Stadt Mülheim hält weiter an Schweizer Krediten fest

Die Stadt verlängert ihre Kredite in Schweizer Franken. Die Nachteile eines Ausstiegs werden als zu groß bewertet.
Die Stadt verlängert ihre Kredite in Schweizer Franken. Die Nachteile eines Ausstiegs werden als zu groß bewertet.
Foto: dpa
Kämmerer Uwe Bonan betont, dass eine Rückzahlung derzeit zu viele Nachteile brächte. Zudem profitiere die Stadt von niedrigen Schweizer Zinsen.

Mülheim. Die Stadt Mülheim will ihre in Schweizer Franken aufgenommenen Kredite halten und derzeit nicht zurückzahlen. Aufgrund der Tatsache, dass eine Rückzahlung der Franken-Kredite zur nächsten Fälligkeit zu Verlusten in Millionenhöhe führen würde und eine Partizipation an zukünftigen Kursverbesserungen ausgeschlossen wäre, sei nach sorgfältiger Abwägung von Chancen und Risiken vorgesehen, die Kredite zunächst zu verlängern, erklärte Kämmerer Uwe Bonan vor Finanzpolitikern des Rates. Hinzu komme, dass die Schweiz derzeit Kredite mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren zu 0,00 Prozent Zinsen anbiete und sich so weitere Zinseinsparungen erwirtschaften ließen.

Die Stadt hält zurzeit zwei Kredite in Franken über 24,3 und 38,8 Millionen. Eine Fälligkeit wäre im ersten Halbjahr des Jahres gegeben. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Ruhrgebiet, die deutlich höhere Kredite aufgenommen haben und von der Aufwertung des Franken stärker betroffen sind, sieht sich die Stadt Mülheim durch die Aufgabe des Mindestwechselkurses durch die Schweizer Bank nicht so hart getroffen. Zumal, so Bonan, die Stadt bisher durch die niedrigeren Zinsen in der Schweiz einen Gewinn von rund 2,1 Millionen Euro gemacht habe.

Realer Wechselkursverlust läge derzeit bei rund 8,5 Millionen Euro

Würde die Stadt jetzt ihre Kredite zurückzahlen, gäbe es einen realen Wechselkursverlust von rund 8,5 Millionen Euro. Derzeit schlägt sich dieser Wert „nur“ als Buchungsverlust nieder. Heißt: Er existiert erst einmal nur auf dem Papier. Zumindest Teile der Politik haben auch dabei große Bauchschmerzen mit Blick auf Kursentwicklungen.

Die sind unklar. „Wie sich der Schweizer Franken in den nächsten Monaten entwickeln wird, ist auch nicht ansatzweise seriös abzuschätzen“, sagt der Kämmerer. Devisenfachleute gehen von einem Kurs zwischen 0,90 und 1,10 aus. Der ursprüngliche Mindestwechselkurs lag bei 1,20 Franken pro Euro. Die Kämmerei hat den Punkt errechnet, bei dem sie ihre Kredite ohne Verlust und Gewinn zurückzahlen könnte, wobei sie Zinsgewinne berücksichtigt hat. Der Wert läge bei 1,21 Franken pro Euro. Gestern lag er bei 1,06.

 
 

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