Schulmuseum auf wackligen Beinen

Kristina Mader
Marlies Pesch-Krebs leitet das historische Klassenzimmer seit 1996. Zur Zeit ist das Museum eingelagert und wartet auf seine Wiedereröffnung.
Marlies Pesch-Krebs leitet das historische Klassenzimmer seit 1996. Zur Zeit ist das Museum eingelagert und wartet auf seine Wiedereröffnung.
Foto: Thomas Emons

Styrum. Die Zukunft des Historischen Klassenzimmers steht auf wackligen Beinen. Seit Beginn der Bauarbeiten an der Schule an der Schlägelstraße ist das kleine Museum abgebaut und eingelagert. Ob es wie geplant nach den Sommerferien in die Räume der Grundschule an der Meißelstraße einziehen kann, ist nicht sicher. Denn die beiden Pachtparteien sind bisher zu keinem Kompromiss gekommen. Am Dienstag sitzen alle an einem Tisch.

Das wohl kleinste Museum Mülheims hat eine bewegte Zeit hinter sich. „Wir sind von den letzten Entwicklungen schockiert“, sagt Max Schürmann, Mitarbeiter der Feldmann-Stiftung, in der der Styrumer Geschichtsgesprächskreis angesiedelt ist. Seit vielen Jahren kümmern sich die Mitglieder ehrenamtlich um das Schulmuseum. Finanziert wurde es immer aus Stiftungs- und Spendengeldern, die Unterhaltungskosten übernahm die Stadt. Bislang war das Museum mit den historischen Bänken, Griffeln und Schiefertafeln im Obergeschoss der Schule an der Schlägelstraße untergebracht. Diese wird aber zur Zeit zur Kita umgebaut. „Zunächst, so hieß es von der Stadt, sollte das Museum nach der Sanierung wieder dort einziehen“, berichtet Schürmann. Dann kam der U3-Ausbau. „Und aus dem zwei-, wurde ein viergruppiger Kindergarten.“ Für das Museum war kein Platz mehr da.

Kunsthaus nutzt die Räume der Schwester-Grundschule

Schnell einigten sich die Politiker der BV 2 auf den Umzug des Klassenzimmers in die Räume der Schwester-Grundschule an der Meißelstraße. Dort läuft der Unterricht in zwei Jahren aus, das Gebäude steht dann ab 2015 dem Verein Kunsthaus zur Verfügung. Dieser hatte viele Jahre nach einem geeigneten Ort gesucht und schließlich auf die Räume an der Meißelstraße ein Konzept zugeschnitten.

Demnach sollen aus den Klassenräumen zehn Ateliers entstehen, die von Mülheimer Künstlern genutzt – und auch bezahlt werden. Dass sie diese mit dem Museum teilen sollen, wurde erst spät klar. Dennoch plante der Verein um – und das Museum mit ein. „Das Dachgeschoss wurde dafür vorgesehen und die gemeinsame Nutzung des unteren Bereichs für Besuchergruppen“, erklärt Vereins-Vorsitzender Alexander Voß.

Klassenzimmer benötigt eigentlich mehr Platz

Max Schürmann und Museumsleiterin Marlies Pesch-Krebs hätten sich mehr Platz für das Klassenzimmer gewünscht: „Das Obergeschoss ist nicht adäquat und nicht für eine öffentliche Nutzung geeignet“, sagt Schürmann. Um eine angemessene Größe zu erreichen, müsste das Kunsthaus ein Atelier abgeben. „Das ist keine Option für uns“, sagt Voß. Schließlich sei auch die Finanzierung des Projekts auf zehn Künstler umgelegt.

Schürmann und Pesch-Krebs können die Argumente des Vereins gut verstehen, ärgern sich dafür umso mehr über Politik und Verwaltung. „Wir wurden hin und her geschubst und sind nun sehr verunsichert“, sagt Marlies Pesch-Krebs. Schließlich müssten die Räume an der Meißelstraße ebenfalls renoviert, bzw. saniert werden, ein Einzug des Klassenzimmers verschiebt sich immer weiter nach hinten. Und: „Seit Wochen versuchen wir unser Konzept für den Umbau beim Immobilienservice einzureichen – bislang gab es keine Reaktion auf Anfragen“, so Schürmann.

Stadt möchte Schulmuseum erhalten

Die Stadt sei an der Weiterführung des Schulmuseums interessiert, meint Stadtsprecher Volker Wiebels auf WAZ-Anfrage. Daher sei für den Dienstag ein Gespräch mit allen Beteiligten angesetzt. „Ich hoffe, dass wir dann eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind“, sagt Pesch-Krebs.