Sport mit Flüchtlingskindern

Unsicherheit, Ohnmacht, Langweile - das sind die drei Eigenschaften, mit den Annette Faßbender den Alltag von Flüchtlingen charakterisiert. Seit 27 Jahren leitet sie das Flüchtlingsreferat des Evangelischen Kirchenkreises und kennt daher die Situation sehr gut. Sie kennt aber auch Familien, da hat sie vor 20 Jahren schon die Eltern in Containern in der Mintarder Straße betreut und muss sich jetzt um deren in Deutschland geborenen Kinder kümmern, weil ihnen jetzt die Abschiebung in die Heimat ihrer Vorfahren droht, die nicht die ihre ist. Dass so etwas überhaupt möglich ist, verwundert auch die Zuhörer vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU, der sie eingeladen hat. „Wir sind nicht in Frankreich“, sagt Faßbender dann nur knapp. Dort ist jeder Franzose, der auf dem Territorium geboren wird. Hier können Menschen, sobald sie volljährig sind, abgeschoben werden. Über die Hälfte der Flüchtlinge wird im Verfahren anerkannt. Bei Menschen aus Syrien liegt die Anerkennungsquote des Bundesamtes bei 90 Prozent, bei Irakern bei 74 Prozent, bei Flüchtlingen aus Eritrea bei 55 und bei Afghanen bei 47 Prozent. Minimal ist die Anerkennungsquote bei Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, bei denen es sich vielfach um Roma handelt. Hier ist das Verfahren besonders schnell. Während Menschen aus anderen Ländern oft ein Jahr auf eine Entscheidung warten müssen und in der Zwischenzeit zur Untätigkeit verdammt sind, wie Faßbender schildert. Für junge Erwachsene bis 25 Jahre ist es immerhin oft hilfreich, ein Berufskolleg zu besuchen. Formal dürfen Flüchtlinge nach Ablauf von drei Monaten eine Arbeit aufnehmen. Früher lagen die Fristen zwar bei zwei und sogar bei fünf Jahren, doch muss noch eine Arbeitserlaubnis beantragt werden und müssen Inländer bevorzugt behandelt werden. „Eine Prüfung dauert vier bis sechs Wochen. Welcher Arbeitgeber wartet schon so lange, wenn er einen Bedarf hat?“ Faktisch ist die Lage also weiterhin schlecht auf dem Arbeitsmarkt.

Die in Mülheim geltenden Standards liegen über den gesetzlichen Anforderungen. Gleiches gelte auch für den Geist, der bei der Ausländerbehörde herrsche. „Aber auch wenn es hier besser läuft als in anderen Städten, heißt es noch nicht, dass es gut läuft“, meint Faßbender. Auch die Belegung von Turnhallen, Baumärkten oder Containern spiele hier im Gegensatz zu anderen Städten noch keine Rolle. Allerdings ist, wie berichtet, die Einrichtung an der Gustavstraße überbelegt. Teilweise müssten sich hier drei bis vier Einzelpersonen ein Zimmer teilen. „Sie kommen nicht zur Ruhe.“

Ausdrücklich lobt sie das Engagement der Ehrenamtlichen, die in Styrum mit den Flüchtlingen Deutsch üben oder das Warenhaus der Initiative Willkommen in Mülheim betreiben.

An dem Abend wird noch eine andere Initiative bekannt. Die Handballabteilung des RSV Mülheim bietet Spiele, Sport und Bewegung für Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter an, die in Mülheim eine neue Heimat gefunden haben. „Wir wollen mit ihnen kein Handball spielen, sondern rennen, klettern und toben.“ Das Angebot ist kostenfrei und soll mittwochs von 16.30 bis 18 Uhr in der Sporthalle an der Kleiststraße angeboten werden. Ein erstes Schnuppertraining ist für den 25. Februar vorgesehen. Wer Lust auf Spiele, Spaß und Bewegung hat, kann sich an Birigt Kolb wenden.: 5940160, birigt.kolb1@gmx.de Sie hat auch schon mit der WiM Kontakt aufgenommen. Bleibt nur das alte Problem, wie kommen die Flüchtlingskinder von den Einrichtungen zur Halle und wieder zurück. Ein Flüchtling bekommt immer noch weniger als den Hartz-IV-Satz.

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