Rätselraten um neuen Kämmerer in Mülheim

Andreas Heinrich
Wer steuert den städtischen Haushalt in den nächsten Jahren?
Wer steuert den städtischen Haushalt in den nächsten Jahren?
Foto: Michael Dahlke
Die Spitzen von SPD und CDU haben sich auf einen neuen Finanzchef im Rathaus verständigt. Doch der hat sich bis Freitagnachmittag gar nicht beworben.

Mülheim.  Die Bewerbungsfrist für die Stelle des neuen Kämmerers oder der Kämmerin ist Freitag um Mitternacht abgelaufen. Sieben Bewerbungen gingen laut Stadtverwaltung auf die Spitzenposition im Rathaus ein – bis kurz nach 16 Uhr. Eine Entscheidung soll, wie aus verschiedenen politischen Kreisen zu hören ist, gefallen sein. Die Spitzen der SPD- und CDU-Fraktion haben sich auf einen Kandidaten geeinigt: Es ist Frank Mendack (SPD), der unter OB Dagmar Mühlenfeld die Stadtkanzlei leitete und seit zwei Jahren als Personal- und Kulturdezernent in der Stadt Ratingen arbeitet. Doch laut Büro des Oberbürgermeisters hat er sich bis gestern Nachmittag gar nicht um den Posten beworben.

Ein Wunschkandidat, der aber nicht den Wunsch hat, nach Mülheim zurückzukehren, weil er sich in der Nachbarstadt wohl fühlt und dort einen prima Job macht? Die Position des Kämmerers wird zu Beginn des Jahres frei, weil der Amtsinhaber Uwe Bonan Chef der neuen Verkehrsgesellschaft wird, in der die Evag und MVG verschmelzen. Die Suche nach Ersatz erfolgte kurzfristig. SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering hatte bereits zu Beginn der Kandidatensuche betont, dass ihm ein ausgewiesener Fachmann in der kommunalen Verwaltung am liebsten sei. Doch was gibt der Markt überhaupt her? Städte haben es immer schwerer, gute Leute zu finden. Dotiert ist die Stelle des Kämmerers mit B5, das sind im Grundgehalt derzeit 8193,01 Euro im Monat.

Kritik an der Ausschreibung

Längst nicht jedem in der Politik schmeckt das Verfahren. Kritik gab und gibt es schon an der Ausschreibung. Nicht einmal ein Hochschulstudium verlange die Stadt, kritisiert etwa der finanzpolitische Sprecher des Bündnisses „Bürgerlicher Aufbruch Mülheim“, Frank Wagner. Er ist es nicht alleine, der die Ausschreibung auf die Spitzenposition als „unterschwellig“ einstuft. „Wir brauchen in Mülheim eine ausgewiesene und erfahrene Kraft in Finanzen, im Aktienrecht, in der Immobilienwirtschaft, im Beteiligungswesen“, zählt Wagner auf.

Seit Tagen wird im und außerhalb des Rathauses die Personalie debattiert. Für die Zeitung war Mendack gestern nicht erreichbar. In der CDU und SPD gehen zumindest einige von seiner Bewerbung fest aus, andere in den beiden Fraktionen ärgern sich, dass sie in die Entscheidung nicht eingebunden werden.

Sehr gute Mannschaft

Der Kreisvorsitzende der FDP und Ratsherr Christian Mangen will möglichst alle Bewerber anhören, nennt aber auch Gründe, die für Mendack sprächen: „Er kennt die Leute im Rathaus, die Mülheimer Politik. Wir brauchen einen Manager auf dem Posten, keinen Buchhalter.“ Das traue er sehr wohl Mendack zu. Dass sich CDU und SPD vorher im kleinen Kreis festlegen, wundert den FDP-Mann nicht: „War es in Mülheim je anders?“

CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels erklärte sich gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die CDU-Fraktion trägt ihn wahrscheinlich mit“, sagt er und geht davon aus, dass auch eine Bewerbung vorliegt. Michels betont auch: Jeder Neue habe in der Kämmerei eine sehr gute Mannschaft hinter sich.

Auch bei den Grünen wird längst über die Personalie Mendack diskutiert. Fraktionschef Tim Giesbert sieht ihn durchaus positiv. „Ich erwarte natürlich, dass sich die Kandidaten, die infrage kommen, in den Fraktionen vorstellen werden und sich befragen lassen.“ Für den Grünen ein normaler Weg vor einer endgültigen Personalentscheidung. Die könnte in der letzten Ratssitzung des Jahres fallen – mit oder ohne Wunschkandidat.