Schafft die Rennbahn die Wende im Galopp?

Andreas Heinrich
Rennbahn Raffelberg: Für viele Mülheimer gehörte diese Anlage einst zu den Aushängeschildern der Stadt.
Rennbahn Raffelberg: Für viele Mülheimer gehörte diese Anlage einst zu den Aushängeschildern der Stadt.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim. Was wird aus der einstigen Perle, der Rennbahn am Raffelberg, wo einst die Masse hinströmte, ganze Familien ihr Vergnügen hatten, Pferderennen mit Spitzenniveau stattfanden? Seit einigen Jahren bemüht sich der Verein, der mit weit über einer Million Euro verschuldet ist, die Kurve zu bekommen.

Doch in diesem Jahr geht es weiter bergab: Nur noch drei Pferderennen finden statt. Kritiker und Insider erklären gegenüber der WAZ: Hier könne man eigentlich gar nicht mehr von einem Rennverein sprechen. „Das ist, als wenn ein Fußballverein nur noch zwei Spiele im Jahr macht.“ Es gibt die Forderung nach einem Neuanfang mit neuen Leuten an der Spitze des Rennvereins.

Laut sagt das keiner. Aber es liegen Pläne für einen Neuanfang in der Schublade. Ziel sei es, die Anlage wiederzubeleben, sie aufzuwerten, zu modernisieren, zum attraktiven Aufenthaltsort für Familien und Pferdeliebhaber zu machen, Partner in der Wirtschaft zu gewinnen – und wieder mehr Rennen der besseren Art zu veranstalten.

Untermieter ist eine Haupteinnahmequelle

Kritik am Verein gibt es schon länger: immer weniger Rennen, deutliche Vernachlässigung der Anlage, unzureichende Auslastung der Pferdeboxen gehören dazu. Kenner des Pferdesports sprechen in Schreiben an die WAZ von selbst gemachten Fehlern, die den Niedergang herbeiführten, katastrophale Renn-Terminierungen kreidet man der Vereinsführung an.

Andere empfahlen in Schreiben an das Direktorium, die der WAZ vorliegen, für Vollblutzucht und Rennen dem Mülheimer Rennverein „keinerlei Zuschuss oder Hilfen mehr zu geben.“

Besitzer der Anlage mit 50 Hektar ist die Stadt Mülheim, 4100 Euro Pacht erhält die Stadt dafür im Jahr, nicht erst seit den Spardebatten und der Suche nach neuen Einnahmen fragt sich so mancher im Stadtrat, ob dieses wertvolle Gelände nicht deutlich mehr einbringen müsste. Doch mehr kann der Verein nicht aufbringen, der sich bemüht, von den Schulden herunterzukommen.

Eine Haupteinnahmequelle des Rennvereins ist der Untermieter, der Golfclub, dessen Eigentümer Ralf Schmitz zugleich ehrenamtlicher Geschäftsführer des Rennvereins ist. Ohne Schmitz und seine Golfer könnte der Verein gar nicht mehr überleben, sagt die Vereinsführung. Er habe sich in völlige Abhängigkeit begeben. Die Symbiose Golf und Pferd ist in Deutschland dabei nicht ungewöhnlich, in der Mülheimer Politik jedoch mehren sich die Zweifel, ob der Niedergang des Rennvereins nicht auch gezielt verfolgt werde, um dem Golfsport noch mehr Möglichkeiten zu bieten.

Kritiker zählen Mängel auf

Dirk von Mitzlaff, stellvertretender Präsident des Rennvereins, hält dies für Unfug, auch wenn er die Bedeutung der Golfer für das Überleben des Rennvereins nicht herunterspielt. Er sieht die Krise des Rennvereins nicht in Mülheim begründet, sondern in einem deutschlandweiten Wandel bei Pferdewetten.

Mitzlaff sieht aber auch die Talsohle in Mülheim erreicht: Die nächsten zwei Jahre müsse man noch durchstehen, dann gehe es aufwärts, ist er überzeugt und verweist unter anderem darauf: „Uns ist es gelungen, zwei neue Trainer von höchstem Niveau zu engagieren und die Zahl der vermieteten Pferdeboxen hat sich deutlich erhöht.“ Präsident Hans-Martin Schlebusch widerspricht all jenen, die Mängel an der Anlage sehen.

Kritiker, die die WAZ aufsuchten, zählen dagegen zuhauf Mängel auf. Das wiederum kann der Stadt als Eigentümerin nicht egal sein. Auch die Pflege der Außenanlagen wird beklagt. Dabei gibt der Verein für die Pflege Jahr für Jahr viel Geld aus.

Die Pflegearbeiten werden, so die Wirtschaftsprüfung PWC in einem Schreiben, von der Firma S.R.S. Enterprise durchgeführt, die auch Betreiberin des Golfclubs auf der Rennbahn ist. Eigentümer der Firma sind die Vizepräsidentin und der Geschäftsführer des Rennvereins, eben Ralf Schmitz. Der Geschäftsführer des Rennvereins vergibt damit quasi Aufträge an seine eigene Firma. Mitzlaff weiß, das dies ein Geschmäckle hat, betont aber auch: „Für uns ist das die beste und preisgünstigste Lösung.“ Andere hielten eine öffentliche Ausschreibung der Arbeiten für erforderlich. Dies empfiehlt auch der Wirtschaftsprüfer, „im Sinne der Klarheit“.

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