Veranstaltung der „Verkaufsmafia“ in Mülheim abgesagt

„Kaffeefahrten ohne Bus und Schiff" – so genannte Wanderlager, finden auch in Mülheim immer häufiger statt.
„Kaffeefahrten ohne Bus und Schiff" – so genannte Wanderlager, finden auch in Mülheim immer häufiger statt.
Foto: WAZ FotoPool
Eine dubiose Einladung lag bei vielen Mülheimern im Briefkasten: Zum 10-jährigen Firmenjubiläum der Firma Vital Vertriebs B.V. wurde in den Kölner Hof in der Innenstadt geladen. Doch laut dem Ordnungsamt handelt es sich dabei um eine Masche der „Verkaufsmafia“. Die Veranstaltung wurde bereits abgesagt.

Mülheim. Eine Einladung zum „10-jährigen Firmenjubiläum mit Präsentkorb und Sonderverlosung“, lag bei vielen Mülheimern im Briefkasten. Veranstaltungsort am 11. April sollte der Kölner Hof in der Stadtmitte sein. Jetzt bat Markus Thiel, Inhaber der Gaststätte, die WAZ um Hilfe beziehungsweise Veröffentlichung der Absage. Die dubiose Verkaufsveranstaltung ist illegal – das Ordnungsamt hatte Markus Thiel bereits eingeschaltet. „Die Veranstaltung wird nicht stattfinden, und nun habe ich natürlich das Problem, die vielen Gäste zu erreichen“, so Thiel.

Der Hinweis eines aufmerksamen Bürgers machte ihn stutzig. Er zeigte ihm die Einladung zum angeblichen „Firmenjubiläum“. Aus der Einladung, die per Post kam, ging auch nicht hervor, um welche Firma es sich überhaupt handelt. Im Brief heißt es nur: „Der Versand der Einladung erfolgt im Namen der Firma Vital Vertriebs B.V..“

„Als der Raum von der ,Aktiv Touristik B.V.’ gebucht wurde, habe ich erst mal keinen Verdacht geschöpft“, erklärt Markus Thiel. Räume vermiete er regelmäßig für Veranstaltungen, die skurrile Einladung hätte er vorher nie gesehen. Als deutlich wurde, dass es sich nicht um ein seriöses Firmenjubiläum, sondern um ein so genanntes Wanderlager (eine Art Kaffeefahrt ohne Bus) handelt, dass vor allem eines will: den Senioren das Geld aus der Tasche ziehen, sagte Thiel die Veranstaltung ab.

Hinweise aus der Bevölkerung wichtig

Dem Ordnungsamt Mülheim ist die Masche der „Verkaufsmafia“ bekannt. Erst im Januar konnte die letzte Veranstaltung im Restaurant „Zur Post“ verhindert werden.„Dabei sind wir auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen, um schon im Vorfeld einzugreifen“, sagt Claudia Dickhoff vom Ordnungsamt. Sie hält nichts von verdeckten Ermittlungen, bei denen ein Informant die Veranstaltung besucht, um dann einzugreifen.

„Damit lassen wir den Gastronomen, der den Raum zur Verfügung stellt, ins offene Messer laufen – der Ruf soll ja nicht geschädigt werden.“ Die unseriösen Firmen seien leicht zu erkennen: Sie werben mit Geschenken und versuchen die „Gäste“ mit persönlichen Einladungen regelrecht zu verpflichten. „Dahinter steckt eine gut organisierte Mafia meist aus Vechta, Oldenburg oder Cloppenburg, die auch so langsam in die Österreich und die Schweiz ausschwärmt“, erklärt Claudia Dickhoff.

Gezielt würden ältere Menschen angeschrieben, die Freude auf einen schönen Nachmittag ausgenutzt. Seriöse Veranstalter müssten ihre Aktion zwei Wochen vorher bei der Gewerbebehörde anmelden und im Besitz einer Reisegewerbekarte sein – Geschenke anzukündigen ist verboten. Mit einer Briefkastenadresse in den Niederlanden versuchen die Organisatoren diese Pflichten zu umgehen – ohne Erfolg, anmelden müssen sie sich trotzdem.

 
 

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