Unter Druck

Wie sich der Buchdruck seit Johannes Gutenberg verändert hat, so unterliegt auch der Handel einem Wandel.
Wie sich der Buchdruck seit Johannes Gutenberg verändert hat, so unterliegt auch der Handel einem Wandel.
Foto: Waz FotoPool
Der Online-Handel macht den Buchläden immer mehr Konkurrenz. Die halten mit Beratung und Kundennähe dagegen.

Mülheim.  Büchereinkauf im Internet – das ist bequem, aber auch gefährlich für den örtlichen Buchhandel. „Wir bemerken, dass Kunden, die ein bestimmtes Buch kaufen möchten, dies gezielt im Online-Buchhandel tun. Diese Kunden suchen eine schnelle und praktische Möglichkeit zum Kauf und benötigen keine zusätzliche Beratung“, sagt die Filialleiterin der Thalia-Buchhandlung im Forum, Bettina Hecker.

Sie weiß aber auch: „Wer jedoch unentschlossen und noch auf der Suche nach dem richtigen Buch ist, kommt weiterhin in die Buchhandlung und stöbert gerne bei uns. Deswegen ist unsere buchhändlerische Beratung gerade hier gefragt.“ Forum-Manager Wolfgang Pins sieht Thalia mit seinem großen Sortiment als Paradebeispiel für die „Freizeitgestaltung Buch“, die eine bestimmte bildungsbürgerliche Klientel ins Einkaufszentrum lockt, die sonst dort nicht einkaufen würden.

Die Thalia-Buchhandlungen im Rhein-Ruhr-Zentrum und im Forum sind mit ihrer Verkaufsfläche von 740 und 1200 Quadratmetern die größten Buchhandlungen. Sie beschäftigen derzeit 31 Mitarbeiter.

Thalia ist der Platzhirsch

Laut Geschäftsbericht der zur Douglas-Holding gehörenden Thalia-Gruppe, hat das Unternehmen im Jahr 2010/2011 bereits 14 Prozent seines Umsatzes von 935 Millionen Euro mit dem um gut 20 Prozent gewachsenen Online-Buchhandel erwirtschaftet. Das entspricht dem bundesweiten Marktanteil des Online-Buchhandels von 13,8 Prozent. Während der Gesamtumsatz des Unternehmens um 3,2 Prozent anstieg, ging der Umsatz in den Läden um 1,5 Prozent zurück.

Vor diesem Hintergrund bestätigt Pressesprecherin Mirjam Berle, dass Thalia „möglicherweise“ 15 seiner insgesamt rund 300 Buchhandlungen schließen könnte. Welche Standorte betroffen sein könnten, will und kann sie aber noch nicht sagen, „weil es noch keine Liste“ gebe. Außerdem betont Berle, dass Thalia ein möglichst dichtes Filialnetz behalten möchte, um mit „Nähe, Beratung und Sortiment“ bei den Kunden punkten zu können.

Wie bei Thalia hat man auch in den kleineren Buchhandlungen in Stadtmitte (Röder und Fehst), Saarn (Hilberath und Lange) und Broich (Bücherträume) festgestellt, dass vor allem Fachbücher und Nachschlagewerke heute eher im Internet gekauft oder auch ganz durch Internetportale ersetzt werden.

"Kunden in ihrem Kaufverhalten sensibilisieren"

Obwohl auch die kleinen Stadtteilbuchhandlungen ihren Kunden anbieten, über ihre Internetseiten Bücher online einzukaufen, ist der Anteil derjenigen, die dieses Angebot nutzen, eher gering. „Das bewegt sich im Promillebereich“, sagt der am Löhberg ansässige Buchhändler Michael Fehst. Und seine Kollegin Ursula Hilberath von der Düsseldorfer Straße spricht mit Blick auf den Anteil der Online-Käufer von „deutlich unter zehn Prozent.“ Allerdings macht sie sich keinen Illusionen darüber, „dass die Kunden in ihrem Kaufverhalten sensibilisiert werden müssen“, wenn die Buchhandlung an der Ecke auch langfristig erhalten bleiben soll.

Der Inhaber der an der Leineweberstraße ansässigen Buchhandlung Röder, Klaus Bloem, erzählt da wegweisend von Kunden, „die sich Buchtitel aus dem Internet suchen und ausdrucken, um sie dann bei uns in der Buchhandlung zu kaufen.“ Alle Stadtteil-Buchhändler berichten von stabilen Umsätzen.

Warum aber halten ihnen die Kunden im Internetzeitalter die Treue, obwohl dem Sortiment in ihren 100 bis 120 Quadratmeter großen Buchhandlungen enge räumliche Grenzen gesetzt sind? „Die Broicher kaufen einfach gerne in ihrem Stadtteil ein“, sagt Petra Büse-Leringer, die erst im letzten Herbst mit ihrer Kollegin Karin Tator eine Buchhandlung an der Prinzeß-Luise-Straße eröffnet hat. Ihre Buchhandlung haben die beiden Broicherinnen wie ein Wohnzimmer eingerichtet, in dem man nicht nur stöbern, schmökern und klönen, sondern auch eine Tasse Kaffee oder Tee trinken kann.

Auch ihr Kollege Fehst sieht „die einladende Atmosphäre und die persönliche Ansprache der Kunden, die sich bei mir als Gäste fühlen sollen“, als das große Plus seiner kleinen Buchhandlung. Wie Fehst hat auch Hilberath in Saarn festgestellt, „dass wir unser Sortiment schneller an Kundenwünsche anpassen können, weil wir unsere Kunden genau kennen und mit ihnen immer im Gespräch sind und deshalb keine toten Flächen im Laden haben.“

Mehr Service

Dieser gute Draht zu den Kunden wird auch (siehe Kasten) nicht nur bei Hilberath & Lange durch regelmäßige Veranstaltungen wie Lesungen oder Ausstellungen gepflegt. „Die Online-Konkurrenz ist nicht von der Hand zu weisen. Deshalb müssen wir mit Service und persönlicher Ansprache Schwerpunkte setzen und Nischen für uns entdecken“, betont Röder-Inhaber Bloem. „Wenn die Kunden nicht zu mir kommen, muss ich eben zu den Kunden kommen“, beschreibt er etwa die Erfolgsgeschichte seines Hauslieferservices.

Damit aus Service und Beratung auch eine Beziehung zwischen Buchhändlern und ihren Kunden wird, braucht es vor allem persönlichen Einsatz. Wenn man das Verhältnis von Verkaufsfläche und Personal betrachtet, haben die kleinen Buchhandlungen, die mit zwei bis fünf Mitarbeitern agieren, die Nase offensichtlich vorne.

Doch ebenso wie Thalia versuchen auch die kleinen Buchhandlungen ihren Umsatz mit Produkten jenseits des guten Buches zu stabilisieren. Deren Bandbreite reicht von DVDs, Musik-CDs und Geschenkartikeln bis zu Schreib- und Spielwaren.

 
 

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