Stadt und WAZ suchen Zeitzeugen der Bombennacht vom 23.6.1943

Der Rathausturm (li.) zeigt sich standhaft, ringsum brennt die Innenstadt in der Nacht des Bombenangriffs lichterloh.
Der Rathausturm (li.) zeigt sich standhaft, ringsum brennt die Innenstadt in der Nacht des Bombenangriffs lichterloh.
Foto: Stadtarchiv

Mülheim. Nachbarstädte lagen schon längst in Schutt und Asche, da erlebte in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 Mülheim seinen schwersten Luftangriff. Bald jährt sich dieses Datum, als Mülheim die größte Katastrophe seiner Geschichte widerfuhr, zum 70. Mal. Für eine Gedenkveranstaltung sucht die Stadt noch lebende Zeitzeugen.

Nur 70 Minuten dauerte in jener Nacht der alliierte Luftangriff, der von solch zerstörerischer Wucht war, dass Zahlen kaum auszudrücken vermögen, wie verheerend das Leid war, das ab dem ersten Fliegeralarm um 0.40 Uhr über die Stadt hereinbrach. In drei Wellen, so schrieb einst Wilhelm Ulrich für das Mülheimer Jahrbuch, flogen 499 britische Bomber an, um aus 6000 bis 6500 Metern Höhe Bomben mit einem Gesamtgewicht von 1700 Tonnen abzuwerfen.

500 Menschen starben

Als Angriffsziel war die Zerstörung der Industrieanlagen entlang der Ruhr und des Flughafens ausgegeben. Doch der Bombenhagel traf insbesondere auch die Innenstadt. Das in Jahrhunderten gewachsene Zentrum hatte tags drauf viel von seinem Gesicht verloren.

Der Bombenangriff hatte 500 Menschen in den Tod gerissen. „Die nüchternen Zahlen der Statistik, die darüber hinaus 1167 Verletzte, den Totalschaden von 1135 Häusern und über 10.000 beschädigte Gebäude nennt, lässt das menschliche Leiden, das sich dahinter verbirgt, nur annähernd ahnen“, so Stadtsprecher Volker Wiebels. Über 48.000 Menschen hatten ihre Wohnung und Heimat verloren.

Schüler sollen mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen

Die Stadt will laut Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld am 23. Juni, dem 70. Jahrestag des Angriffs, „der großen menschlichen und materiellen Opfer, die die Stadt an jenem 23. Juni 1943 und während des gesamten Zweiten Weltkrieges erlitten hat, gedenken“. So soll es am 23. Juni eine öffentliche Gedenkveranstaltung im Haus der Stadtgeschichte (alte Augenklinik) geben.

Geplant sind eine Ausstellung, ein Vortrag zu den Geschehnissen von Stadtarchiv-Leiter Dr. Kai Rawe und eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen, moderiert von Wiebels. „Wir stellen uns eine Runde von Menschen vor, die die Zeit erlebt haben und der nachfolgenden Generation die Tragik der Ereignisse nachmals schildern kann“, so Dagmar Mühlenfeld. Schülern soll dabei die Möglichkeit eröffnet werden, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen.

Die Oberbürgermeisterin ruft aus diesem Anlass Bürger auf, die die Zeit erlebt haben, und am 23. Juni an der Gedenkveranstaltung aktiv teilnehmen möchten, sich unter 455 16 44 bei der Bürgeragentur, „Stichwort Bombennacht“, zu melden oder persönlich in der Bürgeragentur an der Schollenstraße 2 Kontakt zur Stadtverwaltung aufzunehmen.

Erzählen Sie uns von der Bombennacht am 23.6.1943!

70 Jahre nach dem schrecklichen Ereignis gibt es nicht mehr sehr viele Zeitzeugen, die den schwersten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs auf Mülheim erlebt haben, bei dem rund 500 Menschen ihr Leben verloren. Die WAZmöchte die persönlichen Geschichten noch lebender Zeitzeugen sammeln und veröffentlichen. Schreiben Sie uns: WAZ-Redaktion, Eppinghofer Straße 1-3, 45468 Mülheim oder redaktion.muelheim@waz.de.

 
 

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