Rezepte gegen Einsamkeit

Die Wohnungsgesellschaften bauen ihre sozialen Service-Angebote aus.
Die Wohnungsgesellschaften bauen ihre sozialen Service-Angebote aus.
Foto: WAZ

Mülheim.. Allein im Alter unter vielen. Einsam im Hochhaus. Oder gar tot und unentdeckt, nach Jahren erst gefunden – wie jüngst der Fall in Hagen. Einzelfälle oder doch mehr?

„Da wird Angst vor dem Älter-Werden geschürt, die unberechtigt ist“, sagt der Vorstand des Mülheimer Wohnungsbau (MWB), Frank Esser, und betont: „Bei uns ist keiner einsam!“ Wenn jemand allein lebe, so bedeute das noch lange nicht, dass er einsam sei. „Viele Menschen lieben ihre Unabhängigkeit und das gilt auch für die Lebensphase im Alter“.

Doch der MWB hat auf die gesellschaftliche Entwicklung, auf die steigende Zahl der Single-Haushalte im Alter reagiert. Eine gewisse soziale Fürsorge wurde in den vergangenen Jahren aufgebaut. Kontaktpflege steht dabei im Vordergrund, etwa mit Hilfe des Mülheimer Nachbarschaftsvereins. Dessen Ziel ist es, die Generationen, Singles und Familien in der Nachbarschaft zusammenzubringen. Man trifft sich zum Plausch hinterm Haus oder auf dem Spielplatz, feiert zusammen Feste, organisiert Ausflüge. Die Nachbarschaft als eine Art große Familie, schwebt dem Mülheimer Wohnungsbau dabei vor. Persönliche Ansprechpartner gibt es für die Mieter, sogar vier Mal im Jahr Stammtische mit Kaffee und Kuchen, ein Sozialarbeiter steht für Sorgen bereit. Und nicht nur er.

„Zusätzlich zu einem Vier-Mann-Regieteam, das immer im Wohnungsbestand unterwegs ist, gibt es drei Teams mit jeweils drei Mitarbeitern, die sich tagtäglich telefonisch oder vor Ort um das Wohl der Mieter kümmern“, sagt Marc Peters, Abteilungsleiter Wohnen. Oft würden die Teams die Familien seit vielen Jahren kennen.

Wunschpakete

Bei allem, was man für ältere Menschen auch anbiete, gelte: „Es muss angenommen werden“, sagt Robert Kunz, Geschäftsführer der Service-Wohnungsvermietungs- und baugesellschaft GmbH (SWB). Sie ist mit rund 9000 Wohnungen am Markt der größte Anbieter in Mülheim. Millionen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren in die Barrierefreiheit und seniorengerechte Ausstattung der Wohnungen investiert. Doch das Bauliche, so Kunz, sei nicht alles. „Eine angemessene Wohnung bedeutet noch nicht, auch angemessene Lebensverhältnisse zu haben.“ Service je nach Bedarf und Alter hat die SWB daher in ihr Angebot für Mieter gepackt. Es gibt Mini-, Medium- und Maxi-Pakete. Mit Hilfe des Partners, der St. Engelbert GmbH, wird diese Leistung erbracht.

Kontaktanrufe

Um die Betreuung zu intensivieren, hat die SWB jetzt auch für alle ihre Wohnungsbestände Hausmeister eingestellt. „Wir haben unseren Bestand in zwölf Bezirke aufgeteilt, in jedem Quartier wurde ein Hausmeisterbüro eingerichtet.“ Dieser sei fußläufig erreichbar und weit mehr als nur für kleine technische Probleme zuständig, heißt es. Er sei auch eine Art Kummerkasten.

Zum Service gehören auch die Kontaktanrufe: Die SWB ruft auf Wunsch Mieter an, einmal in der Woche oder einmal im Monat. Für Kunz ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter jedoch fast das Entscheidende: Sie sollen zum Beispiel darauf achten, ob ein Briefkasten vielleicht nicht mehr geleert wird, ob die Miete unregelmäßig eingeht. „Dahinter kann sich immer auch Hilflosigkeit verbergen“, sagt der Geschäftsführer.

EURE FAVORITEN