Rettungsaktion für den Ringlokschuppen

Theatermacher wie René Pollesch (l.),
Theatermacher wie René Pollesch (l.),
Foto: WAZ FotoPool
Einschneidende personelle Konsequenzen und fieberhafte Anstrengungen, um die Insolvenz abzuwenden.Peter Krause und Holger Bergmann gehen.

Mülheim.. „Du musst mir das nicht erklären“, lautet ein Spruch der Image-Kampagne des Ringlokschuppen, der in diesen Tagen traurig wie tragisch an Aktualität gewinnt. Doch, die blassen Chefs des Ringlokschuppens, Peter Krause, Holger Bergmann und Matthias Frense wollen erklären, wie es zu dieser desaströsen Finanzlage, zur Zahlungsunfähigkeit des renommierten und mit Auszeichnungen dekorierten Produktionshauses von Ruf und Rang kam.

Von einer Bugwelle von Schulden, die sich in diesem Jahr auftürmte und viel zu spät gesehen worden sei, ist die Rede. Bedingt auch durch eine „chronische“ Unterfinanzierung, erläutert Geschäftsführer Peter Krause: „Die Zuschüsse der Stadt (knapp 500.000 € jährlich) haben nie ausgereicht, um Miete und Personal zu finanzieren.“ Ein Bereich wurde aufgebaut, um Produktionen, Programm und Veranstaltungen durch Drittmittel zu finanzieren, immerhin beziffert Krause den Jahresumsatz des Hauses auf 2,8 Mio Euro. Ein Umsatzbeschleuniger für die Bugwelle sind auch die Personalkosten.

Während des Stadjubiläums 2008 und der Kulturhauptstadt 2010 war der Ringlokschuppen Projektbüro und baute Personal auf. „Aber wir haben es nicht geschafft, uns rechtzeitig von Personal zu trennen, bei weitem nicht“, räumt Krause ein. Von zwei Mitarbeitern verabschiedete man sich im letzten Jahr. Aktuell sind es 18 fest Angestellte, drei Azubis und rund 20 Honorarkräfte. Die nächsten personellen Konsequenzen: Peter Krause und Holger Bergmann treten Ende des Jahres zurück. Dramaturg Matthias Frense übernimmt ab 1. Januar 2015 die Künstlerische Leitung und zugleich die Geschäftsführung. Es ist auch ein menschliches Drama, das sich abspielt. Auflösungsverträge für vier weitere Mitarbeiter, teils Gründungs- und Betriebsratsmitglieder, liegen bereit.

Stadt kann das Defizit nicht ausgleichen

Um den Ringlokschuppen zu retten, war Matthias Frense in den letzten Wochen unterwegs, hat mit der Beteiligungsholding und dem Kulturdezernenten eine Perspektive mit neuen Strukturen entworfen, die in den politischen Fraktionen vorstellt wurde. „In einem kleinem Team ist man auskömmlicher mit dem Zuschuss“, sagt Frense. Um die drohende Insolvenz abzuwenden und weiterarbeiten zu können, seien bis Jahresende rund „400.000 Euro in diesem und 200.000 Euro fürs nächste Jahr“ erforderlich.

Doch woher soll eine Stadt, die 80 Millionen Euro neue Schulden machen muss, bis Jahresende 400 000 Euro nehmen? Selbst, wenn der Rat hinter der Rettungsidee stünde, „zeichnet sich ab, dass die Stadt gar nicht in der Lage ist, das Defizit auszugleichen“, so Frense. Schließlich handelt es sich haushalterisch um freiwillige Ausgaben. Die Rettungsaktion läuft auf ein Zusammenwirken von Stadt und Land hinaus. Fieberhaft laufen auch Gespräche auf Landesebene.

Schwerpunkt liegt auf Theater

Kann die Insolvenz des Ringlokschuppens noch abgewendet werden, dann soll das Produktionshaus künftig mit kleinerem Team und schlankeren Strukturen aufgestellt werden. Es gelte, „Personalstrukturen zu entwerfen, die mit den Personalkosten auskömmlich sind und Projektkosten bleiben auch Projektkosten“, so Matthias Frense, künftiger Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter. Der Schwerpunkt soll auf Theaterproduktionen liegen.

Ein Aushängeschild mit bekannten Kabarettisten und angesagten Newcomern ist die Kulturgut-Reihe, die viel Publikum von außerhalb nach Mülheim zieht. Die größtenteils gewinnbringende Reihe soll künftig nur noch rein in der Stadthalle spielen. Die Kabarettabende im Spielort Ringlokschuppen hätten sich als defizitär erwiesen. Das Kabarett- und Konzertprogramm mit bislang 50 Veranstaltungen jährlich in der Spitze ist nicht gerade nebenbei zu machen und wird mit Engagement und Fingerspitzengefühl vom Ringlokschuppen organisiert.

Insgesamt soll sich das Lokschuppen-Programm verändern. Ein Thema sei die Vermittlung „mit der wir stärker auf die Stadtgesellschaft zugehen müssen“, so Frense. Für das Jahr 2015 stehe das Programm in vielen Teilen schon. So soll das Impulse-Festival, das durch mehrere Städte wandert, in einer anderen Form nun erstmals exklusiv konzentriert in Mülheim spielen.

 
 

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