Mülheim

Real-Aus in Mülheim: Mitarbeiterin verliert Job nach 36 Jahren – und verrät, wen es besonders hart trifft

Isabell Meeth war Betriebsratsvorsitzende bei Real in Mülheim.
Isabell Meeth war Betriebsratsvorsitzende bei Real in Mülheim.
Foto: Montage: DER WESTEN / Martin Möller/ FUNKE Foto Services/ Privat

Mülheim. Für Real im Mülheimer Hafen ist Schluss. Am Samstag öffnete der Markt an der Weseler Straße das letzte Mal seine Türen.

Für Isabell Meeth (58) bricht damit nicht nur der Job weg. „Wir hatten hier sehr familiäre Verhältnisse“, so die Betriebsratsvorsitzende. Über 36 Jahre lang hielt es sie deshalb in Mülheim. Die 140 täglichen Pendelkilometer nahm sie dafür gern in Kauf.

Jetzt führt der Weg zum Arbeitsamt. Besonders hart trifft die Schließung des Real-Markts in Mülheim aus ihrer Sicht aber zwei Ehepaare aus dem Kollegenkreis.

Real-Aus in Mülheim besonders dramatisch für zwei Ehepaare

Denn die betroffenen Eheleute waren im Real-Markt in Mülheim beschäftigt. Jetzt sind beide arbeitslos. Das komplette Haushaltseinkommen der Paare bricht weg.

Und genau wie Isabell Meeth sind die betroffenen Ehepartner über 50 Jahre alt. „In unserem Alter kriegt man nicht mehr so schnell eine neue Arbeit“, fürchtet die 58-Jährige – besonders nicht mit ihrer Vergangenheit.

Verdi im Weg?

So ist die gebürtige Mülheimerin seit langen Jahren in der Gewerkschaft Verdi aktiv. Ein Fakt, der potenzielle Arbeitgeber abschrecken könnte. „Das lässt sich ja leicht googeln“, sagt Meeth.

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Trotzdem wolle sie so schnell wie möglich wieder zurück ins Arbeitsleben. „Sonst fällt man in ein Loch.“ Immerhin kann die 58-Jährige wie alle Gekündigten wegen eines ausgehandelten Sozialplans ein paar Monate überbrücken – und auf die Unterstützung ihres Ehemanns zählen.

„Für junge Familien und Singles im Kollegenkreis ist das alles noch schlimmer“, sagt sie.

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„Ich würde auch nicht so eine alte Schachtel nehmen“

Alle Gekündigten rechnen bei einer neuen Anstellung mit Gehaltseinbußen. Denn die meisten hatten noch einen alten Tarifvertrag, bevor die angeschlagene Einzelhandelskette aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen war. Wer Real bald schlucken könnte, erfährst du hier >>>

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Die Geschichte des Real-Markts im Mülheimer Hafen

  • Bis 1998 hieß das Einkaufszentrum im Hafen „Allkauf“
  • Nach dem Verkauf an die Metro-Gruppe hieß der Markt „Real“
  • Im Dezember 2018 wurde das Ende der Filiale zu Ende 2019 beschlossen
  • Von über 100 Mitarbeitern kamen nur wenige in anderen Real-Märkten unter
  • Über 70 Mitarbeitern wurde gekündigt
  • Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei über 50 Jahren

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Solche Gehälter im Einzelhandel zu erzielen, sei mittlerweile kaum mehr denkbar. Ihre Rolle als Teamleiterin habe sie sich bereits abgeschminkt. „Auf der Position stellen Arbeitgeber eher jüngere Leute ein. Zurecht: Ich würde auch nicht so eine alte Schachtel nehmen.“, sagt die 58-Jährige mit einer Portion Galgenhumor.

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„Das wird noch einmal heftig"

Isabell Meeth möchte daher am liebsten die Branche wechseln. Sie möchte im sozialen Bereich tätig sein, auch wenn dazu Qualifizierungsmaßnahmen notwendig sind.

Bis dahin heißt es noch Aufräumen. Die übriggebliebene Ware muss noch verpackt und an andere Märkte geschickt werden. Danach steht der endgültige Abschied bevor. „Das wird noch einmal heftig“, sagt sie. Schon bei der letzten Betriebsversammlung am vergangen Dienstag flossen Tränen.

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Real-Belegschaft bis zum Jahresende freigestellt

Bis zum Jahresende sei die Belegschaft dann freigestellt. „Weihnachten mal frei zu haben, ist bestimmt nicht schlecht“, schätzt die 58-Jährige. Doch die Angst nach den Feiertagen in ein Loch zu fallen, ist groß. Denn: „Dann geht bei uns allen kein Geld mehr auf dem Konto ein...“

 
 

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