Treue Unterstützer Mülheimer Kunst

„Viele Bürger, Institutionen und Unternehmen arbeiten bis heute an der Erweiterung unserer Sammlung und der Förderung unseres Museums mit“, sagt Museumsleiterin Beate Reese erfreut. Der Kunstverein kümmert sich schwerpunktmäßig um die Vermittlung von Kunst und Förderung zeitgenössischer Künstler, der Förderkreis unterstützt das Museum in seiner Arbeit und kauft ausgewählte Kunstwerke zur Erweiterung der Sammlung an.

„Nach dem Krieg gab es keine nennenswerte Kunstsammlung mehr in Mülheim“, sagt Reese. Große Verluste erfuhr die Sammlung 1937 durch die Ächtung so genannter „Entarteter Kunst“ durch das Nazi-Schreckensregime und 1943 durch den Museumsbrand nach einem Bombenangriff auf Mülheim. Ohne eigenes Haus habe man in den 1950er- und 60er-Jahren eine neue Sammlung aufgebaut, man sei buchstäblich bei Null angefangen.

Heute besitzt das Museum, seit 1994 im Gebäude der ehemaligen Hauptpost beheimatet, wieder Arbeiten von vielen namhaften Künstlern. Das sei in großem Maße beiden Vereinen, der Übergabe der Sammlung Ziegler 1981 sowie weiteren Spendern zu verdanken, etwa den Thyssen-Röhrenwerken für die „Suite Vollard“ von Pablo Picasso.

Mülheimer Kunstverein e. V.

„Der Mülheimer Kunstverein hat sich 1956 gegründet, um nach dem Krieg dem Bedürfnis einiger Bürger nachzukommen, die Defizite des Dritten Reichs aufzuholen und Lücken zu füllen“, erklärt sein stellvertretender Vorsitzender Hans-Jürgen Bolz. „Von Anfang an hat der Verein mit dem Mülheimer Museum zusammengearbeitet und es gefördert“, so Bolz. Frau Dr. Reese sei, wie alle Vorgänger, kraft Satzung Mitglied des Vorstandes.

Für eigene Kunstausstellungen nutzt der Verein nach Absprache die Räumlichkeiten des Museums. Dabei sei die Förderung zeitgenössischer Kunst und Künstler ein besonderer Schwerpunkt, wie die 2006 zum 50-jährigen Vereinsbestehen umgesetzte „Tandem“-Ausstellung gezeigt habe. Zwölf Mülheimer Künstler durften jeweils einen anderen zur Präsentation seiner Werke einladen. „Das war damals eine Ausstellung mit einem großen Zulauf und einem tollen Katalog“, so Bolz.

Auch die Ausstellung „Mülheim sammelt“, sei ein großer Erfolg gewesen. Die letzte Preisträgerin des vom Kunstverein gestifteten Mülheimer Kunstpreises, Corinna Krebber, habe 2014 mit Alexander Voß im Museum einige Arbeiten in der Ausstellung „Schnittlinien“ präsentiert.

Aktuell wird über ein neues Modell zur Künstlerförderung durch den Kunstverein nachgedacht. Fest stehe bisher lediglich, dass sich der Turnus der Vergabe ändert, erklärt Jannine Koch, seit einem Jahr Mitarbeiterin des Vereins. „Möglicherweise werden wir uns auch nicht mehr auf Einzelpersonen fokussieren.“ Man denke im Vorstand über eine Öffnung über Mülheim hinaus nach. Ein endgültiges Konzept werde man jedoch erst nach der Renovierung des Kunstmuseums 2017 vorlegen.

Seinen Mitgliedern und auch den Mülheimer Bürgern bietet der Verein ein vielseitiges Programm mit regelmäßigen (Sonntags-)Führungen, Vorträgen, Konzerten und Museums- sowie Atelierexkursionen. Für Mitglieder seien viele Veranstaltungen kostenfrei oder reduziert, erklärt Koch. Das museumspädagogische Angebot für Kinder und Jugendliche wird unterstützt. Ebenso seit der für das Museum überaus erfolgreichen August-Macke-Ausstellung das Workshop-Angebot für Erwachsene. „Über dieses Angebot konnten wir erfreulicherweise neue Mitglieder jeder Altersgruppe gewinnen“, so Jannine Koch. „Es kann jeder Mitglied werden“, wirbt Bolz. „Einzige Voraussetzung ist ein wenig Neugierde!“

Förderkreis für das Kunstmuseum

„Bei uns steht die Museumsförderung im Vordergrund, vor allem die Erweiterung der Sammlung liegt uns am Herzen“, erklärt Vorsitzender Dr. Carsten Küpper. Seit Gründung 1979 sei es Ziel des Förderkreises, das Museum in seiner Arbeit finanziell zu unterstützen – im Rahmen von Projektfinanzierungen, Ko-Finanzierungen von Katalogen und vor allem durch Ankäufe von Kunstwerken sowohl der klassischen Moderne als auch zeitgenössischer Kunst. Der stellvertretende Vorsitzender Hermann Blümer formuliert diplomatisch: „Angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt ist es heute umso wichtiger, Ankäufe zu tätigen.“ Küpper ergänzt: „Unsere Absicht ist es, den Sammlungsbestand attraktiv zu erhalten, denn so sind wir auch attraktiv für andere Museen, die unsere Bilder leihen.“

Die 180 Förderkreis-Mitglieder leisteten durch ihren Beitrag ein Bekenntnis zum Haus und zur Erhaltung des Mülheimer Kunstmuseums, so Küpper. Ihre Wünsche legt die Museumsleiterin dem Förderkreis vor, im Vorstand werde dann abgestimmt, ob ein Werk tatsächlich angekauft werde. Reese legt Wert darauf, Bezüge im Museumsbestand zu schaffen. „Sammeln gehört einfach zu den Grundaufgaben eines Museums“, so die Kunsthistorikerin, die auch im Förderkreis Mitglied des Vorstandes ist.

Der Förderkreis denkt schon weiter und wird für die Nutzung der Palette durch das Museum einen fünfstelligen Betrag für die Ausstattung zur Verfügung stellen. Eine weitere große Unterstützung bei der Finanzierung bietet der seit 1997 bestehende Museumsshop, betont die Beauftragte Ursula Ullrich-Köhler. Der einzige ehrenamtliche Museumsshop Deutschlands werde von 17 Damen, alle zwischen 62 und 86 Jahre alt, mit großem Engagement und viel Herzblut geführt. Die Damen, die auch gerne mal einen Plausch halten, hören von den Museumsbesuchern viel Lob, so Ullrich erfreut. „Der Shop mit seinen Mitarbeiterinnen ist sozusagen unser Empfangskomitee“, lobt Reese.

„Wir möchten unseren Kindern später etwas Schönes hinterlassen“, sagt Hermann Blümer. Und glücklicherweise gebe es in Mülheim viele Menschen, die das ebenso empfänden und sich öffentlich oder aber im Verborgenen zum Kunstmuseum bekennen.

 
 

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