Utopie jetzt - Klangerlebnis auf höchstem Niveau

Musik-Festival auf dem Kirchenhügel zum Thema Krieg und Frieden in den vergangenen 100 Jahren.
Musik-Festival auf dem Kirchenhügel zum Thema Krieg und Frieden in den vergangenen 100 Jahren.
Foto: WAZ FotoPool
Das Festival für Neue Musik, Utopie jetzt!, war auf dem Kirchenhügel zu Gast und reflektierte mit einer Konzerttrias den Ausbruch der Weltkriege und des Mauerfalls.

Mülheim.. Zum elften Mal war ,Utopie jetzt! Festival Neue Musik’ in der Petrikirche zu Gast und reflektierte mit einer Konzerttrias den Ausbruch der beiden Weltkriege vor 100 und 75 Jahren sowie den Mauerfall vor 25 Jahren. Drei geschichtliche Ereignisse, die bis heute deutliche Spuren in der Kunst und auch der Musik hinterlassen.

Der WDR Rundfunkchor Köln war zu Gast, um das Festival am Freitag mit einem inhaltlich und musikalisch eindrucksvollen Konzert zu eröffnen. Unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Stefan Parkman spannte der Chor einen Bogen über 120 Jahre musikalischer Spiegelungen des Themas Krieg und Frieden – beginnend mit Johannes Brahms’ Fest- und Gedenksprüchen von 1890 bis hin zur Uraufführung des WDR-Kompositionsauftrags von In Flanders Fields des Schweden Jan Sandström – eine bewegende Vertonung von Zeilen eines Soldaten, der an die Nachwelt appelliert, die Gefallenen nicht zu vergessen. Dazwischen Werke unterschiedlichster Hintergründe: die versöhnlichen Plainsongs des Briten Jonathan Harvey, vier Antikriegsgesänge des Finnen Einojuhani Rautavaara, eine düstere Kammerkantate von Francis Poulenc und ein Lobgesang dem Frieden des Niederländers Rudolf Escher.

Musikalische Spiegelungen

Tagesschausprecher Jan Hofer bettete das Programm in eine beziehungsreiche Moderation aus zeitgeschichtlichen Ereignissen und passenden Stimmen von Zeitzeugen, deren Schilderungen die emotionale, erschütternde Seite des Krieges beleuchten und gleichzeitig zu Hoffnung aufrufen.

Hinter der klanglichen Qualität des WDR-Chores brauchten sich aber auch die Ausführenden des Konzerts am Samstag nicht zu verstecken: Der Petri-Kammerchor unter der Leitung von Gijs Burger sowie der Kamerkoor Maastricht unter Ludo Claesen zogen das Publikum schon beim einleitenden In Flanders fields von Charles Ives in ihren Bann, dessen eindringlicher Appell eine Brücke zum Programm des Vorabends schlug. Mit Fredrik Zellers neuem Werk für Cello und Orgel kam der Kompositionsauftrag von Utopie jetzt! zur Uraufführung – ein trotzig-sperriges Werk, das zwar mit Clustern und lauten, dissonant geschichteten Intervallen dem Festival-Motto „Aufschrei“ entspricht, aber nicht nur willkürlich geschrieben scheint, sondern auch allzu deutlich die provokante Haltung des Komponisten „Die Kunst ist tot, es lebe der Kommerz“ widerspiegelt.

Klangerlebnis auf höchstem Niveau

Genauso ablehnend wie er sich im einleitenden Komponistengespräch zeigte, war die Aufnahme beim Publikum. Ganz im Gegensatz zur deutschen Erstaufführung des effektvollen audiovisuell gestalteten Stücks Mountain top des niederländischen Komponisten Jacob ter Veldhuis. Abgerundet durch Kagel, Rihm und Messiaen ergab sich im schlicht-schön beleuchteten Kirchenraum ein Klangerlebnis auf höchstem Niveau.

 
 

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