Stadt will Vertrag mit MVG-Chef nicht verlängern

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Dass Kämmerer Bonan als zweiter Geschäftsführer zur Mülheimer Verkehrsgesellschaft geschickt wird,ist nur die offizielle, nicht ganz vollständige Version.

Mülheim.  Hat die Stadtspitze in der offiziellen Sprechweise die Abordnung von Stadtkämmerer Uwe Bonan zum zweiten Geschäftsführer der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) damit begründet, für die Neuausrichtung des Via-Verbundes zusätzlichen kaufmännischen Sachverstand in den Verkehrsbetrieb zu bringen, so steht hinter den Kulissen fest: Bonan soll den krisengeschüttelten Betrieb sicher durch eine Übergangszeit lotsen. Denn die Tage von MVG-Chef Klaus-Peter Wandelenus sind gezählt.

Dies erfuhr die Redaktion aus informierten Kreisen. Demnach tragen die Fraktionschefs von SPD und CDU, Dieter Wiechering und Wolfgang Michels, eine Strategieentscheidung der Verwaltungsspitze mit, die Neuausrichtung der überörtlichen Nahverkehrskooperation im Via-Verbund mit Essen mit neuem Führungspersonal bei der MVG anzugehen.

Ende März 2017 läuft der Geschäftsführer-Vertrag von Wandelenus aus. „Der Vertrag wird nicht verlängert“, erfuhr die Redaktion. Der Wechsel auf dem Chefsessel der MVG gilt als Konsequenz aus dem Gutachten von Deloitte, das dem Via-Verbund der Nahverkehrsbetriebe Duisburg, Essen und Mülheim ein verheerendes Zeugnis ausgestellt hatte.

Gutachter empfahlen eine externe Geschäftsführung

So hatten die Gutachter festgestellt, dass eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit auch deshalb in der Vergangenheit nicht wie geplant eingetreten sei, weil die Geschäftsführer der drei Einzelgesellschaften zu abhängig seien von den jeweils örtlichen Interessen. „Aus den Beteiligungsverhältnissen und der durchbrochenen Personenidentität der Geschäftsführung der Via resultiert häufig, dass im Hinblick auf die operative Geschäftstätigkeit, die strategische Ausrichtung und die Geschäftspolitik Partialinteressen des jeweiligen Verkehrsunternehmens und der jeweiligen Stadt verfolgt werden“, heiß es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt. Die klare Empfehlung der Gutachter: Soll ein gemeinsames Verkehrsunternehmen erfolgreich und effizient unterwegs sein, bedarf es einer externen Geschäftsführung.

Also ein Neustart der Kooperation mit neuer Geschäftsführung, die die Ziele der Zusammenarbeit von Beginn an verinnerlicht hat? Das ist offenbar fester Wille seitens der Stadtspitze um Oberbürgermeister Ulrich Scholten. Kämmerer Bonan kommt für die Zeit des Übergangs wohl die Rolle zu, die neue Kooperation in die Wege zu leiten, weil es Wandelenus nicht (mehr) zugetraut wird. „Jetzt muss man zügig damit anfangen, einen geeigneten Nachfolger zu finden“, ist aus Reihen der Politik zu hören. Möglichst schon zum April 2017, wenn Wandelenus geht. Gesucht wird jemand, der in Personalunion allerdings wieder Geschäftsführer der MVG und der neuen Via sein soll.

Wandelenus kommentiert nicht

Klaus-Peter Wandelenus, gerade erst aus dem Urlaub zurück, mochte auf Anfrage seine Lage erst einmal nicht kommentieren. „Im Vordergrund steht die Neuausrichtung der Via.“ Am 18. Juli tage zunächst einmal der Aufsichtsrat, der einer Bestellung Bonans zum zweiten Geschäftsführer zustimmen müsse.

Wandelenus übernahm schon 2007 eine Notfallpatientin 

Mit 49 Jahren wechselte Klaus-Peter Wandelenus im Frühjahr 2007 aus der Führungsebene der Duisburger Verkehrsgesellschaft zur MVG. Er folgte auf Joachim Exner, dem vom Führungszirkel der Stadt nicht zugetraut wurde, die MVG in wirtschaftlichere Bahnen zu lenken. Schon damals fuhr der Verkehrsbetrieb ein jährliches Minus von rund 30 Millionen Euro ein.

Wandelenus übernahm eine Notfallpatientin. Mit einem Restrukturierungsprogramm erzielte er in der Folge Millioneneinsparungen, doch ließ sich das Defizit wegen Kostensteigerungen an anderer Stelle nicht merklich nach unten drücken. Insbesondere war der immense Sanierungsstau, der sich bei der MVG gebildet hatte, eine Fußfessel, von der sich die MVG mangels politischer Unterstützung bis heute nicht befreien konnte.

Wandelenus war für sein Restrukturierungsprogramm gelobt worden – selbst von denen im Rathaus, die ein äußerst kritisches Auge auf den örtlichen Nahverkehr werfen. Der Diplom-Ingenieur hat einen Nahverkehrsbetrieb zumindest einigermaßen am Laufen gehalten, dem die Politik in den vergangenen Jahrzehnten fortwährend finanzielle Mittel versagt hat, die nötig gewesen wären für Ersatzinvestitionen. Etwa wurden neue Straßenbahnen erst angeschafft, als die alten schon kaum noch auf die Strecke zu bringen waren. Gestolpert ist Wandelenus nun am attestierten Misserfolg der Via – ob er nur als Sündenbock vorgeschoben wird, wäre eine interessante politische Debatte.

 
 

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