Spuren von Otto Pankok finden sich bis heute in der Stadt

Eva Pankok (l.) mit ihren Eltern Hulda und Otto Pankok im Garten des heutigen Pankok-Museums.
Eva Pankok (l.) mit ihren Eltern Hulda und Otto Pankok im Garten des heutigen Pankok-Museums.
Foto: Weissenfels
50.Todestag des in Mülheim geborenen Holzschneiders und Malers. Seine Jugend verbringt der Künstler in Saarn. Freunde fördern ihn.

Mülheim..  Otto Pankok, der Holzschneider, Maler und manchmal auch Skulpturenbildner, hat mit seinem Schaffen viele Spuren in dieser Stadt hinterlassen. Heute vor 50 Jahren traf die Nachricht von seinem Tod die Familie, viele Freunde und Kunstkenner unvermittelt.

Im ehemaligen Äbtissinnenhaus des Klosters Saarn erblickt Otto Pankok am 6. Juni 1893 das Licht der Welt. Am 23. August lassen seine Eltern ihn in der nahen Saarner Dorfkirche taufen. Er verbringt im Dorf seine Jugend, macht 1912 in Mülheim am Staatlichen Gymnasium sein Abitur. Die künstlerische Ader entdeckt er früh in sich, malt und zeichnet mit Kohle.

Aus der Kirche ausgetreten

Während des Ersten Weltkriegs tritt Pankok aus der Kirche aus, weil er nicht ertragen kann, dass „die Evangelische Kirche Waffen segnete“, wie seine Tochter Eva erklärt. Er tritt nie wieder der Institution bei. Trotzdem macht der Künstler nie einen Hehl daraus, dass er religiös und sogar fromm ist. Die Amtskirche ist Pankok jedoch nicht fromm und moralisch streng genug. Seine Bibel als Maßstab für sein christliches Handeln verziert er mit einem Christuskopf. Sie steht im Otto-Pankok-Museum, schreibt Günter Fraßunke 2013 im evangelischen Gemeindebrief Broich-Saarn.

Nach dem Abitur verlässt Otto Pankok seine Heimatstadt und beginnt ein Kunststudium. Doch er wirft alles wieder hin, weil ihm der reglementierte Lehrbetrieb an den Kunstakademien Düsseldorf und Weimar unerträglich erscheint. Auf zahlreichen Studienreisen, die sein weiteres Leben prägen, bildet er sich autodidaktisch fort. Bereits 1913 besucht er mit seinem Mülheimer Schul- und Malerfreund Werner Gilles die Niederlande.

Es folgen Studienaufenthalte in Dötlingen (Oldenburger Land), Paris, Berlin, Ostfriesland sowie 1924, wieder mit Gilles, in Italien. „Sowohl Otto Pankok als auch Werner Gilles verfügen nach Beendigung ihrer Schulzeit über keinen festen Wohnsitz mehr in Mülheim, bleiben aber der Stadt durch Freunde und Verwandte stets eng verbunden“, schreibt Stadtarchivar Jens Roepstorff in einem Rückblick.

Die lebenslange Verbundenheit mit seiner Heimatstadt ist nicht zuletzt auch auf Pankoks dortigen Förderer zurückzuführen, zu dem er intensive berufliche und persönliche Kontakte hält: Der Mülheimer Sammler und Heimatforscher Robert Rheinen ist bereits während Pankoks Schulzeit dem jungen, angehenden Künstler in Freundschaft verbunden. Pankok zeichnet für ihn 1907 die ersten Grußkarten.

Werner Kruse, Mülheimer Museumsleiter, fördert ebenfalls den künstlerischen Nachwuchs der Stadt. Viele heute bekannte Namen gehören dazu. Er erwirbt Mitte der 1920er Jahre das Jugendwerk Otto Pankoks für das Städtische Museum, kauft ab 1927 regelmäßig Werke von Werner Gilles und ermöglicht beiden Malern Ausstellungen im Museum. Nach 1933 wird es schwieriger, Ausstellungen mit Werken moderner Maler ohne politische Hetze seitens der Nationalsozialisten durchzuführen.

Kruse setzt sich darüber hinweg und präsentiert Wechselausstellungen mit unerwünschten Künstlern wie Christian Rohlfs, Käthe Kollwitz oder Karl Schmidt-Rottluff. „Unbeirrt fördert Kruse Otto Pankok.“, schildert Roepstorff.

Dieser lebt mittlerweile in Düsseldorf und entdeckt dort Motive für sich, die sein weiteres Schaffen bestimmen und ihn bis an sein Lebensende prägen. Roma und Sinti üben auf Pankok eine enorme Faszination aus. Der Maler lebt unter ihnen und hält im sogenannten Heinefeld Alltagsszenen dieser verarmten, aus der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen in Hunderten von Schwarzweißbildern fest. Als 1936 im Mülheimer Museum ein 60-teiliger Passionszyklus zu sehen ist, schließt die Gestapo die Ausstellung. Die Nazis belegen den „entarteten“ Pankok mit Berufsverbot. Nur mit Mühe kann Museumsleiter Kruse verhindern, dass der komplette Bilderzyklus beschlagnahmt wird. In Presseartikeln wird Pankok für seine Bilder übel beschimpft.

Nur mit Spenden guter Freunde lebt die Familie Pankok weiter. Die Stadt kauft mit Zutun des damaligen Oberbürgermeisters Edwin Hasenjäger, 150 Zeichnungen für den Museumsbestand. Pankok lässt sich von den Nazis nicht brechen.

Mädchen mit Ball spielt in Saarn

Die Schreckensherrschaft und Greueltaten prägen ihn. Otto Pankok setzt sich nach dem Zweiten Weltkrieg künstlerisch damit auseinander und lehrt in Düsseldorf. Bis zu seinem Tod 1966 engagiert er sich gegen Krieg, Unterdrückung und Rassismus. Sein Holzschnitt „Jesus zerbricht das Gewehr“ erlangt weltweite Berühmtheit.

Zahlreiche seiner Werke besitzt das heimische Kunstmuseum. Die Skulptur „(Zigeuner-)Mädchen mit Ball“, spielt und steht seit Jahren in Saarn vor der Dorfkirche.

In Mülheim verwurzelt

Der Maler Otto Pankok ist in Mülheim verwurzelt. Nach ihm ist seit Februar 1969 ein Teil der früheren Klosterstraße/ Klosterkamp benannt, wo das ehemalige Äbtissinnenhaus, Otto Pankoks Geburtshaus, steht.


Das ehemalige staatliche Gymnasium trägt seit 1974 ebenfalls den Namen des Holzschneiders. 1965 bekam er den Ruhrpreis. Das städtische Museum kaufte mit Hilfe der Leonhard-Stinnes-Stiftung das Jugendwerk Pankoks.

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