Stadthäuser-Idee an Bahnbögen gescheitert

Mirco Stodollick
So sah das Konzept mit Stadthäusern aus, das der Berliner Architekt Achim Spindler
So sah das Konzept mit Stadthäusern aus, das der Berliner Architekt Achim Spindler
Foto: WAZ
Mit Stadthäusern entlang der Bahnbögen wollte die Stadt Mülheim die Finanzierung des Radwegs Richtung neuer Hochschule Ruhr-West sicherstellen. Doch der Regionalverband Ruhr und das Städtebauministerium stellten sich dagegen.

Mülheim. Um den Weiterbau des Rad- und Wanderweges auf der alten Trasse der Rheinischen Bahn über Mülheims Hauptbahnhof hinaus endlich in trockene Tücher zu bekommen, hat die Stadt mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft und Berliner Architekten im Stillen ein städtebauliches Konzept entworfen, das ihr über Grundstücksverkäufe entlang der Trasse finanzielle Spielräume geschaffen hätte.

Die Idee, entlang der Bogenbrücke Stadthäuser in loser Bauweise entstehen zu lassen, ist laut Informationen dieser Zeitung allerdings gescheitert. Land und Regionalverband Ruhr lehnen ab. So bleibt eine Finanzierung weiter im Ungewissen. Dem Vernehmen nach hat Mülheims Baudezernent Peter Vermeulen der hiesigen Planungspolitik zuletzt in nichtöffentlicher Sitzung vom Scheitern der ambitionierten Pläne berichtet. Zusammen mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG) und dem Berliner Architekturdesigner Achim Spindler hatte Mülheims technische Verwaltung demnach einen Plan erarbeitet, wie die klamme Stadt Eigenmittel für den geförderten Weiterbau generieren könnte.

Investor stand schon parat

Die Idee: Grundstücke rings um das Brückenbauwerk zwischen Hauptbahnhof und Ruhr sollten veräußert werden, um auf ihnen moderne Stadthäuser entstehen zu lassen. Sie sollten nach Plänen, die der WAZ vorliegen, wie Zähne am Rand der Trasse in die Höhe ragen und den neuen Rad- und Fußweg ein markantes Geleit geben. Die Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen wollte die Stadt dem Vernehmen nach in den Bau des Rad- und Fußweges stecken, damit dieser möglichst zeitnah zur Eröffnung der Hochschule in Broich 2015 eröffnet hätte werden können. Einen Investor für den Bau der Stadthäuser soll die Stadt gar schon an der Hand gehabt haben. Die Pläne mit begrünter Promenade samt Radweg auf dem Brückenbauwerk verglichen die Architekten mit dem New Yorker High Line Park, wahrlich einem Leuchtturmprojekt zur Umnutzung innerstädtischer Brachflächen.

Wie Dezernent Vermeulen den Mülheimer Planungspolitikern aber vor kurzem berichtet haben soll, wird diese Option nicht zum Tragen kommen.

Der RVR als federführender Radweg-Planer und das NRW-Städtebauministerium haben den Mülheimern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht einverstanden waren sie, dass mit dem Stadthäuser-Konzept die Trasse nicht mehr so breit hätte bleiben können, wie sie dem RVR vorschwebt. „Es hätte nicht mehr den Ausbaustandards für den Radschnellweg entsprochen“, bestätigte RVR-Sprecher Jens Hapke. Der Regionalverband will bekanntlich einen weltweit einzigartigen Radschnellweg schaffen, der Pendlern eine Alternative zum Auto bieten soll.

Radweg: RVR will eigenenFinanzierungsvorschlag machen

Die Stadthäuser-Planungen der Stadt entlang der alten Trasse der Rheinischen Bahn hat der Regionalverband Ruhr (RVR) mit seiner Verweigerung zunichte gemacht, doch er will der Stadt entgegenkommen: Der Verband will nach Aussage seines Sprechers Jens Hapke einen neuen Finanzierungsvorschlag für die Radstrecke ab Hauptbahnhof Richtung Hochschule erarbeiten.

„Wir prüfen, ob wir den Eigenanteil an der Finanzierung übernehmen können“, so Hapke gegenüber dieser Zeitung. Dazu werde der RVR nun einen Vorschlag erarbeiten. Mit einem schnellen Ergebnis aber sei nicht zu rechnen, zumal ein solcher Finanzierungsweg von der Verbandsversammlung in der Haushaltsplanung 2015 noch abgesegnet werden müsste. Das politische Gremium hat sich aber noch nicht wieder konstituiert.

Vermeulen: „Wir hätten nur die Zustimmung des Ministeriums gebraucht“

Mülheims Planungsdezernent ­Peter Vermeulen erklärte derweil, dass die unbeantwortete Finanzierungsfrage der Stadt ein Dorn im Auge sei, da das Rad- und Fußwegeprojekt hinsichtlich der Erschließung der neuen Hochschule, aber auch für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt ungemeine Bedeutung ­habe. Dieser Umstand sei umso unverständlicher, seien sich doch Land, RVR und Stadt einig in der Bewertung des Projektes. Vermeulen bedauerte auf Nachfrage, dass „der sehr schöne städtebauliche Entwurf der Stadthäuser“ nicht zum Tragen kommt. „Wir hätten nur die Zustimmung des Ministeriums gebraucht.“

Vermeulen kann nicht versprechen, ob bis Ende des Jahres eine ­Finanzierung zumindest des Teilstücks Hauptbahnhof – Ruhr unter Dach und Fach gebracht werden kann, damit dort 2015 gebaut werden kann. Völlig ungelöst ist derweil die Frage, mit welchen Mitteln und unter welcher Regie die sanierungsbedürftige alte Bahnbrücke über der Ruhr hergerichtet werden kann.

Derweil steht dem Radwegebau im Nordosten der Stadt (von Heißen bis Hauptbahnhof) wohl nichts mehr im Wege. Letzte Unstimmigkeiten mit der Unteren Landschaftsbehörde seien ausgeräumt, so Vermeulen. Der RVR will hier noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen.