Tante Emma als Alternative?

Zuletzt traf es Holthausen, wo kürzlich die Netto-Filiale an der Zeppelinstraße sang- und klanglos geschlossen wurde. Im vergangenen Herbst war es Dümpten, das „sein“ Rossmann-Geschäft trotz Kampfes und zahlreicher Ideen des Bürgervereins verloren hat. Als nächstes kommt vielleicht das Dorf Saarn auf die Liste der Stadtteile, in denen Nahversorgung kaum noch möglich ist, falls der Tengelmann-Laden an der Düsseldorfer Straße nicht weiterbetrieben wird.


So genannte Ankermieter fallen weg, was auch den Fortbestand kleinerer Geschäfte gefährdet. Stadtteilzentren bluten, wenn Einzelhandelsunternehmen entscheiden, ihre Supermärkte nur noch vor den Toren, auf der grünen Wiese zu eröffnen. Was praktisch ist für diejenigen, die mit dem Auto vorfahren. Die Leidtragenden aber sind diejenigen, die nicht motorisiert sind, darunter ältere Menschen. Die bislang mit ihrem Einkaufstrolley um die Straßenecke gekommen sind, um vor ihrer Haustür das Nötigste „einzuholen“. Selbstständig, selbstbestimmt.


Diese Erfahrung wird den Menschen genommen, wenn es künftig nur noch große, profitable Einkaufszentren gibt. Natürlich haben die Handelsunternehmen den wirtschaftlichen Aspekt vor Augen. An eine Verantwortung dem Bürger gegenüber zu appellieren, wäre wohl verschenkte Energie. Aber rühmt sich nicht mancher Boss werbeträchtig mit sozialem Engagement? Sie müssten sich also auch in die Pflicht nehmen lassen, wenn die Bürger sich eine umfassende Nahversorgung wünschen.


Vielleicht ist es an der Zeit für eine Rückbesinnung hin zu kleinen Märkten wie anno dazumal. Zugegeben, dazu gehört Mut. Mut derjenigen, die es wagen, solche Geschäfte zu eröffnen. Aber dazu gehört auch genauso die dauerhafte Bereitschaft der Verbraucher, bei Tante Emma einkaufen zu gehen.

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