Ulrike Flach – Aufsteigerin in schwieriger Zeit

Ulrike Flach auf dem Balkon ihres Hauses am Rande der Altstadt: Sie blickt auf die aktuelle politische Lage ihrer Partei unaufgeregt. Foto: Fabian Strauch
Ulrike Flach auf dem Balkon ihres Hauses am Rande der Altstadt: Sie blickt auf die aktuelle politische Lage ihrer Partei unaufgeregt. Foto: Fabian Strauch
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Die langjährige Bundestagsabgeordnete Ulrike Flach wurde vergangenes Jahr überraschend Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Sie sieht die Entwicklung der FDP gelassen.

Mülheim.. Wieder ist es so ein Morgen, der mit einer negativen Schlagzeile für die FDP beginnt: 5000 Mitglieder verloren! Das passt zu einem Jahr, in dem die Liberalen tief gesunken sind. Oder? „Ich sehe es mit einer gewissen Gelassenheit“, sagt die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Ulrike Flach, die in ihrem Haus am Rande der Innenstadt den Jahreswechsel verbringt – und auf bessere Zeiten hofft. Es sei bei weitem nicht alles schlecht gewesen, und es sei nicht die erste Talfahrt der FDP.

Sie erinnert sich an den Anfang der 90er Jahre, als sie Kreisvorsitzende war, da habe die FDP viel mehr Mitglieder verloren. Oder an die Zeit, als die Liberalen die SPD als Regierungspartner verließen – eine ganz schwierige Phase. Es ging stets wieder aufwärts, und auch heute glaubt sie, dass die Liberalen durchaus Zukunft haben, dass die beinahe wöchentlichen Wasserstandsmeldungen über das Absacken der FDP nicht entscheidend seien, entscheidend seien die Monate vor der Wahl. Tief besorgt sei sie jedenfalls nicht. Und wenn sie auf ihre Heimatstadt Mülheim blickt, sieht sie dort nach wie vor eine Hochburg der FDP, die insgesamt deutlich stärker sozialmarktwirtschaftlich ausgerichtet sei als früher, auch das habe der Mitgliederentscheid gezeigt.

Erfahrene Stütze

Für Ulrike Flach war es eigentlich ein tolles Jahr. Unverhofft, durch die FDP-Krise bedingt, stieg sie im 14. Jahr als Bundestagsabgeordnete auf in die Regierung, wurde Parlamentarische Staatssekretärin und gilt im Haus des jungen Ministers als erfahrene Stütze.

Und was sie besonders freut: Es ist 2011 ein Gesetz verabschiedet worden, das eng auch mit ihrem Namen verbunden ist, nach wie vor eine Seltenheit im Gesetzesdschungel der Bundesrepublik. Es handelt sich um das Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik. „Wir wollen Paaren, bei denen auf Grund genetischer Dispositionen für schwere Krankheiten die Gefahr einer Fehl- oder Totgeburt droht, eine Chance eröffnen, ein gesundes Kind zu bekommen“, so Ulrike Flach.

In der Gesundheitspolitik sieht sie große Fortschritte. Aus einer Finanzlücke von neun Milliarden Euro sei ein Plus in dieser Höhe entstanden, zum ersten Mal sei es gelungen, die Preise der Pharmaindustrie zu drücken. „Wir haben wieder ein solides Fundament“, sagt sie und weiß, wie wichtig dies bei immer mehr älteren und kränkeren Menschen ist, bei immer höheren Erwartungen an die Medizin. Spezial

Arbeitsintensiv und anstrengend

Sie bedauert, dass es sehr schwierig für Politiker geworden sei, Erfolge zu vermitteln. „Egal, was man macht, man hat nur eine geringe Chance, positiv bewertet zu werden.“ Hinzu komme, dass das politische Amt extrem arbeitsintensiv und anstrengend geworden sei, nicht nur für ältere. Viele junge Leute würden sich drei Mal überlegen, ob sie diesen Weg lange gehen wollen. Jahrzehnte in der Politik – Ulrike Flach ist überzeugt, dass diese Spezies der Vergangenheit angehört.

Eine der größten Herausforderungen, an der sie mitarbeitet, ist die Pflegereform. Vieles sei da verbesserungswürdig: Die Eigenverantwortung müsse auch hier ausgebaut werden. Verbesserungsbedarf gebe es in der Versorgung der Demenzkranken, die Attraktivität des Pflegeberufes müsse deutlich besser werden. Dazu gehöre auch eine bessere Bezahlung. Das alles kostet.

Privatleben immer stärker eingeengt

Ihr Leben hat sich nach 14 Jahren Bundespolitik mit den Spitzenämtern nochmals gewandelt. Öffentliche Auftritte sind deutlich mehr, das Privatleben immer stärker eingeengt worden. Es sei schwer geworden, für sich noch Freiräume zu schaffen. Politik bestimmt das Leben, auch wenn es um Wünsche geht für 2012: „Ich möchte mal wieder an einem Wahlabend vor dem Fernseher nicht zittern müssen.“

 

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