Schlossstraße oder Schloßstraße?

Heute feiert die Rechtschreibreform ihren 20. Geburtstag. Nicht jeder wird ihr gerne gratulieren, denn einige Änderungen sorgen auch zwei Jahrzehnte nach der Einführung für hektisches Nachschlagen im Duden. Wir haben mit Annika Renker, Geschäftsführerin des Verlags an der Ruhr, über die Reform gesprochen.

Frau Renker, 20 Jahre ist die Rechtschreibreform schon alt – trotzdem fragen sich viele Mülheimer noch immer, ob es Schloß ­Broich oder Schloss Broich heißt und ob die Einkaufsstraße eigentlich Schlossstraße oder Schloßstraße geschrieben wird. Klären Sie uns doch bitte auf!

Renker: Eigennamen haben eine Sonderstellung und müssen die allgemein geltenden Regeln nicht berücksichtigen. Das „Schloss“ wird mit Doppel-S geschrieben, weil es auf einen kurzen Vokal folgt. Wenn Ihr Nachname aber „Schloß“ ist, dann wird dieser natürlich nicht zwingend geändert, nur weil es eine Rechtschreibreform gab. Gleiches gilt für Orts- und Straßennamen. Die Stadt Mülheim nutzt auf ihrer Homepage für das Schloß Broich nach wie vor die alte Schreibung, ebenso für die Schloßstraße. Und dies ist in diesem Zusammenhang auch korrekt und folglich gültig.

Ein weiterer Streifall ist zudem die Schreibweise bei Verben. Schreibt man „zusammensitzen“ und „auseinandergehen“ denn nun getrennt oder zusammen?

Das sind schwierige Fälle. Wenn zwei Personen einfach gemeinsam in einem Raum sitzen, dann schreibt man „zusammen sitzen“ getrennt. Wenn man sich aber zusammensetzt, um gemeinsam über eine bestimmte Sache zu reden, dann schreibt man es eben zusammen. Es kommt häufig auf die Bedeutung des Wortes an. „Auseinandergehen“ wird im Sinne von „sich trennen“ zusammengeschrieben.

Finden Sie, dass die Rechtschreibreform mittlerweile angekommen ist? Es entsteht ja oft der Eindruck, dass es durchaus ein zwiespältiges Gefühl zu der Reform gibt. . .

Ich glaube, diese zwiespältigen Gefühle haben vor allem noch ältere Menschen, die mit den alten Schreibungen aufgewachsen sind und die sich umgewöhnen mussten. Das ist auch durchaus verständlich. Die junge Generation, die in der Schule nie etwas anderes gelernt hat, diskutiert nicht über die Reform – höchstens über die Deutschnote, von daher würde ich sagen: Ja, sie ist angekommen!

Zum Abschluss: Möchten Sie unseren Lesern noch eine kleine Aufgabe mit auf den Weg geben?

Lautet die korrekte Schreibweise „klein schreiben“ oder „kleinschreiben“?

 
 

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