Talentscouts helfen auf dem Weg zum Traumjob in Mülheim

Die Talentscouts der HRW: Kerstin Franz (l.), Paul Pillath und Dilek A. Tepeli.
Die Talentscouts der HRW: Kerstin Franz (l.), Paul Pillath und Dilek A. Tepeli.
Foto: Zentrum für Talentförderung
  • Die soziale Herkunft entscheidet oft über den weiteren Lebensweg
  • Seit 2015 fördert das Land bis 2020 die Arbeit der Talentscouts
  • An sieben Schulen in Mülheim, Bottrop und Oberhausen sind die Scouts aktiv

Mülheim.. Noch immer entscheidet oft die soziale Herkunft über den weiteren Lebensweg eines Kindes, bleibt die versprochene soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems Theorie. Damit sie Realität wird, ist Unterstützung und Ermutigung nötig. Diese Aufgabe leisten Talentscouts, die es seit gut einem Jahr auch an der Hochschule Ruhr West gibt.

Umgesetzt wurde die Idee vor sechs Jahren an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Seit 2015 fördert das Land bis 2020 die Arbeit der Talentscouts an zunächst sieben Hochschulen und der HRW. An sieben Schulen in Mülheim, Bottrop und Oberhausen sind die drei Scouts Kerstin Franz , Paul Pillath und Dilek A. Tepeli bereits aktiv. In Mülheim gehören das Gymnasium Broich und die Willy-Brandt-Schule dazu, bald auch die Otto-Pankok-Schule und die Gustav-Heinemann-Gesamtschule. Die drei Scouts sind zunächst an die Schulen gegangen, zu denen die HRW, etwa über das zdi, bereits in Kontakt stehen.

Die Beratung ist ergebnisoffen

Die Beratung ist immer ergebnisoffen. Ziel sei es, eine passende Lösung für den Jugendlichen zu finden. „Es geht nicht darum, Studenten für die HRW zu akquirieren, auch wenn wir hier sitzen“, betont Kerstin Franz. Stelle sich heraus, dass ein Medizinstudium das richtige ist, „helfen wir auch dort und wenn sich ein Studium nicht als der richtige Weg erweist, ist das auch in Ordnung“. Gerade berät sie eine Schülerin, die ein Auslandsjahr anstrebt. Die Scouts wollen auch dazu beitragen, das falsche Erwartungen nicht zum Frust und schließlich zum Studienabbruch führen.

Es gibt viele Unterstützungsangebote, die aber für Schüler nicht immer leicht zu finden sind. Die Ergebnisse besprechen die Scouts gemeinsam mit den Schülern.

Die Ansprache ist locker, die drei Scouts sind mit den Schülern per du. „Hi! Ich bin Kerstin, dein Talentscout“, steht auf ihrer Visitenkarte, „Egal was du nach der Schule machen willst... Wenn du allein nicht weiter kommst, kannst du mir hier schreiben oder mich anrufen, gemeinsam finden wir eine Lösung.“ Auch Kerstin Franz ist ein gutes Beispiel. Die 35-Jährige aus Gelsenkirchen ist in ihrer Familie die erste Akademikerin. Sie kam in der Oberstufe aus privaten Gründen ins Trudeln, schaffte nur eine schwache Abinote, verlor ihr Selbstbewusstsein und zweifelte am Berufswunsch Grundschullehrerin. „Das Entscheidende war, dass ich von meinen Eltern immer bestärkt wurde, meinen Weg zu gehen“, sagt sie. Später habe sie gemerkt, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Sie konzentrierte sich im Pädagogikstudium an der Uni Bielefeld auf interkulturelles Training, war in Kairo und Abu Dhabi. Im Juli 2013 kam sie an die HRW und baute dort das Mentoring-Programm auf.

Lebenswege verliefen nicht gerade

„Wir alle haben spannende Lebenswege, die nicht gerade verliefen, ich denke, dass wir deshalb im Kontakt mit Schülern glaubwürdig erscheinen.“ Kerstin Franz weiß, dass Noten nur bedingt etwas über die Kompetenzen eines Menschen aussagen. Das sei auch bei der Vergabe von Stipendien oft nicht das wichtigste Kriterium. Die Lehrer sind dennoch die zentralen Ansprechpersonen für die Scouts. „Sie sind unsere Augen und Ohren, denn sie kennen die Schüler am besten und wissen, welcher Schüler welches Potenzial hat“, erzählt Kerstin Franz.

Im Grunde seien die Lehrer die Scouts und sie die Coaches, die motivieren und Wege aufzeigen. In den Sprechstunden haben sie eine halbe Stunde Zeit, den Schüler kennenzulernen. Dann wird ein Fahrplan entworfen: Treffen mit Studenten, die aus der Praxis erzählen, eine Schnupperwoche an der Hochschule, Workshops in der Ferienakademie oder eine betriebspraktische Woche. Es gibt auch Elternworkshops, bei denen Eltern erfahren können, wie sie ihr Kind am besten unterstützen können.

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