Sander-Nachfolger Vermeulen zieht ins Technische Rathaus ein

Mirco Stodollick
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Mülheim. Ein Professor für Kulturmanagement im Technischen Rathaus? Kann das gutgehen? Es muss. Nach politischem Postengeschacher zwischen SPD und CDU und dem Aus für Helga Sander übernimmt ab Montag Prof. Peter Vermeulen die Verantwortung des Dezernates für Bauen, Planen und Umwelt. Er wird hinsichtlich seiner fachlichen Qualifikationen durchaus mit gewisser Skepsis in den Fachämtern erwartet, aber nicht mit Ablehnung, so erfuhr die WAZ von Mitarbeitern des ehemaligen Dezernates Sander.

„Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben“, lässt Vermeulen selbst wissen. Gleichwohl sucht er keine Ausflüchte, seine fachlichen Defizite herunterzuspielen. Natürlich werde er sich thematisch reinknien müssen. Dabei, so der 53-Jährige, baue er auf die vorhandene Kompetenz im Dezernat. Und der CDU-Mann setzt, für manch einen Kenner überraschend, zumindest fürs Erste weiter auf Klaus Beisiegel als persönlichen Referenten. Beisiegel, den engen Vertrauter Helga Sanders. „Die große Erfahrung, die Herr Beisiegel hat, wird mir helfen, mich einzuarbeiten.“

Zu früh für Schwerpunktsetzung

Die Frage der fehlenden fachlichen Qualifikationen in Sachen Planen, Bauen und Umwelt sieht Vermeulen zunächst nicht als besonderes Makel. Ohnehin sei „schlecht jemand zu finden, der in diesem heterogenen Dezernat alles könnte“. Als Wahlbeamter wisse er ein Team kompetenter Amtsleiter hinter sich. Seine Rolle sieht Vermeulen stark im Kommunikationsmanagement, „auch als Motivator für die Mitarbeiter“.

Vermeulen ist sich bewusst, dass er ein schweres Erbe antritt, in Mülheim wird viel gemeckert über Stadt- und Verkehrsplanung sowieso. Für eine Schwerpunktsetzung sei es zu früh. Es gehe darum, „für die Stadt das Beste zu suchen, fernab der Parteilichkeit“, wehrt der Dezernent sich dagegen, sich von seiner CDU, wie unmittelbar nach der Abwahl Sanders geschehen, einen Aufgabenkatalog diktieren zu lassen. Planen und Bauen seien in Mülheim mit schwierigen Gegebenheiten belegt, das ständige Kritisieren werde den Mitarbeitern im Dezernat aber nicht gerecht. „Die viele gute Arbeit verdient mehr Wertschätzung.“

Keine ablegenende Haltung

Das sind Worte, die die oft gescholtene Belegschaft im Technischen Rathaus als guten Aufschlag für die Arbeit unter neuer Führung wahrnehmen dürfte. Ohnehin ist dort keine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Chef zu vernehmen. Die WAZ hat sich unter Amts- und Abteilungsleitern, auch bei Sachbearbeitern umgehört und immer wieder vernommen, man werde unvoreingenommen in die Zusammenarbeit gehen. Ob die sich fruchtbar gestalten lasse, hänge wesentlich davon ab, wie gut Vermeulen den Draht zu den Amtsleitern spannen könne, dass Mitarbeiter sich nicht als „Verwaltungsheinze“ fühlen müssten, sondern Gehör fänden. Man rechnet damit, künftig in der Abstimmung mit dem Dezernenten mehr erklären und mit Argumenten belegen zu müssen. Unter Sander seien zuletzt viele Dinge „wie selbstverständlich gelaufen“.

Skepsis, „eine bestimmte Vorsicht“ ob der mangelnden fachlichen Qualifikationen ist zu vernehmen, sie scheint aber nicht übergewichtig. Das fachliche Defizit, so ein Sachbearbeiter, könne gar von Vorteil sein, wenn Argumente aus den Ämtern mehr Gewicht bekämen. Grundstimmung im Haus aber ist: „Gespannte Erwartung“.

"Die Unzufriedenheit im Rathaus ist schon relativ groß"

Übrigens ist der Schmerz über die politisch ausgekungelte Trennung von Helga Sander nicht überall ausgeprägt. Die einen loben Sander für ihre Kommunikationsfähigkeiten und ihre Offenheit auch anderen Meinungen gegenüber, sahen sie als Kopf eines „eingespielten Teams“. Aus Abteilungsleiter-Kreisen verlautet auch Gegenteiliges: Sander habe zuletzt einen festen Kreis von Vertrauten um sich gescharrt. Fachleute, die nicht zu diesem erlauchten Kreis gezählt hätten, seien mit ihrer fachlichen Meinung nur unzureichend gefragt, Entscheidungen dezernatsintern nicht transparent gewesen. „Die Unzufriedenheit im Rathaus ist schon relativ groß. Die Aufbruchstimmung vergangener Jahre ist nicht mehr da.“

Ob Vermeulen wieder Aufbruchstimmung vermitteln wird, vielleicht durch neue städtebauliche Impulse? Ein Abteilungsleiter sieht den neuen Dezernenten in dieser Frage „sehr vorsichtig taktieren“, siehe Festhalten am Sander-Vertrauten Beisiegel als Referenten. „Da setzt Vermeulen erst mal auf Kontinuität.“ Die CDU werde ihre Interessen da wohl bis zum neuen Wahltermin für Vermeulen im Frühjahr 2014 kaum platzieren können. Nichtsdestotrotz werde es spannend, ob es eine Achse mit Vermeulen und CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels geben werde.