Rockende Elfe aus Norwegen

Rebekka Bakken sang in der Stadthalle.
Rebekka Bakken sang in der Stadthalle.
Foto: Tina Axelsson

Mülheim.. Gäbe es einen Preis für die attraktivste Jazz-Sängerin, so wäre die Norwegerin Rebekka Bakken eine heiße Favoritin. Doch auch wenn ihre optische Präsenz auf dem CD-Cover das beste Marketing ist, so spricht nun doch schon eine längere Karriere als Live- und Studio-Sängerin für ihre großen Qualitäten als Musikerin.

Rebekka Bakken, die spätestens 2003 nach ihrer Platte „Scattering Poems“ mit der Pianistin Julia Hülsmann auch einem internationalen Publikum bekannt ist, stellte sich und ihre Band jetzt in der Mülheimer Stadthalle vor. Dabei präsentierte Rebekka Bakken, die sich inzwischen eher als Singer- und Songwriterin denn als Jazz-Sängerin sieht, Kompositionen ihrer neuen CD „September“ vor, die in diesem Jahr erschienen ist.

Lange Zeit in New York und Wien

Die lange Zeit in New York und Wien lebende Musikerin, die jetzt in Schweden zuhause ist, zeigt sich auf aktuellen Veranstaltungsfotos nicht ganz ungefähr mit einem Cowboyhut. Tatsächlich hat Bakken sich für „September“ bisweilen unüberhörbar der Country-Musik gewidmet, die zwischen Pop, Folk und Jazz nun auch einen Platz in ihren immer leicht melancholisch wirkenden Liedern erhalten hat.

Doch während diese CD komplett akustisch eingespielt wurde und auf ihr die leisen Töne dominieren, ließ es die gut gelaunte Band in der Stadthalle richtig krachen. Vor allem der sehr vielseitige Gitarrist Bill Dillon, der stilistisch zwischen Pat Metheny, Bill Frisell und den elektrischen Vibrationen eines schweren Blues-Rocks schwebt, lieferte zum urgewaltigen Gesang des Stimmwunders Rebekka Bakken den richtigen Sound.

Fauchende Katze des Blues

Ließ diese in ihrer wunderschönen Komposition „September“ oder in „Forever Young“ eine zarte Elfe von den Fjorden Norwegens träumen, so donnerte sie ein Stück später im Stil einer röhrenden Blues-Queen in der Tradition einer Inga Rumpf oder Amy Winehouse. Ohrwurm-Qualität hat auch ihre Interpretation von Bruce Springsteens „The Wrestler“.

Es ist schon unglaublich, woher die zierliche Sängerin die Kraft nimmt, diese gesanglichen Gewichte zu stemmen. Dabei wechselt sie ohne Ermüdungserscheinungen zwischen feinsinnigen und fast kindlich klingenden Balladen und harten Beats, in denen sie zur fauchenden Katze des Blues wird. Das leider nicht ganz so zahlreiche Publikum erlebte einen denkwürdigen Abend.

 
 

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