Radschnellweg soll Initialzündung sein für mehr

Der neue Radschnellweg ist seit November 2015 zwischen Essen (Universität) und Mülheims Hauptbahnhof befahrbar.
Der neue Radschnellweg ist seit November 2015 zwischen Essen (Universität) und Mülheims Hauptbahnhof befahrbar.
Foto: WAZ
Die attraktive Ost-West-Verbindung will die Mülheim zum Anlass nehmen, das Radwegenetz insgesamt zu verbessern. Zentrale Achsen sind im Fokus.

Stadtgebiet. Es sollen nicht mehr viele Jahre vergehen, dann soll der Radschnellweg Ruhr Mülheims Bürgern eine durchgängige Radstrecke von Ost nach West bieten. Die Stadt nimmt derweil das Netz ringsum in den Blick, das ergänzend die Anbindungen an die Stadtteile im Norden und Süden der Trasse verbessern soll. Nicht alle Ideen werden sich zeitnah realisieren lassen, aber das klare Signal steht: Das Radwegenetz ist im Ausbau, dem Radverkehr soll im Alltag mehr Bedeutung möglich werden.

Den Radschnellweg (zwischen Heißen und Speldorfer Grenze zu Duisburg) versteht die Stadtverwaltung „als Initialzündung für die Stadtentwicklung“. Rund um den Schnellweg sind etwa acht Entwicklungsflächen benannt, die von dem Radweg profitieren können, dem Radweg andersherum aber auch neue Nutzer versprechen.

Entwicklungsflächen ringsum benannt

Natürlich zählen die Flächen in Broich und Speldorf dazu, die im Zuge der Hochschulansiedlung im Fokus stehen, etwa diejenigen rund um den Speldorfer Güterbahnhof und an der Xantener Straße. Auch rund um den Hauptbahnhof soll mit dem Umbau von Tourainer Ring und Klöttschen einiges geschehen, die weitere Ruhrbania-Planung verspricht weitere Potenziale. Aber auch Flächen mit weniger offensichtlicher Strahlkraft hat die Stadt im Fokus: etwa das Areal rund um den Radschnellweganschluss am Eppinghofer Bruch/Leybankstraße. Eine Reanimierung des Winkhauses als Gastronomiestandort am Radweg wäre gewünscht, ebenso ein Spiel- und Rastplatz auf naher städtischer Brache (Jugendheim).

Insbesondere nimmt die Stadt aufgrund des „herausragenden Standards“ des neuen Radschnellweges auch dessen Anbindungen gen Norden und Süden ins Visier. Ein Beispiel ist da die Nord-Süd-Achse von Oberdümpten über die Mellinghofer und Eppinghofer Straße und weiter durch die Innenstadt und über die Kaiserstraße gen Flughafen. Auf dieser Strecke sind fünf Schwachstellen ausgemacht, die behoben werden sollen, um das Radwegenetz für die Alltagsnutzung attraktiver zu machen.

Bürgerradweg zum Flughafen nur eine von vielen Maßnahmen

Bestandteile des Konzeptes sind da etwa der auf alter Straßenbahntrasse geplante Bürgerradweg zwischen Flughafen und Hauptfriedhof sowie der weiterführende Ausbau Richtung Kaiserplatz. Es sind aber auch Vorhaben genannt, die heute noch nicht projektiert sind, etwa der Bau von Radwegen entlang der Mellinghofer Straße, zwischen Denkhauser Höfen und Stadtgrenze zu Oberhausen.

Auch für die Nord-Süd-Route im Westen (von Styrum-West über Friedrich-Ebert-Straße, Ruhrpromenade und Kassenberg gen Saarn und Selbeck) sind sieben verbesserungswürdige Bereiche ausgemacht – etwa die Sanierung des maroden Radweges Hauskamp-/Oberhausener Straße in Styrum oder die Geländer-Erhöhung am Walzenwehr, damit die Ruhrquerung dort wieder auf dem Rad möglich wird. Zukunftsmusik auf dieser Achse bleibt, den Radweg nördlich der Innenstadt näher an die Ruhr zu holen. Auch wenn ein erstes Projekt zwischen Steinkamp­straße und Oberhausener Ruhrpark angeschoben ist (wir berichteten), bleibt die lückenlose Führung entlang der Ruhr laut dem städtischen Radwegeplaner Helmut Voß doch „eine Vision“, die unter anderem abhängig ist von privaten Grundstückseignern (Friedrich-Wilhelms-Hütte, RWW).

Vermeulen: RS 1 ist das Rückgrat

Der Radschnellweg (RS 1), stellte Verkehrsdezernent Peter Vermeulen jüngst als Reaktion auf eine verkehrsentwicklungspolitische Anfrage der Grünen im Mobilitätsausschuss fest, sei „das Rückgrat im zukünftigen städtischen Radverkehrsnetz“. Die Nord-Süd-Achsen sollten demnach als Rippen stärker ausgebildet werden. Erst wenn es eine gute Anbindung zum Schnellweg gebe, so Vermeulen, verbessere sich die allgemeine Situation im Mülheimer Radverkehr.

Auch fernab der zentralen Radverkehrsachsen will die Stadt über kurz oder lang Verbesserungen im Netz verwirklichen, damit ein guter Anschluss an die Stadtteile gewährleistet ist.

Alte Bahntrasse gen Ruhrortund die Ruhr weiter im Blick

So sind vier Maßnahmen für den Müga-Radweg zwischen Saarn und Styrum angedacht. An der Bergstraße soll eine Rampe auf den späteren Radschnellweg führen, langfristig soll der Weg im Süden über den Heuweg hinaus an die Alte Straße angebunden werden. Im Norden wird langfristig eine Weiterführung über die alte Bahntrasse Styrum – Ruhrort angestrebt. Insgesamt soll die Oberfläche der Müga-Wege saniert werden.

Als „radiale Hauptroute“ des Stadtnordens versteht die Stadt den Weg von der Mellinghofer Straße in Dümpten über Zehntweg, Nord- und Freiherr-vom-Stein-Straße gen Heißen. Hier bedarf es noch eines Lückenschlusses im Verlauf der Freiherr-vom-Stein-Straße in Winkhausen.

Zahlreiche weitere Einzelprojekte für das Stadtgebiet sind benannt. „Wir haben erst einmal die Defizite benannt“, so der städtische Radwegeplaner Helmut Voß. Dabei müsste aus manch einem Defizit noch ein konkretes Projekt erwachsen. Einiges, wie etwa die Führung des Ruhrtalradweges nördlich der Konrad-Adenauer Brücke auf der rechten Seite des Flusses, sei auch immer noch eine jener Visionen, mit der sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch die nächste Generation beschäftigen werde. [kein Linktext vorhanden]

 
 

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