Speldorfer Vision vom Radweg

Robin Kunte, Mirco Stodollick
Foto: WAZ-Fotopool

Mülheim-Speldorf. Ein paar Studenten sind auf dem Weg zur Fachhochschule. Vom Hauptbahnhof können sie über die Eisenbahnbrücke bei gutem Wetter bequem zur Duisburger Straße laufen. Aus der anderen Richtung kommen die Pendler mit dem Fahrrad nach Mülheim und lassen ihr Auto in Duisburg stehen. Am Wochenende sind Freizeitausflügler auf dem schmucken Radweg in Speldorf unterwegs. Sie genießen die Sonne in Biergärten und Cafés.

Das ist sie – die Vision für den Rad- und Wanderweg, der vom Hauptbahnhof über Speldorf durch den Wald nach Duisburg verlaufen soll. Frühestens 2015 starten die Bauarbeiten. Heute sieht es hier noch anders aus. Von der Fachhochschule ist nicht viel mehr als der Grundstein zu erkennen. Die Studenten lernen noch in Styrum, untergebracht in Containern.

Schwer vorstellbar

Bis zum Kreisverkehr in der Nähe der Tengelmann-Zentrale sind die Gleise auf der Güterbahnstrecke vierspurig. Das Stellwerk ist besetzt, auf einem Gleis des ehemaligen Güterbahnhofs steht ein Waggon. Bis zu sechs Mal am Tag verkehrt hier die Hafenbahn und beliefert die Unternehmen im Hafen. Rund 1,5 Millionen Tonnen werden dabei pro Jahr transportiert. Ein Stück hinter dem Bahnübergang an der Heerstraße führt nur ein Gleis weiter gen Duisburg, durch dichtes Gestrüpp.

Hier soll in ein paar Jahren ein viel befahrener Radweg langführen? „Wenn man das so sieht, kann man sich das nur schwer vorstellen“, sagt Anwohnerin Ilse Pähde.

Trasse gut anzubinden

Die angepriesene Stecke führt nach dem Güterbahnhof in ein kleines Tal. Zwischen zwei Wohngebieten geht es hindurch, unter mehreren Brücken drunter her, in Blickrichtung Duisburg steht auf der rechten Seite ein Altersheim. Gut zugänglich ist die Trasse. Einsteigen könnten potenzielle Radfahrer und Wanderer entweder an der Fachhochschule oder hinter dem Güterbahnhof am Bahnübergang. Auch aus den Wohngebieten heraus gibt es mehrere Einstiegsmöglichkeiten, schon heute führt parallel zum Gleis ein Fußgängerweg – aller­dings ein paar Meter weiter oberhalb.

Geeignete Orte für Cafés oder Biergärten sind nur mit sehr viel Fantasie vorstellbar. Zwischen der Wohnbebauung ist dafür kaum Platz. Ein Stück weiter vorn, an der Duisburger Straße, betreibt Michael Mangelmans einen Kiosk und ein Bistro – große Erwartungen in den Radweg setzt er nicht. „Dafür würde der einfach zu weit von meinen Läden entfernt vorbeiführen“, sagt er. Nämlich hinter der Fachhochschule. In die setzt er größere Hoffnungen, und möchte seinen Kundenzulauf steigern. Vielleicht kommen die Studenten dann ja mit dem Fahrrad.

„Eine inner- und zwischenstädtische Fahrradstraße für Eilige“

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat bereits begonnen, die ehemalige Trasse der „Rheinischen Bahn“ zwischen dem Uni-Viertel in Essen und Duisburg zu einem Rad- und Wanderweg auszubauen. Es soll „eine inner- und zwischenstädtische Fahrradstraße für Eilige“ werden.

Das erste Teilstück zwischen dem Startpunkt in Essen und der Stadtgrenze zu Mülheim ist auf fünf Kilometern Länge fertig. Von Frohnhausen kommend soll die Strecke über Heißen und das Winkhauser Tal zum Hauptbahnhof geführt werden, von dort aus geht es gen Ruhr, über die dortige Brücke und an der Müga vorbei hin zum Standort der im Bau befindlichen Fachhochschule. Schließlich führt die Trasse weiter am Speldorfer Güterbahnhof entlang und unterquert die Saarner Straße sowie den Blötter Weg, um schließlich, parallel zum Nachtigallenweg verlaufend, in den Duisburger Stadtwald zu münden.

Der Radweg „Rheinische Bahn“ soll schließlich das westliche Teilstück eines Radschnellweges Ruhr bilden, der auf einer Länge von 85 km zwischen Hamm und Duisburg verlaufen soll. Ende Oktober 2012 hat der RVR hierfür einen Planungsauftrag erteilt. Eine Machbarkeitsstudie für das Projekt fördert der Bund mit 370.000 Euro.