Tiefpunkt: Nicht mal jeder Zehnte wählte

Der neue Jugendstadtrat im Mülheimer Rathaus.
Der neue Jugendstadtrat im Mülheimer Rathaus.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim an der Ruhr. Die Stadt Mülheim hat einen neuen Jugendstadtrat. Grund zum Jubeln gibt es nicht: Zwei Wochen standen an den weiterführenden Schulen Wahlurnen. Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren waren aufgerufen, sich an der Wahl zu beteiligen. Von 12 894 Wahlberechtigten taten dies jedoch nur 1011.

Genau gegen diese Politikverdrossenheit unter Jugendlichen möchte Norina Poetter als frischgebackene Stadträtin ankämpfen. „Dabei ist mehr Mitspracherecht von Jugendlichen doch wichtig, vor allem im kulturellen Bereich“, findet die 18-jährige Schülerin, die bereits ein Praktikum im Bundestag absolviert hat.

Simon Löwenberg errang die meisten Stimmen

Dem kann Simon Löwenberg nur zustimmen. Der 17-jährige Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule konnte mit 119 Stimmen die meisten für sich gewinnen. An seinem neuen Amt gefällt ihm vor allem, dass er sich politisch engagieren kann, ohne sich an eine Partei zu binden, da die Jugendlichen ausschließlich parteilos arbeiten. „Ich möchte mich da noch nicht so festlegen“, meint Simon Löwenberg, „und wenn die Parteien so bleiben, wird sich daran wohl auch nichts ändern. Ich kann mich einfach mit keiner identifizieren.“ Wichtig sind dem Schüler besonders Themen wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit, denn die gibt es seines Erachtens in Deutschland und somit auch in Mülheim nicht.

Timon Rhein hat den Sprung in den Stadtrat nicht geschafft. Enttäuscht ist der 15-jährige Schüler des Gymnasium Heißen aber nicht. „Es war bei der niedrigen Wahlbeteiligung an unserer Schule zu erwarten. Von knapp 600 Schülern haben gerade mal 43 gewählt“, beschreibt Timon das politische Desinteresse seiner Mitschüler. Gerne hätte er für die Jugend in Mülheim etwas verändert, wobei er vor allem die Freizeitmöglichkeiten in Mülheim bemängelt.

Wahl musste wegen Nachwuchsmangel verschoben werden

Trotz der geringen Wahlbeteiligung ist Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld glücklich, dass wieder ein Jugendstadtrat zustande gekommen ist. Eigentlich sollte die Wahl bereits im Herbst letzten Jahres stattfinden, musste aber aufgrund Nachwuchsmangels verschoben werden. „Die Medienarbeit, aber auch das Engagement an den Schulen hat dazu geführt, dass es den Jugendstadtrat weiterhin gibt“, so die Oberbürgermeisterin. „Wir wissen aber, dass die Stadt noch intensiver mit den Schulen zusammenarbeiten muss.“

Ihre Arbeit werden die 18 Jugendlichen im September aufnehmen. Zunächst wird es ein Kennenlern-Wochenende geben und Projektgruppen werden gebildet, bevor die ersten Sitzungen anstehen.

 
 

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