Rewe drängt über Gerichtsprozess nach Mülheim-Saarn

Intakte Stadtteile wie Saarn sind begehrt. Viele wollen ein Stück vom (Handels)Kuchen. Aber ist der wirklich groß genug für alle?
Intakte Stadtteile wie Saarn sind begehrt. Viele wollen ein Stück vom (Handels)Kuchen. Aber ist der wirklich groß genug für alle?
Die Ballung von Einzelhandel ist für Stadtkerne und Nebenzentren immer problematisch. Nach dem Sündenfall am Heifeskamp droht nun mit Saarn einem weiteren Stadtteil die Marktkonzentration. Die Stadt sträubt sich, aber ein Projektentwickler zieht bereits für Rewe vor Gericht. Ausgang? Offen.

Mülheim. Projektentwickler Ten Brinke und der Einzelhandelskonzern Rewe meinen es an der Düsseldorfer Straße offensichtlich Ernst. Sie haben den Druck auf die Stadtverwaltung erhöht. Wie das Verwaltungsgericht in Düsseldorf gestern auf Anfrage bestätigte, ging dort bereits am 21. März eine Klage gegen die Stadt ein. Im Februar hatte die Verwaltung, wie jüngst berichtet, schon die Zustimmung zu der Bauvoranfrage auf dem Apeltrath-Grundstück verwehrt und für ein Jahr zurückgestellt.

Möglicherweise folgt dann eine zweijährige Veränderungssperre, bis der Bebauungsplan, der großflächigen Einzelhandel zum Schutz von Dorf Saarn ausschließen soll, rechtskräftig wird. Der bisherige Bebauungsplan hatte sich an dieser Stelle nicht als wasserdicht erwiesen. Der Projektentwickler UHB hatte dagegen im Vorjahr ebenfalls schon erfolgreich geklagt.

Verfahrendsauer bis zu einem Jahr

Wann das Verwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit der Zurückstellung entscheidet, ist bei der Überlastung des Gerichts noch nicht absehbar. „Wir sind bemüht, die Verfahrensdauer unter einem Jahr zu halten“, sagte der Sprecher Gerd-Ulrich Kapteina. Der Nachdruck der Unternehmen erstaunt allerdings. Denn es ist erst gut zwei Jahre her, dass Rewe einen bestehenden Markt unweit des geplanten Neubaus geschlossen hatte. Dort eröffnen in diesen Tagen überdies Takko, Deichmann und das Dänische Bettenlager. Etwa zur selben Zeit hatte auch Penny im Saarn-Center geschlossen, was bis heute ein unansehnlicher Leerstand geblieben ist. Neben dem Leerstand liegt die Tengelmann-Filiale, die der Konzern gerne in die erste Reihe verlegen würde, was das Planungsamt bislang nicht genehmigen wollte.

Sollte Ten Brinke vor Gericht allerdings erfolgreich sein, könnten sich auch für Tengelmann gerichtlich ganz neue Chancen ergeben. „Das wäre gar nicht lustig“, sagt ein hochrangiger Politiker.

 
 

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