Stadtreparatur ist längst nicht abgeschlossen

Der Platz der Dröppelminna an Löhberg, Auer- und Löhstraße strahlt nur wenig Aufenthaltsqualität aus.
Der Platz der Dröppelminna an Löhberg, Auer- und Löhstraße strahlt nur wenig Aufenthaltsqualität aus.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Die Stadtreparatur wird mit den Ruhrbania-Projekten nicht abgeschlossen sein. Mit einem „Integrierten Innenstadtkonzept“ will die Stadt das Zentrum in den nächsten 15 Jahren auf Vordermann bringen. Trotz Ansätzen zum Guten, so stellen Stadtplanungsexperten eines beauftragten Kölner Büros fest, liegt einiges im Argen – städtebaulich und verkehrstechnisch, ebenso in den Bereichen Handel, Wohnen und Stadtleben.

Für 100.000 Euro hat die Stadt- und Regionalplanungsgesellschaft Dr. Jansen im Auftrag der Stadt nun ein 40-seitiges Papier vorgelegt, in dem sie den Zustand der Innenstadt beschreibt sowie Schwerpunkte für die Stadtreparatur absteckt. Das Planerbüro wird bis zum Sommer auch mitwirken, konkrete Handlungs- und Finanzierungsansätze aufzuzeigen. Das „Integrierte Innenstadtkonzept“ soll dazu dienen, Anträge auf Städtebauförderung zu begründen.

„Die Entwicklung der Mülheimer Innenstadt zu einem urbanen städtischen Raum ist vergleichsweise zu ähnlich großen Städten mit intakten Stadtstrukturen ein Kunststück“, stellen die Fachleute fest. In einem Leitbild schreiben sie vier grobe Entwicklungsziele fest: die Verbesserung des Wohnungsangebotes, die Entwicklung des Handelsstandortes in Richtung „Erlebniseinkauf“, die Belebung von Räumen und Plätzen sowie Anstrengungen für ein besseres Verkehrssystem, insbesondere zu Gunsten von Fußgängern und Radfahrern.

Bessere Anbindung der Innenstadt

Handlungsoptionen sind bereits benannt. So empfehlen die Planer, nach dem Kaufhof-Aus eine neue Innenstadtstruktur zu planen – mit einem Rundlauf über Schloß-, Friedrich-Ebert-, Leineweberstraße und Kaiserplatz zum Forum. Eine deutliche Aufwertung des Kaiserplatzes sei nötig.

Zu einer wünschenswerten besseren Anbindung der Innenstadt an die Ruhr sei neben dem Ruhrbania-Projekt eine Überarbeitung der Ruhranlagen ebenso nötig wie die Durchdringung des Kaufhof-Areals. Einiges sei zu tun, um die Altstadt besser anzubinden, kleinräumige Aufwertungen der Altstadt selbst seien „zwingend erforderlich“. Plätze seien zu reaktivieren, etwa durch die Rückverlegung des Marktes vor das Rathaus. Nördliche Eingangstore zur City seien aufzuwerten, etwa durch die Nutzung der Bahnbögen durch Kreative.

Innenstadt verliert zunehmend an Bedeutung

Handlungsbedarfe sind überdies benannt für das Vandalismus-Problem in der Müga, die Entwicklung moderner Büro- und Wohnstandorte entlang dem Tourainer Ring und für den nördlichen Bahnhofsbereich.

Die Stadt- und Regionalplanungsgesellschaft Dr. Jansen kommt nach ihrer Bestandsanalyse zu dem Ergebnis: „Die Mülheimer Innenstadt verliert als Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und als Versorgungszentrum zunehmend an Bedeutung.“


Beispiel Einzelhandel:
Erlebniswert sowie Angebotsqualität und -vielfalt des Einkaufsstandortes haben gelitten, so die Kölner Fachleute. Im Handelsbesatz sei ebenso ein Qualitätsverlust zu beklagen wie in der Angebotsvielfalt. Auch mangele es der City an Aufenthaltsqualität. Sie werde zunehmend nicht mehr als zentraler Versorgungsbereich wahrgenommen, sondern als Nebenzentrum. Kennzeichnend seien „nur noch wenige Fachgeschäfte“ und „ein preiswertes Warenangebot“.


Beispiel Wohnen:
Die City als Wohnort ist laut Planerbüro Dr. Jansen aufgrund zunehmendem Modernisierungs- und Sanierungsstau, auch aufgrund kleiner Wohnungszuschnitte und überwiegend preisgünstigen Wohnraumes in teils unattraktivem Umfeld nicht gut aufgestellt. Unzureichend sei man gerüstet für den Trend, dass die wachsende Gruppe der 60- bis 75-Jährigen integrierte, barrierefreie Lagen im zentral gelegenen Mehrfamilienhaus nachfrage. Es mangele zudem überwiegend an einer „Quartiersidentität“, an Aufenthaltsqualität im Wohnstandort Innenstadt. Insbesondere am Tourainer Ring gebe es enormen städtebaulichen Reparaturbedarf. Insgesamt zeige sich „kein Bild von erlebbarer Stadt“.


Beispiel Verkehr:
Für den motorisierten Verkehr sei das Zentrum „mehr oder weniger eine Transitlandschaft bzw. ein Durchgangsraum“, so die Gutachter. Was sie meinen: Die City präsentiere sich nicht verlockend, eben nicht erlebbar – zu raumgreifend sei die überkommene Verkehrsinfrastruktur, die es weiter auf verträgliches Maß zu reduzieren gelte. Hauptstraßen dürften keine Barrierewirkung entwickeln. Der Verkehrsumbau im City-Norden wird positiv hervorgehoben.

Das Straßennetz sei großzügig dimensioniert und leistungsfähig, die Verkehrsführung aber so kompliziert, unter anderem durch Einbahnstraßen und Umwegführungen, dass die Orientierung schwerfalle. Verbesserungsbedarf sieht das Fachbüro für die Erreichbarkeit der Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger.

 
 

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