Teures Wohnen - Mietspiegel weist in Mülheim Steigerung aus

Präsentierten den neuen Mietspiegel: v.l.n.r. Sonja Herzberg (Mieterbund Rhein Ruhr). Harald Trieb (Stadt MH/Statistik), Harald Bartnik (Mieterschutzbund), Sebastian Klöppel (InWIS), Matthias Lincke (Stadt MH/Vorsitzender Gutachterausschuß), Andreas Noje (Haus&Grund), Angela Lülf (Stadt MH/Geschäftsführung Gutachterausschuß), Ulf Lennermann (SWB).
Präsentierten den neuen Mietspiegel: v.l.n.r. Sonja Herzberg (Mieterbund Rhein Ruhr). Harald Trieb (Stadt MH/Statistik), Harald Bartnik (Mieterschutzbund), Sebastian Klöppel (InWIS), Matthias Lincke (Stadt MH/Vorsitzender Gutachterausschuß), Andreas Noje (Haus&Grund), Angela Lülf (Stadt MH/Geschäftsführung Gutachterausschuß), Ulf Lennermann (SWB).
Foto: Walter Schernstein
Im neuen Mietspiegel 2016 wird erstmals der Faktor Lärmbelästigung berücksichtigt. Es gibt es auch eine neue Gebietseinteilung für das Stadtgebiet.

Mülheim.. Das Wohnen in Mietwohnungen ist in Mülheim teurer geworden. Die Preise sind „moderat“ gestiegen, wie es Ulf Lennermann, Geschäftsführer des SWB, gestern bei der Präsentation des neuen Mietspiegel 2016 formulierte. Moderat heißt: Die Kaltmieten sind in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich von 5,78 Euro auf 6,02 pro Quadratmeter gestiegen. 2007 betrug die durchschnittliche Nettokaltmiete 5,47 Euro. Nach wie vor gilt: Wer im Süden wohnt, muss mehr zahlen als im Norden.

Die Zahlen entsprechen einer Mietsteigerung von insgesamt 4,15 Prozent und einem Zuwachs von etwa mehr als einem Prozent pro Jahr. Der neue Mietspiegel gilt für die kommenden zwei Jahre und bietet eine objektive Übersicht, welche Miete für freifinanzierte Wohnungen angemessen ist. Erstellt worden ist er vom Bochumer InWIS-Institut. Der Arbeitskreis Mülheimer Mietspiegel, dem u.a. der Mieterschutzbund, Haus & Grund, der Mülheimer Wohnungsbau, die SWB und die Stadt Mülheim angehören, hat dem Mietenmodell zugestimmt.

Es basiert auf den Daten von rund 2600 Wohnungsvermietern für mehr als 5000 Wohnungen. Diesmal wurden rund 5200 Vermieter angeschrieben und nicht mehr, wie in den Jahren zuvor, Mieter. Man erhoffte sich so einen höheren Rücklauf und genauere Angaben beispielsweise zur energetischen Sanierung der Häuser. Eine Rechnung, die aufging. Der Mietspiegel von 2012 basierte noch auf Daten von nur rund 1600 Rückläufen.

Vergleich mit früheren Mietspiegeln nicht möglich

Erstmals berücksichtigt worden sind Daten zur Lärmbelästigung und detailliertere Angaben zu Modernisierungsmaßnahmen und zur Barrierefreiheit.

Für Harald Bartnik, Geschäftsführer des hiesigen Mieterschutzbundes, ist vor allem eines wichtig: „Für die einfachen Wohnungen ist mit keiner Mieterhöhung zu rechnen.“ Gemeint sind zum Beispiel 60er Jahre Bauten, ohne Dämmung, mit alten Bädern womöglich an Hauptstraßen gelegen. „Gerade in diesen Wohnungen leben viele Rentner, die sich keine höhere Miete leisten können“, sagt Bartnik. Er rechnet nicht damit, dass es nun viele Mieterhöhungen geben wird. „Wir haben wenig Prozesse im Bereich der Mietanpassung“, sagt auch Sonja Herzberg, Rechtsanwältin des Mieterbundes Rhein Ruhr.

Da sich die Struktur des Mietspiegels geändert hat, ist ein Vergleich der Tabellenwerte mit früheren Mietspiegeln nicht möglich. So fließen in die Berechnungen nicht nur neue Faktoren wie die Lärmbelästigung und der Stand der energetischen Sanierung ein. Vielmehr wurde die Stadt in sieben Gebiete eingeteilt, die Einfluss darauf haben, wie viel Zuschlag pro Quadratmeter möglich sind – in Styrum beispielsweise null Euro, in Saarn 0,53 €.

Rechtsanwalt: "Erhöhte Nachfrage auf Prüfungen"

Noch immer gilt: Gut ausgestattete Wohnungen in den südlichen Gebieten Mülheims wie Saarn oder Menden werden teurer. Bei minder ausgestatteten und nicht modernisierten Wohnungen insbesondere im nordöstlichen Teil der Stadt wie in Dümpten oder Winkhausen steigen die Mieten nicht oder kaum. Der Mittelwert einer 80 Quadratmeter großen Wohnung, Baujahr ab 1995, liegt beispielsweise bei 6,84 € pro Quadratmeter, bei einem Baujahr bis 1962 bei 5,34 €. „Für eine Familie, die in einer moderneren Wohnung lebt, kann dies zu einer Belastung werden“, sagt Sonja Herzberg.

Allerdings geht auch nicht Haus & Grund davon aus, dass es nach der Veröffentlichung des neuen Mietspiegels zu drastischen Mieterhöhungen kommen wird. „Wir werden eine erhöhte Nachfrage auf Prüfungen haben“, sagt Rechtsanwalt Andreas Noje. Aber man sage auch immer den Eigentümern, „dass man sich überlegen muss, ob man die Miete wirklich um 50 Euro im Jahr erhöhen will und damit vielleicht langjährige Mieter verliert.“

Mietermarkt in Mülheim

Leichter ist es künftig für Eigentümer, Sanierungs- und Modernisierungskosten auf die Miete umzulegen. So werden die Punkte „Nachträgliche Dämmung der Außenwände“, „Erstmaliger Dusch- oder Badeinbau“, „vollständige Erneuerung der Elektroinstallation in den Jahren 2000 bis 2009 oder seit 2010“ und „Erneuerung aller Fenster in den Jahren seit 2002“ aufgeführt. „Dadurch können wir jetzt die Miete einfacher nach einer Sanierung anpassen“, sagt Ulf Lennermann, Geschäftsführer der SWB. Er betont zugleich, „dass wir für eine Erhöhung mit Augenmaß stehen“.

Nach wie vor gibt es auch im neuen Mietspiegel eine Mietspanne um den Mittelwert herum. So können je nach Ausstattung der Wohnung höhere Preise pro Quadratmeter angesetzt werden. „Allerdings müssen diese begründet werden“, erklärt Sonja Herzberg. Ein Whirlpool im Bad, der Ruhrblick oder eine Penthouse-Wohnung könnten Gründe sein.

Allgemein ist Mülheim bei den Mietpreisen im oberen Drittel im Vergleich zu den Nachbarstädten zu sehen. Dennoch spricht Ulf Lennermann von einem „Mietermarkt. Wir haben nicht alles vermietet.“

 

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