Silberne Halbkugel für Alte Dreherei

Jugendliche aus vielen Nationen helfen bei „Workcamps“ wochenweise bei der Sanierung der Alten Dreherei. In den letzten fünf Jahren wurde durch den ehrenamtlichen Einsatz vieler fleißiger Hände schon einiges restauriert.
Jugendliche aus vielen Nationen helfen bei „Workcamps“ wochenweise bei der Sanierung der Alten Dreherei. In den letzten fünf Jahren wurde durch den ehrenamtlichen Einsatz vieler fleißiger Hände schon einiges restauriert.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim.. Es ist schon eine kleine Sensation: Der höchste deutsche Denkmalschutzpreis geht u.a. nach Mülheim. Die „Silberne Halbkugel“ erhält der Trägerverein im Haus der Vereine in der Alten Dreherei. Das gab das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz in Bonn jetzt bekannt. Insgesamt wurden bundesweit fünf Fördervereine ausgezeichnet, die sich für den Erhalt historischer Stätten engagieren.

Den Trägerverein Alte Dreherei lobt die Jury „für sein herausragendes, bürgerschaftliches Engagement im Denkmalschutz, durch den ein seit fünf Jahrzehnten ungenutztes und dem Verfall preisgegebenes einzigartiges Zeugnis der deutschen Technik- und Industriegeschichte gerettet werden konnte“. Die frohe Botschaft wollte der Vorsitzende Martin Menke gestern Abend bei der Mitglieder-Versammlung verkünden. Die Preisverleihung ist am 28. Oktober in Berlin.

"Haus der Vereine" mit Leben füllen

Die einen kommen für ein paar Monate, um Hand anzulegen, andere einmal die Woche: den harten Kern beziffert Menke auf rund 50 Helfer, die sich um das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf kümmern. Seit dem Start der Restaurierungsarbeiten 2008 wurden viele tausend Stunden freiwilliger Arbeit investiert. Das 1874 errichtete Industriegebäude mit 2000 m² Grundfläche hat eine bundesweit einzigartige Holzdachkons­truktion und steht als Baudenkmal der Industriekultur unter Denkmalschutz. 2008 gründete sich der Trägerverein mit dem Ziel, das Gebäude zu sanieren und als „Haus der Vereine“ mit Leben zu füllen.

Viel ist in den fünf Jahren passiert. „Das Holztragewerk wurde komplett saniert“, so Menke. „Als nächstes stehen die kaputten Glasscheiben im Dachbereich an.“ Parallel dazu werde an Rundbogenfenstern, am Mauerwerk und an der technischen Ausstattung gearbeitet.

"Finanzierung war Gratwanderung"

Trotz aller Freude über den Preis gibt es für Menke Wermutstropfen. „Die Finanzierung war von Anfang an eine Gratwanderung.“ Man könne nur das ausgeben, was „wir an Spenden und Fördermitteln bekommen.“ Dementsprechend seien die Bauphasen schlecht planbar. Was gravierender durchschlägt: „Wir könnten für 2013 noch Mittel vom Denkmalschutz abrufen.“ Da es sich aber um eine 50:50 Förderung handele, „fehlen 35.000 € Eigenmittel“. Wenn es der Verein nicht schaffe, diese Gelder aufzubringen, „dann verfallen die Denkmal-Mittel am Jahresende“. Besonders bitter, da die Landesregierung beschlossen habe, „die Mittel für den Denkmalschutz gegen Null zu fahren“.

Eine weitere Sorge treibt Menke um: „Dass die Alte Dreherei überregional mehr Beachtung findet, als in Mülheim selbst.“ Besuchergruppen aus ganz Deutschland kämen und Fachzeitschriften berichteten über das Projekt. „Es ist solch ein tolles Gebäude, da müssen wir mehr am Image arbeiten, damit es auch in Mülheim bekannter wird.“

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel