Rotarier aus Mülheim leisten Wiederaufbau-Hilfe in Liberia

Nach den Bürgerkriegen im westafrikanischen Liberia leisten Mülheims Rotarier dort Wiederaufbauhilfe.
Nach den Bürgerkriegen im westafrikanischen Liberia leisten Mülheims Rotarier dort Wiederaufbauhilfe.
Mülheims rund 170 Rotarier leisten im westafrikanischen Liberia, einem der ärmsten Länder der Welt, nach den dortigen Bürgerkriegen Wiederaufbauhilfe. Dank ihrer Hilfe ist die Gerlib Clinic in der Hauptstadt wieder ein funktionstüchtiges Krankenhaus.

Mülheims.. Die drei Rotary Clubs (RC) Mülheim, Schloß Broich, Mülheim Uhlenhorst sowie die Frauen-Organisation „Inner Wheel“ dürfen sich nach gut zweijährigem Engagement nun freuen, dass die Gerlib Clinic in Liberias Hauptstadt Monrovia dank ihrer Hilfe wieder für rund 14.000 Patienten jährlich ein funktionstüchtiges Krankenhaus ist.

Dr. Georg-Peter Kränzlin (56), Präsident beim RC Mülheim Uhlenhorst, war kürzlich zum zweiten Mal in Liberia, um sich vor Ort ein Bild zu machen von der Klinik, die bereits im November 1985 vom Arzt Domo Nimene und seiner deutschen Ehefrau Margret Gieraths-Nimene eröffnet worden war, um der Bevölkerung in Monrovia annähernd kostenlose medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Denn: Behandelt wird in liberianischen Kliniken eigentlich nur, wer Bares auf den Tisch legt, eine staatliche Krankenversicherung gibt es nicht. Im Bürgerkrieg (1998 bis 2003) wurde die Klinik allerdings zerstört, die Einrichtung geplündert. Nimene und seine Frau waren zur Flucht nach Europa gezwungen.

"Kleine Oase in einem zerrütteten Land"

Nach dem offiziellen Friedensschluss im Jahr 2005 organisierte Gieraths-Nimene mit dem „Liberia e.V.“ den Wiederaufbau der Klinik, Ende 2008 überzeugten sich Mülheimer Rotarier vor Ort, dass eine Unterstützung des Projektes Sinn ergeben würde. Den Kontakt zu „Liberia e.V.“ hatte die deutsche Botschafterin in Liberia, Dr.Ilse Lindemann-Macha, hergestellt. Sie stammt: aus Mülheim.

„Wir waren erschüttert, was wir dort gesehen haben“, erinnert sich Kränzlin an jenen ersten Advent 2008, als die deutsche Delegation in der Gerlib Clinic weilte, der „kleinen Oase in einem zerrütteten Land“. Gesundheitsversorgung ist nach Kränzlins Beobachtung im armen Liberia nur äußerst rudimentär entwickelt – „wenn man dort in einem staatlichen Krankenhaus liegt, will man dort nur noch sterben“. In Monrovias „Renomee-Klinik“, dem JFK-Hospital, hat Kränzlin nicht mal Fensterscheiben entdeckt, keine Klimaanlagen, keine Bettwäsche. „Kranke lagen teilweise nackt dort, weil sie nichts zum Anziehen hatten.“ Das Krankenhaus-Personal werde so schlecht bezahlt, dass es eine hohe Fluktuation gebe.

Land ist instabil

Überhaupt, so Kränzlin, sei das Land äußerst instabil, ohne die 10.000 hier stationierten Uno-Soldaten stünde man wohl einem erneuten Bürgerkrieg nahe. 80 % beträgt die Arbeitslosenquote, die Zahl der Analphabeten liegt ähnlich hoch. „Die Frauen halten das Land hoch. Die Männer sind faul, trinken, spielen, schlagen ihre Frauen.“

Zusammen mit dem RC Düsseldorf Pempelfort sammelten Mülheims Rotarier Medikamente, die von Krisengewinnlern in Liberia nur zu horrenden Preisen angeboten werden. Von Krankenhäusern in Mülheim, Oberhausen und Düsseldorf gab es Sauerstoffgeräte, Ultraschall, Sterilisatoren, OP-Leuchten und -Tische – „alles, was man kriegen konnte“, so Kränzlin.

Finanzierung gesichert

Auch ausrangierte Kranken- und Kinderbetten, die den deutschen Standards nicht mehr entsprechen, erfüllen heute in Monrovia ihre Funktion. Der erste Container mit Hilfsgütern ging im Sommer 2009 auf die Reise, ein weiterer ein Jahr später.

Mit Rotarier-Hilfe ist nun auch für zwei Jahre die Finanzierung eines Arztes gesichert. Dr. Siker Franklin aus Ghana bekommt ein Salär, das Abwanderungsgedanken eigentlich ausschließen sollte. Den Arzt, der in den USA ausgebildet worden sei, bezeichnet Kränzlin als „Glücksfall. Er ist davon beseelt, dem Land etwas Gutes zu tun.“

Mit weiteren eingeworbenen Spendengeldern gelang es dem „Liberia e.V.“ sogar, einen Klinik-Neubau im Ortsteil Paynesville zu stemmen. Seit August 2009 ist er bezogen, die Gerlib Clinic mit ihren 30 Mitarbeitern ist nun als Gesundheitscenter im 24-Stunden-Betrieb anerkannt. „Es macht Freude, es dort zu sehen, das ist wirklich Eins plus, was dort geleistet wird“, freut sich Kränzlin nach seiner jüngsten Stippvisite. Eine Solaranlage, die ein Rotarier sich „statt Blumen“ zum Geburtstag gewünscht hatte, produziert nun den Strom für die Klinik, nur noch in Spitzenzeiten muss zusätzlich ein Generator zum Einsatz kommen.

„Liberia e.V.“ hat zusätzlich zur Klinik ein „Community Center“ aufgebaut – mit Kita, Hausaufgabenhilfe, Freizeit- und Sportangeboten.

Von seinem Besuch in Liberia hat Dr. Georg-Peter Kränzlin vor allem eines mit an die Ruhr gebracht: „Diese strahlenden Kinderaugen – dann weiß man, wofür man es gemacht hat“.

 

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