Sanierung der Alten Dreherei in Mülheim geht in Etappensiegen voran

Die Ehrenamtlichen am Werk: Seit drei Jahren wird die Alte Dreherei in Mülheim saniert. Der Umbau ist noch lange nicht vorbei. Bild: Stephan Glagla
Die Ehrenamtlichen am Werk: Seit drei Jahren wird die Alte Dreherei in Mülheim saniert. Der Umbau ist noch lange nicht vorbei. Bild: Stephan Glagla
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Es ist ein Mammutprojekt: Seit fast drei Jahren sanieren die Ehrenamtlichen vom Trägerverein "Haus der Vereine in der Alten Dreherei" das gleichnamige Bauwerk. Es wird noch lange dauern bis zum Abschluss - doch die Helfer sind hochmotiviert.

Mülheim.. Langsam manövriert Martin Menke den Gabelstapler auf den Fensterrahmen zu. Vorsichtig spießt er das schwere Stahlkonstrukt auf die Gabeln und hievt es in die Höhe. Ein paar Zentimeter nach links, nach vorne, ein Stückchen höher und schon sitzt das erste von über 50 Fenstern in der Backsteinwand. Damit ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zum fertigen Großprojekt gelegt. Doch bis aus der Alten Dreherei ein modernes Schmuckstück wird, ist noch viel Arbeit nötig.

Zehn Männer sind an diesem Samstag zum Arbeiten in die Halle gekommen. Sie sind fast jedes Wochenende hier, oft auch in der Woche. Mit der Sanierung der Alten Dreherei, die lange zwischen Feuerwache und Betriebshof der MVG im Dornröschenschlaf lag, hat sich der Trägerverein „Haus der Vereine in der Alten Dreherei“ ein Mammutprojekt vorgenommen. Seit fast drei Jahren werkeln die ehrenamtlichen Helfer an der historischen Halle, die 1879 erbaut wurde und über 2000 m2 misst. Die Frauen und Männer arbeiten an vielen Baustellen, in jeder Ecke gibt es was zu tun. Latten liegen hochgestapelt am Rand, Walze und Schleifmaschine stehen weiter hinten in der Halle. Ein Teil des Gebälks ist bereits fertig saniert – ein Etappensieg.

Materialien wurden gespendet

Während einige der Männer auf das Baugerüst klettern, hat Heiner Brückner Hammer gegen Filzstift getauscht. Mit diesem zeichnet er Markierungen auf Glasscheiben, die er dann passend für die Fenster zurechtschneidet. 63 Scheibchen muss Heiner Brückner pro Fensterrahmen ausmessen, schneiden und einfügen. Das Glas hat ihnen ein großzügiger Spender zur Verfügung gestellt, genau wie den Gabelstapler, den Palettenschieber oder die Walze.

„Seit meine aktive Berufslaufbahn beendet ist, helfe ich hier mehrmals in der Woche mit“, erklärt der Diplom-Ingenieur im Ruhestand. Ein Artikel in der Zeitung machte ihn auf das Großprojekt des Trägervereins aufmerksam – seitdem kümmert er sich neben dem Handwerk auch um die Organisation der Baustelle: „Ich bestelle Material und stimme Termine mit Elektrikern oder Zimmermännern ab.“ Und findet: „Es ist reizvoll, dieses alte Bauwerk zu sanieren.“

Genug zu tun für die nächsten Jahre

Viel haben Heiner Brückner und die anderen noch zu tun: „Wir haben in der Halle mindestens 50 Fenster mit jeweils 63 Scheiben“, erklärt Martin Menke, Vorsitzender des Trägervereins. Diese müssen alle aus den Wänden gehoben, mit Sandstrahlern vom Rost befreit und neu angestrichen werden. „Zwei Arbeitstage brauchen wir für so ein Fenster“, schätzt Menke.

Man merkt, die etwa 100 Mitglieder des Vereins, die vielen ehrenamtlichen Helfer haben sich eine Menge Arbeit vorgenommen. „Einige Jahre werden wir hier noch beschäftigt sein“, glaubt der Vorsitzende. Daher sei jede helfende Hand auf der Baustelle willkommen. So packen auch Menkes Söhne Magnus (12) und Morten (15) mit an: „Ich habe heute schon gefegt und aufgeräumt“, sagt Magnus, der seinem Papa häufig auf die Baustelle folgt.

Staunend steht er neben den fünf Männern, die den Fensterrahmen mit dem Gabelstapler in das Mauerwerk bugsieren. Der erste Fensterrahmen sitzt, die Wasserwaage verkündet ein gutes Ergebnis, nun können sie die historischen Haken in die Wand schlagen. Dann kommen die nächsten Rahmen auf die Gabeln – Stück für Stück, bis zur nächsten Etappe.

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