Sanierung des Mülheimer Rumbachs wirft hohe Kosten auf

Der Rumbach fließt auf dem Weg zur Ruhr unter der Tilsiter Straße
Der Rumbach fließt auf dem Weg zur Ruhr unter der Tilsiter Straße
Foto: WAZ Mülheim

Mülheim. Der Rumbach ist ab der Wetzmühle, also etwa da, wo die Walkmühlenstraße auf die Essener trifft, gar nicht mehr zu sehen, bis er die Stadtmitte unterirdisch durchquert hat und dann gleich neben dem neuen Hafenbecken in die Ruhr mündet. Dennoch wird der Bach mit einer der größten Kanalbaumaßnahmen in den näch- sten Jahren Kosten verursachen, die deutlich über neun Mio Euro liegen.

Denn die Rohre, durch die der Rumbach von dort aus unterirdisch bis zur Kaiserplatzkreuzung geführt wird, sind inzwischen nicht nur zu klein für die Regenwassermengen, die ihm von beiden Seiten der Essener Straße zusätzlich zugeleitet werden, sondern sie sind auch marode: schon 1926 wurden sie gebaut.

Die Politiker werden in der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag über eine Vorlage der Verwaltung befinden müssen, die eine Verlegung des verrohrten Rumbachs in ein neues Rohr vorsieht.

Alten Kanal sanieren

Die Überlegung dabei: Der Rumbach wird von der Walkmühlenstraße in einem neuen, zwei Meter im Querschnitt messenden Rohr entlang der Essener Straße unterirdisch als „Reinwasserlauf“ ohne Einleitungen bis zur Kaiserplatzkreuzung geführt, wo er in ein großes Kanalrohr mit 3,20 m Breite mündet. Der alte Rumbach-Kanal könnte dann – so sieht es eine Projektstudie für das Gesamtsanierungskonzept vor – mittels „Inliner Sanierung“ repariert (dabei wird ein neues Rohr im alten verlegt) und kann dann das Niederschlagswasser aus den Grundstücken an und oberhalb der Essener Straße/Dickswall aufnehmen, was heute schon in den alten Rumbach fließt und bei Starkregen Probleme beim Abfließen macht: Ist der alte Kanal voll, steht auch schon mal die Kaiserplatzkreuzung unter Wasser. Wenn das Regenwasser später durch ein eigenes Rohr bis zum Kaiserplatz fließen kann, wird der eigentliche Rumbach entlastet.

In den geschätzten Baukosten von rund zehn Mio Euro war neben der Verlegung des Rumbachs in ein neues Kanalrohr auch eine Teilnaturierung des Gewässers, also ein offener Wasserlauf zwischen Kattowitzer Straße und Kuhlendahl kalkuliert, um der Wasserrahmenrichtlinie zu entsprechen. Ein Fördermittelantrag wurde von der Bezirksregierung Düsseldorf abgelehnt. Wird auf die Teilnaturierung verzichtet, liegt die Maßnahme, verteilt auf fünf Bauabschnitte auf einer Länge von 1,3 km, bei 9,3 Mio €. Darüber werden die Politiker befinden müssen.

Die Verwaltung betont, dass eine weitere Verzögerung des Umbauprojektes aus hydraulischer, statischer, hochwassertechnischer Sicht nicht vertretbar sei. Die nötigen Mittel stünden bereits im Investitionsplan Kanalbau zur Verfügung.

Anwohner wollen neues Gutachten

Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) Rumbachtal werden die politische Diskussion im Umweltausschuss mit Spannung verfolgen. Die IG bedauert, dass die Sanierung des verrohrten Bachteils noch nicht erfolgt sei. Für sie ist vor allem der Verlauf des Bachs vor seinem Verschwinden unter der Erde von Interesse: Wie berichtet, befürchten die Anrainer bei einer Festsetzung des „Überschwemmungsgebietes Rumbach“ durch das Land NRW Einschränkungen, etwa bei geplanten Umbauten, sowie den möglichen Wertverlust ihrer Häuser. „Es gibt bereits 30 Einwendungen von Anwohnern bei der Bezirksregierung Düsseldorf“, sagt IG-Sprecher Heinz Moseler.

Diese Eigentümer begründen dies vor allem damit, dass der Bach-Durchlass an der Tilsiter Straße nicht groß genug sei, und dass zusätzliche Einleitungen vor dieser Engstelle durch die Bebauung an der Tilsiter Straße/ Schlippenweg das Überschwemmungsgebiet erheblich belasten würden. Die IG Rumbachtal, die bereits 64 Mitglieder zählt, wünscht sich ein neues Gutachten, das die genannten Punkte prüft. Die MBI hat die Forderung als Beschlussvorschlag in die Sitzung des Umweltausschusses eingebracht. Die IG will demnächst eine Vereinssatzung beschließen mit dem Ziel, sich um die Belange des Rumbachtals insgesamt kümmern zu wollen. Moseler betont, dass es dem Verein um eine „konstruktive Lösung mit der Stadt und der Bezirksregierung geht.“

 
 

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