Randale in Mülheim: Kritik an Polizei empört Facebook-Nutzer

Foto: Funke Foto Services
Ein 19-Jähriger soll am Samstag auf Polizisten eingeschlagen haben. Über Facebook schildert der Mülheimer seine Sicht - was die Polizei begrüßt.

Mülheim.. Sie sollen bei einem Polizeieinsatz gestört, einen Platzverweis ignoriert, Unbeteiligte angegriffen und auf Polizisten eingeschlagen haben. Erst mit massiver körperlicher Gewalt und dem Einsatz eines Diensthundes hätte man die zwei jungen Männer überwältigen können. So steht es im Bericht der Mülheimer Polizei über einen Vorfall am späten Samstagabend in Styrum. Diese Darstellung möchte einer der Beschuldigten korrigieren und schildert in einem Facebook-Beitrag, wie er den Polizeieinsatz erlebte. Bis Dienstagnachmittag wurde der Text mehr als 4000-mal geteilt, tauchte so auf den Bildschirmen Zehntausender Nutzer auf. Unabhängig vom Inhalt begrüßt die Polizei Essen/Mülheim diese Öffentlichkeit.

Der gesamte Vorfall habe sich gänzlich anders abgespielt, als es die Polizei in ihrem Bericht darstellt, erklärt der 19-Jährige in seinem Facebook-Posting und im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Beamten, die wegen eines Konflikts zwischen dem Vermieter eines Party-Raumes und dem Veranstalter der Feier zur Augustastraße im Stadtteil Styrum gerufen wurden, hätten den 19-Jährigen und seinem 18-jährigen Begleiter aufgefordert, sich während des Einsatzes zu entfernen. Das hätten die beiden auch sofort getan, dann aber beschlossen, zur Bushaltestelle in der entgegengesetzten Richtung zu gehen.

Der Polizeibericht erwähnt an dieser Stelle, die jungen Männer hätten gemeinsam mit einer weiteren unbekannten Person eine Gruppe von 15 bis 20 Wartenden an der Bushaltestelle angegriffen. "Da war mit gar keinem Stress, von den Leuten an der Bushaltestelle kannte ich fast jeden", sagt der Mülheimer, schließlich habe es sich bei ihnen auch um Party-Gäste gehandelt. Zu einem Angriff durch die beiden Männer sei es also nie gekommen.

Angriff auf die jungen Männer sei plötzlich und grundlos erfolgt

Stattdessen, erklärt der 19-Jährige, hätten die Polizisten sie angehalten und verdächtigt, den Außenspiegel eines Autos abgetreten zu haben. Während er noch mit einem Polizisten diskutierte, sei sein Begleiter "ohne jeglichen Grund" von einem Beamten geschlagen worden. "Ich bin dazwischengegangen", sagt der Mülheimer. Schließlich habe man auch ihn geschlagen und mit Handschellen fixiert. "Obwohl ich schon auf dem Boden lag und meine Arme gefesselt waren, haben sie geschrien: 'Arme nach unten, Kopf nach unten!' Sie haben so getan, als würde ich mich weiter wehren." Von der Bushaltestelle aus sei die Auseinandersetzung nicht zu sehen gewesen. Zwei Bekannten, die den Vorfall mit ihren Mobiltelefonen gefilmt hätten, habe man die Geräte abgenommen. "Einen Polizisten habe ich nach seiner Dienstnummer gefragt, er hat gesagt: '08/15.' Der wollte mich verarschen."

Seinen 18-jährigen Begleiter, der von einem Diensthund in den Arm gebissen wurde, hätte die Polizei zunächst zur Wache mitnehmen wollen. Erst nach der Intervention eines Notarztes sei er ins Krankenhaus gebracht worden. Der 19-Jährige hingegen wurde direkt in einen Polizeiwagen gesetzt. Dort, so erzählt er, sei er von einem Beamten beschimpft und geschlagen worden. Die Polizei bestätigt den Einsatz von Gewalt, allerdings nur am Einsatzort.

Der junge Mann möchte nun Strafanzeige gegen die Polizisten erstatten, das ist bis Dienstagnachmittag allerdings noch nicht passiert. Er sei im Krankenhaus und später von einem Augenarzt untersucht worden, Ende der Woche müsse seine Netzhaut noch einmal kontrolliert werden. Ein Beamter musste nach dem Einsatz ebenfalls in einem Krankenhaus ambulant versorgt.

Polizei bezieht auch Facebook-Beiträge in Ermittlungen ein

Dass die bisher von Zeugen nicht bestätigte Schilderung des 19-Jährigen bei Facebook so weite Kreise zieht, stört die Polizei Essen/Mülheim nicht. "Wir haben das riesengroße Glück, dass wir in einem Land leben, in dem man seine Meinung frei artikulieren darf - ob im Internet oder von Angesicht zu Angesicht", sagt Polizeisprecher Peter Elke. Man sei bereits auf den Facebook-Beitrag aufmerksam geworden, müsse aber noch prüfen, ob es sich bei dem Verfasser tatsächlich um einen Beteiligten oder Beschuldigten handelt. Schließlich könne man sich unter anderem Namen bei dem Netzwerk registrieren. "Aber seine Schilderung des Sachverhalts ist nicht so weit weg von der Schilderung der Polizei", bemerkt Elke. "Dass er das subjektiv sieht, mag - wenn er einer der Beschuldigten ist - dem Alkoholgenuss geschuldet sein."

Obwohl noch keine Strafanzeige gegen die eingesetzten Beamten eingegangen sei, würden nun die Hinweise des Facebook-Nutzers überprüft. "Die Kriminalpolizei ermittelt in diesem Verfahren, und wenn einer der Beteiligten erklärt, er habe den Beitrag verfasst, dann werden die Vorwürfe geprüft." Sollten Beamte möglicherweise Straftaten begangen haben, dann werde auch in diese Richtung ermittelt.

Öffentlichkeit durch soziale Netzwerke kann zu Fahndungserfolgen führen

Deshalb suche man auch weiter nach Zeugen des Vorfalls. "Wir sind froh, dass auch in den sozialen Medien darüber berichtet wird. Aus diesem Grund haben wir auch schon selber sehr früh die Öffentlichkeit hergestellt", sagt Elke. Möglicherweise könne man so weitere Zeugen oder auch Geschädigte ausfindig machen. "Öffentlichkeit ist für uns immer gut."

In diesem Fall hat der Verfasser des Berichts auch Fotos hochgeladen, die die Verletzungen nach der Auseinandersetzung zeigen sollen. "Die möglichen Beteiligten sind darauf zu erkennen. Nun kann es sein, dass Unbeteiligte sagen: 'Mensch, die kenne ich doch von dem Vorfall - oder von einem ganz anderen.'" Nach Berichten in den sozialen Medien habe man schon "eine Menge Erfolge verbuchen" können. Ob das auch nach diesem Einsatz der Fall ist und wie er tatsächlich verlief, werden die weiteren Ermittlungen zeigen.

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