Russland Assoziation anbieten?

Wegen der Gier nach Geld und Rohstoffen hat es schon so einige Kriege auf dieser Welt gegeben. Handel und Frieden – schließt sich das nicht gegenseitig aus?

Kant sagt, dass der Handelsgeist und die Geldmacht nicht nur destruktiv zu sehen sind. Sondern wenn man miteinander handelt, dann braucht man den Partner, dann kann man ihn nicht niedermachen oder zerstören. Es gibt so etwas wie eine gegenseitige Abhängigkeit und die könnte durchaus friedensstiftend wirken.

Fällt Ihnen ein positives Beispiel dazu ein?

Wenn ich beispielsweise an die Zeit der Ostpolitik Willy Brandts denke. Als er den Vertrag von Warschau unterschrieben hat, hat er sich in seiner Fernsehansprache ausdrücklich auf Kant bezogen. Es gibt durchaus Politiker, die von den Gedanken eines Philosophen beeinflusst sind. Die Idee von Kant habe ich wieder gefunden, als die damalige Sowjetunion einen Handelsvertrag angeboten hat, der über 30 bis 50 Jahre laufen sollte. Das kommentierten manche Leute so: Wenn jemand über solch eine lange Zeit Handel betreiben will, dann will er den Partner nicht mehr im Krieg zerstören. Das wäre ein Widerspruch in sich.

Eine Brücke zur aktuellen Auseinandersetzung mit Russland?

Natürlich. Kant hätte vielleicht gesagt, dass es eventuell klüger gewesen wäre, dass man nicht nur der Ukraine die Möglichkeit zur Assoziation mit der EU angeboten hätte, sondern auch Russland.

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