Putzkolonne der Stadt besticht im Vergleich mit Privatfirma

Mirco Stodollick
Putzutensilien.
Putzutensilien.
Foto: NRZ

Mülheim. Die Stadt wollte es wissen: Putzen die eigenen Reinigungskräfte Schulen und Kindertagesstätten ordentlicher als Kolleginnen aus der Privatwirtschaft? Elf Monate lang hat der Immobilienservice hierzu eigenes und fremdes Personal in ausgewählten Gebäuden putzen lassen. Ergebnis: Die städtischen Mitarbeitenden liefern im Schnitt rund 20 % mehr Qualität ab. Doch sie kosten auch mehr Geld . . .

Die Gemeindeprüfungsanstalt NRW hatte der Stadt bereits vor Jahren ins Stammbuch geschrieben, dass sie durch die Vergabe von Reinigungsaufträgen an Fremdfirmen ungemein Geld sparen könne. Einen Haken haben aber viele Vergleiche, die die Anstalt angestellt hat: Sie nimmt oft das Kostengünstigste als Maßstab, die Qualität erbrachter Leistungen nimmt sie nicht in den Blick.

Angemeldete und unangemeldete Kontrollen

So wollte man trotz immensem Spardruck in Mülheim keinen Schnellschuss abgeben. Vielmehr vereinbarten sich Immobilienservice und Personalrat auf eine Art Wettbewerb: Von September 2010 bis Ende Juli 2011 sollten Reinigungskräfte der Stadt und von einem Privatunternehmen ihr Leistungsvermögen ganz praktisch unter Beweis stellen. Städtische Reinigungskräfte sollten die Kita an der Ritterstraße, die Grundschule Heinrichstraße und das Gymnasium Heißen sauber halten, Mitarbeitende der Privatfirma die Kita am Werdener Weg, die Hölterschule und das Otto-Pankok-Gymnasium. Beständig gab es angemeldete und unangemeldete Kontrollen nach einem am Markt gängigen Qualitätsmessverfahren.

Im Schnitt, so stellte Immobilienservice-Chef Frank Buchwald nun fest, hätten die städtischen Mitarbeiter 20 % mehr Qualität abgeliefert. Nur bei einer, indes angemeldeten Kontrolle im Mai hätte die Fremdfirma in zwei der drei vergleichbar großen Gebäude die Nase knapp vorn gehabt.

Zwei Sachverständige wurden hinzuzogen

Darüber hinaus hat der Immobilienservice unter Hinzuziehung von zwei Sachverständigen ermittelt, welcher finanzielle Aufwand hinter jeder einzelnen Reinigungsstunde steckt. Berücksichtigt wurden nicht nur Personalkosten für die Reinigung selbst, sondern etwa auch der Aufwand für Materialbeschaffung oder Auftragsvergabe. Ergebnis: Der Aufwand für die Eigen- liegt gut 10 % höher als der für die Fremdreinigung.

Buchwald schlägt nun, um das eigene Reinigungsteam dauerhaft auch preislich konkurrenzfähig zu machen, bei Neuanstellungen eine Eingruppierung in einen niedrigeren Tarif vor. So könnten neue Reinigungskräfte nicht mehr in die Entgeltgruppe 2 (für einfache Tätigkeiten), sondern in die Gruppe 1, Stufe 4 (einfachste Tätigkeiten) eingestuft werden. Dann entspreche ihre Bezahlung dem Niveau des Branchen-Mindestlohns von derzeit 8,55 Euro pro Stunde.

Personalratsvorsitzender Dirk Neubner ist gesprächsbereit. Er fordert aber, dass Reinigungskräfte, die an Kitas und Schulen aufwändigere Standards als in reinen Verwaltungsgebäuden zu erfüllen hätten, höher eingestuft werden als vorgeschlagen.

Hoher Altersschnitt

Kritik am Tarifschnitt à la Buchwald kommt aus der Politik. So gibt Annette Lostermann-De Nil (Grüne) zu bedenken, dass hauptsächlich Frauen den Teilzeitberuf in der Gebäudereinigung ausübten. Entlohne man sie im unteren Tarif, mache dies häufiger aufstockende Hilfen zum Lebensunterhalt durch die Sozialagentur nötig. Diese ganzheitliche Betrachtung möge bitte maßgeblich sein für eine noch zu treffende Entscheidung.

Noch ein Testergebnis: Reinigungskräfte der Stadt fehlen doppelt so häufig mit Krankenschein wie Kolleginnen aus der freien Wirtschaft. Indes war das städtische Personal im Schnitt fast sechseinhalb Jahre älter und mussten pro Tag mehr Stunden der körperlich anstrengenden Arbeit leisten. Der hohe Altersschnitt bei den 214 Reinigungskräften der Stadt ist ein Ergebnis des vor Jahren verhängten Einstellungsstopps.