Schulzentrum Broich wird zum Problemfall

Absperrungen, wohin das Auge blickt: Viele Flächen am Schulzentrum Broich sind nicht zugänglich, weil Fassadenelemente abzustürzen drohen. Jetzt gibt es zunächst nur eine Notsicherung für 80.000 Euro.
Absperrungen, wohin das Auge blickt: Viele Flächen am Schulzentrum Broich sind nicht zugänglich, weil Fassadenelemente abzustürzen drohen. Jetzt gibt es zunächst nur eine Notsicherung für 80.000 Euro.
Foto: Funke Foto Services
  • Aufgeschobene Fassadensanierung ärgert den Leiter der Realschule
  • Er spricht beim Schulgebäude von „Dritte-Welt-Charakter“
  • Kämmerer verspricht Gesamtlösung für alle Probleme

Mülheim.. Der eine entspannt und zuversichtlich, der andere mag seinen Ärger über „eine mangelnde Wertschätzung“ den Schülern gegenüber nicht unterdrücken: So unterschiedlich reagieren die Schulleiter am Gymnasium und an der Realschule Broich auf die Entscheidung der Stadtverwaltung, die Sanierung der absturzgefährdeten Fassaden am Schulzentrum ins Jahr 2017 zu schieben.

Wie berichtet, hatte die Stadt am Mittwoch verkündet, dass der Immobilienservice zwischenzeitlich Abstand davon genommen hatte, noch in den Ferien die PCB-belastete Fassade zumindest in den Giebelbereichen entfernen zu lassen. Auf Nachfrage sagte Kämmerer Uwe Bonan am Freitag, dass der Stadt im Zuge der Ausschreibung der Bauarbeiten nur Angebote von Fachfirmen gemacht worden seien, die die kalkulierte Investitionssumme um bis zu das Dreifache überschritten hätten. Um die Kosten zu kalkulieren, hatte die Stadt ein externes Ingenieurbüro eingeschaltet und dessen Meinung durch einen weiteren Statiker bestätigen lassen.

Mehr als 1200 Schüler müssen anderweitig unterkommen

Nicht nur die exorbitant übertroffene Kalkulation habe die Stadt veranlasst, die Teilsanierung zurückzustellen und nun ein Gesamtkonzept für die Sanierung und Lösung der räumlichen Engpässe der Realschule anzustreben, so Bonan. Auch habe keine der drei Firmen, die der Stadt ein Angebot unterbreitet hätten, versichern können, die Teilsanierung innerhalb der Ferien abschließen zu können.

Nun soll also noch einmal ein externer Gutachter ran, soll ein Sanierungskonzept erstellen und ein Raumkonzept für die Zeit der Sanierung. Denn klar ist: Die Realschule wird mit allen ihrer derzeit 920 Schüler anderweitig unterzubringen sein, am Gymnasium, das die komplette Sekundarstufe 1 im Neubau untergebracht hat, wird dieses Schicksal „nur“ die Oberstufe (rund 300 Schüler), die Naturwissenschaften und die Verwaltung treffen.

So ist dessen Direktor Ralf Metzing auch relativ entspannt ob der Planänderung seitens der Stadt. Er rechnet damit, dass weiterhin alle Schulhöfe für die Gymnasiasten zu nutzen sein werden. Vielleicht sei die neue Gangart seitens der Stadt ohnehin die bessere: „Für uns ist es günstiger, wenn alles zusammen gemacht wird.“ Die geplante Auslagerung erscheine wegen der Lärm- und Staubbelastung sinnvoll. „Ich bin da überhaupt nicht bange vor“, so Metzing. „Wir haben hier schon genug Baustellen erlebt.“

Realschulleiter zeigt sich „hochgradig irritiert“

Metzings Kollege von der Realschule, Leiter Wolfgang Dahmen, ist nicht begeistert. Er beklagt, erst Anfang der Woche vom Schulamt über die geänderten Pläne informiert worden zu sein. Zuvor habe er bei einem Anruf aus dem Urlaub beim Hausmeister wohl schon erfahren, dass nicht gearbeitet werde. „Ich bin hochgradig irritiert“, sagt Dahmen. Er sei in den Urlaub mit der Gewissheit gegangen, dass die Fassadengiebel in Angriff genommen würden. Das habe er auch so in Schul- und Klassenpflegschaften an die Eltern weitergegeben, nach dem Motto: „Die Stadt kümmert sich, es wird keinen Stress für die Schüler geben.“

Dahmen hat „den Eindruck, dass die Sanierungsmaßnahme immer weiter geschoben wird“ – und hofft, dass die komplette Auslagerung der Schule zumindest auf dem Schulgelände möglich sein wird. Diese Möglichkeit soll nun noch mal ein Gutachter prüfen. Kämmerer Bonan sagt, dass eine Interimslösung auf dem Schulareal weiter auch Ziel der Stadt sei. Er fordert alle Beteiligte auf, den Blick nach vorne zu richten: „Wir wollen für das Schulzentrum eine Gesamtperspektive aufzeigen, inklusive Pavillon-Lösung.“

Dahmen: Geringe Wertschätzung gegenüber den Schülern

Ob er damit Realschulleiter Dahmen wird beruhigen können? Dieser beklagt, dass mit der Sanierungsplanung abermals „eine geringe Wertschätzung“ gegenüber den Schülern deutlich werde. Die Unterbringung der Realschüler habe mittlerweile „Dritte-Welt-Charakter“.

Kritik äußern auch die Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI). „Man hat nicht den Eindruck, als wisse der Immobilienservice wirklich, was zu tun ist“, so Fraktionssprecher Lothar Reinhard. „Es wird allerhöchste Zeit, dass das Schulzentrum, insbesondere die Realschule, in der Prioritätenliste ganz nach oben gesetzt wird.“

 
 

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