Radler und Fußgänger zahlen Bußgeld

Bettina Kutzner
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Mülheim. Fußgänger und Radfahrer leben gefährlich, Tendenz steigend: Als die Polizei zum Jahresbeginn über die Unfallzahlen 2011 Bilanz zog, sah man in Mülheim auf 104 verunglückte Fußgänger und 109 an Verkehrsunfällen beteiligte Radfahrer zurück.

Unter den Verletzten waren 57 Kinder. Grund genug für die Polizeibehörde Essen/Mülheim, Radler und Fußgänger verstärkt in den Fokus zu nehmen, um dem Trend entgegen zu wirken. Denn die Ursache vieler Unfälle war nicht nur bei Autofahrern zu suchen, sondern auch im unvorsichtigen und verkehrswidrigen Verhalten von Radlern und Passanten.

1000 Fußgänger mussten zahlen

An Fußgängerampeln, Einbahnstraßen oder auf Radwegen kon­trollierte die Polizei in den letzten Monaten verstärkt: Bis Ende Oktober wurden (in Mülheim und Essen) über 1000 Fußgänger und mehr als 700 Radfahrer gebührenpflichtig verwarnt. Was Radler als lässliche Verkehrssünde sehen: Fahren auf dem Radweg in die falsche Richtung oder das Radeln auf dem Gehweg, weil das Rad keine Beleuchtung besitzt, zählt Polizeioberkommissar Andreas Caniels von der in Mülheim ansässigen Direktion Verkehr auf.

Fußgänger rechnen aber nicht damit, dass ihnen auf dem Gehweg ein Radler entgegen kommt, so der Sachbearbeiter. Und Autofahrer, die einen Radweg passieren müssen, nicht unbedingt damit, dass ein Radler von der „falschen“ Seite kommt. „Solche Unfälle enden oft mit einem Sturz über die Haube oder damit, dass der Radler direkt in die Fahrgastzelle prallt,“ so Caniels. Das führe – vor allem ohne Helm – häufig zu schweren Verletzungen. Aber auch die Autofahrer registrierten nicht immer, dass es Radwege gibt, die in beide Richtungen befahren werden dürfen.

Schnell mal bei Rot über die Ampel

Beliebte Verkehrssünde bei Fußgängern: schnell mal bei Rot über die Ampel zu huschen. Oder erst gar nicht an der Ampelfurt die Straße kreuzen. Fatal vor allem in der dunklen Jahreszeit, wenn dunkle Kleidung vorherrscht: „Viele Fußgänger kommen nicht auf die Idee, dass der Autofahrer gar keine Chance hat, sie zu sehen“, sagt Andreas Caniels, der oft genug schwere Unfälle, die aus solchen Situationen resultieren, bearbeitet.

Das Tragen von Kopfhörern birgt ebenfalls Gefahren, wie es Caniels oft bei Schülern beobachtet: „Das ist ein leidiges Thema. Die kriegen vom Umfeld überhaupt nichts mehr mit.“

Und er erinnert an den jungen Mülheimer, der über Kopfhörer so in seine Musik versunken war, dass er vor einer Straßenbahn lief. Was nicht immer so glimpflich, wie in diesem Fall ausgehe.