Tanzen kennt keine Altersgrenze

Tanzprojekt im Ringlokschuppen.
Tanzprojekt im Ringlokschuppen.
Foto: Picasa
„Magic Lines“ heißt das neue Tanztheater von Barbara Cleff im Ringlokschuppen. Die Teilnehmer sind zwischen 55 und 90 Jahren. Mit dabei auch: Wilhelm Knabe (90), Grünen-Politiker aus Mülheim.

Mülheim. Der Ringlokschuppen ist ein vielfältiger Kulturtreffpunkt mit Theater und Tanz, Kabarett und Konzerten, Puppenspiel und Disco, Workshops für junge Menschen, aber auch für die reife Generation. Mancher wird sich verwundert die Augen reiben, wenn er den Grünen-Politiker, der gerade erst das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhalten hat, erlebt, wie er sich unter einer Schar von Frauen auf der Bühne, dem Ausdruckstanz hingibt. Und das mit 90 Jahren: Wilhelm Knabe ist einer der vier Männer, die beim Tanztheater „Magic Lines“ von Barbara Cleff im Ringlokschuppen mitmachen.

Voller Energie sagt der fitte Senior: „Tanz, Bewegung und Sprache – das alles zusammen macht es unheimlich spannend.“ Nicht zuletzt will Knabe älteren Menschen Mut machen, die denken, es geht nicht weiter: „Doch, es geht weiter.“ Peter Möller witzelt über seine Grenzerfahrungen. „Ich habe einiges Theater in meinem Leben hinter mir, nur Tanz und Bewegung hatte ich noch nicht.“ Marlies Rustemeyer spricht für viele der Damen, wenn sie sagt: „Ich tanze gern und als das hier angeboten wurde, da habe ich mitgemacht.“ Mittlerweile sind in der 21-köpfigen Gruppe zwischen 55 und 90 Jahren Teilnehmer quer aus dem Ruhrgebiet.

Gern mal eine Grenze überschritten

Getreu dem Thema „Magic Lines“ überschreiten sie gern mal eine Grenze. „Es geht um mehrere Ebenen, die wir miteinander verbinden“, sagt Choreografin und Tanzpädagogin Barbara Cleff. Neben dem Tanz ist es die Sprache mit Textenauszügen von Max Frisch und ein Klangteppich von Jazz bis Mozart. Zum Konzept gehört auch, „dass andere künstlerische Medien und Gruppen mit einbezogen sind“. So kommt die Fotogruppe Speldorf ins Spiel, die das Projekt dokumentiert und für Dia-Inszenierungen sorgt.

[kein Linktext vorhanden]Im Tanz loten die Teilnehmer die Beziehung zwischen Stadtarchitektur und Natur aus, sind im Miteinander Begrenzungen und Konsequenzen, Hürden und Hindernissen auf der Spur. Konzentriert und ernsthaft sind alle bei der Sache. „Eine wirklich tolle Gruppe“, sagt Cleff. „Ich bin super glücklich mit diesen Menschen arbeiten zu können.“ Sich in Bewegungen wiegend, schieben die Tänzer in der imaginären Stadtlandschaft Türme über den Boden, auf die Bilder mit Stadtansichten projiziert sind.

Über Bewegungen, Abläufe und das richtige Timing wacht Barbara Cleff, die hier und da korrigierend eingreift. Was bei dieser Probe stattfindet, ist kein Feierabend-Abzappeln, sondern ein „Künstlerisches Projekt“, erläutert Cleff, „an dem wir im Sinn des Wortes arbeiten, ohne dass uns die Freude daran vergeht“.

 
 

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