD und CDU „blindwütigen Aktionismus“ vor

Was dabei herauskomme, so der planungspolitische Sprecher Claus Schindler (SPD), sei völlig ungewiss. „Möglich ist dabei auch , dass wir Straßenbahnen aus dem Tunnel wieder an die Oberfläche holen müssen, wenn wir sparen wollen.“ Man wisse es nicht. Dass das Defizit von 34 Millionen Euro im Jahr deutlich verringert werden muss, steht als Zielvorgabe für alle.

„Blindwütigen Aktionismus“ werfen die Grünen den beiden großen Fraktionen vor, mit deren Stimmen und Einsparvorschlägen der städtische Haushalt für das Jahr 2015 beschlossen wurde. „Die zwanghafte Fixierung beider auf ihr Feindbild Straßenbahnen“, so Fraktionschef Tim Giesbert, „offenbart Scheuklappendenken.“ Mit der Abschaffung der Tram verbundene Probleme wie Rückzahlungsforderungen in Millionenhöhe, Streit mit Nachbarstädten und riesigen Investitionsbedarf wischten SPD und CDU beiseite.

 
 

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