SPD-Fraktionschef kann Ampel-Ärger verstehen

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Foto: WAZ

Herr Wiechering, noch ein Gutachten zur Innenstadt, das uns viele bekannte Mängel auflistet und wenig Neues bietet, und das 100 000 Euro kostet. Muss das sein?

Wiechering: Das ist zunächst noch nicht der Endbericht. Was wir mit dem Gutachten erreichen wollen, ist Fördermittel einzuwerben. Dazu ist es immer besser, wenn eine externe Instanz sich äußert. Und noch ein Punkt: Zu dem Gutachten gehört auch, wie kann die Sanierung von Schloß Broich gemeistert werden?

Eines der größten Probleme der Innenstadt ist nach wie vor der ehemalige Kaufhof. Nach großen Ankündigungen herrscht großes Schweigen. Welche Lösung würden Sie vorschlagen?

Ich würde mir wünschen, dass das Gebäude diagonal zum Hafen geöffnet wird. Im Basement sollte es einen Lebensmittelmarkt geben, im Erdgeschoss zu den Seiten hin kleine Shops, darüber Dienstleistungen.

Vermehrt wird über den Abriss von Häusern geredet. SWB halbiert ein Hochhaus. Einzelfälle oder sehen Sie darin eine Aufgabe für die nächsten Jahre?

Ich sehe Wohnungsbestände aus den 50er, 60er Jahren, etwa in Heißen oder Dümpten, die Leerstände aufweisen, die am Markt nicht sonderlich gefragt sind. Eigentümer werden sich gut überlegen müssen, wie sie die Objekte künftig noch gut vermarkten. Die energetische Aufwertung wäre eine Möglichkeit. Abrisse werden ein größeres Themen werden.

Wo sehen Sie die Siedlungen der Zukunft?

Ruhrbania wird eine gute Adresse. Aber auch in ein paar Jahren sicherlich das Areal von Lindgens. Bei einem guten architektonischen und städtebaulichen Entwurf könnte das ein Wohngebiet werden, das weit über Mülheim hinaus Interesse findet. Wir werden uns weiterhin bemühen, weitere Gebiete für das 100-Häuser-Programm zu finden, um Familien mit weniger Geld Chancen auf Eigentum zu bieten.

Drängender ist bei den Millionen-Verlusten die Optimierung von Bus und Bahn. Sie haben ein Bündel an Vorschlägen vorgelegt. Billig dürfte die Umsetzung nicht werden, wenn sie so kommen sollte.

Es kann nur das umgesetzt werden, was sich auch betriebswirtschaftlich rechnet. Neue Routen müssen natürlich mehr Geld einbringen. Das zu berechnen, ist nun Aufgabe der Verwaltung. Mir ist wichtig, dass Parallelverkehre verschwinden, dass wir mit neuen Anbindungen die Qualität für die Bürger erhöhen. Ein Beispiel: Ich könnte mehr Menschen zufrieden stellen, wenn ich die Linie 110 einspare und dafür einen Bus fahren lasse, der noch weitere Gebiete erschließt. Und am Ende spare ich dabei.

Sollten die Haushalte noch einmal zur Liniennetzoptimierung befragt werden?

Diese Forderung gibt es, ich halte sie nicht für berechtigt. Wir haben von der MVG eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2008 vorliegen. Die dürfte heute noch gültig sein, so viel hat sich seitdem in der Stadt nicht verändert.


Wo sehen Sie innerhalb der Politik noch die größten Konflikte?

Bei der Frage: Geben wir Schienenverkehr auf, und wenn ja, wie viel und wo?

Können Sie sich vorstellen, wie viele Menschen sich über die neuen Verkehrsführungen, vor allem über die neuen Ampeln aufregen?

Ich kenne den Unmut, erlebe es selbst etwa am Berliner Platz. Ich spüre die Nervosität, wenn die Menschen so lange vor einer Ampel stehen müssen, wenn sie lange brauchen, um über die Kreuzung zu kommen. Wenn sie stehen und warten und es fährt auf der Straße gar keiner. Ich sehe da Optimierungsbedarf. Die Ampel am Kaufhof könnte meiner Ansicht ganz weggenommen werden. Die Bahnen könnten beim Abfahren ein akustisches Signal geben.

 

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