Protest gegen Markt-Verlegung in Mülheim formiert sich

Deike Frey
Der Wochenmarkt auf der Schloßstraße.
Der Wochenmarkt auf der Schloßstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Geschäftsleute der Schloßstraße haben Existenzängste. Sie sammeln Unterschriften, wollen Verlegung des Marktes auf den Rathausmarkt noch verhindern.

Mülheim. Der Protest kommt spät, doch er kommt: Gegen die von der Politik bereits abgesegneten Pläne der Marktgilde, den Wochenmarkt ab Juni an zwei Tagen wöchentlich von der Schloßstraße auf den Rathausmarkt zu verlegen, formiert sich Widerstand. Mehrere Geschäftsleute entlang der Schloßstraße haben eine Unterschriftenaktion initiiert. Auch bei Peter Ackermann vom Tabakwarenladen liegen Listen aus, füllen sich in beachtlichem Tempo.

Allein in seinem Geschäft hätten bis Freitag schon gut 300 Menschen unterzeichnet. „Und ich kann das bestens verstehen“, so Ackermann, „denn das ist doch das Blödeste, was die sich einfallen lassen konnten: Auf dem Rathausmarkt ist doch nix los.“ Im persönlichen Gespräch kündigten die meisten Kunden zudem schon an, das neue Angebot nicht annehmen zu wollen. Ehefrau Ute Ackermann schildert eigene Sorgen: „Wir Geschäftsleute haben alle Angst, dass weniger zu tun ist.“

„Unten auf dem Rathausmarkt ist doch tote Hose“

Auch Astrid von der Burg, Bäckereifachverkäuferin am Marktstand von Broehenhorst, hat Listen ausgelegt: „Weil wir hierbleiben möchten,unten auf dem Rathausmarkt tote Hose ist.“ Vor allem die Laufkundschaft gehe beim Umzug verloren, glaubt sie. Kundin Urda Budde bestätigt die Befürchtung: „Ich arbeite im Technischen Rathaus; der Weg zum Rathausmarkt ist für die Mittagspause zu lang.“ Ihr sei wichtig, dass die Schloßstraße belebt bleibt.

Ins gleiche Horn stößt Rajesh Luthra, Chef im Café Leonardo, der sich bereitwillig als einer der beteiligten Geschäftsleute zu erkennen gibt – im Gegensatz zu anderen, die nicht offen sprechen möchten. „Dabei“, so sagt Luthra, „ist fast jeder Geschäftsmann an der Schloßstraße beteiligt.“ Der Markt bringe eben viel ein, und die Entscheidung, ihn zu verlegen, empfinde er auch als Entscheidung gegen sein Café – „deshalb wehre ich mich“. Er trage Verantwortung für zehn Mitarbeiter. Dass man eher spät mit dem Protest begonnen hat, liege daran, „dass es immer Gerüchte gibt, wir aber lange nicht wussten, dass es wirklich umgesetzt wird“. Wenn das nun der Fall sei, „dann nehmt doch bitte auch den Weihnachtstreff mit“, sagt Luthra in Richtung der Verantwortlichen, „da gibt’s eh nur Fressbuden, die uns das Geschäft kaputt machen“. Seine Mitgliedschaft in der Werbegemeinschaft Innenstadt (WGI), die die Markt-Pläne unterstützt, wolle er übrigens kündigen – „wie andere vor mir auch schon“.

Ärgerlich über die Entwicklung ist auch nach wie vor Helge Rademacher, 2. Vorsitzender des Marktverbandes. Er fühle sich mitunter entmündigt, „weil über unsere Köpfe hinweg entschieden wird“. Weder die Parteien noch die WGI würden tatsächlich mit den Händlern sprechen, sie würden in Entscheidungen nicht eingebunden, „fast behandelt wie Leibeigene“. Er glaube im Übrigen nicht, dass ein Großteil der Geschäftsleute für das Vorhaben sei – „ich kenne keinen einzigen“.

Vorstand der Werbegemeinschaft versteht die aktuelle Aufregung nicht

Frank Prümer, Vorstandsmitglied der WGI, versteht die aktuelle Aufregung nicht, ärgert sich auch über die teils „unseriöse und feige“ Vorgehensweise der Geschäftsleute, die sich teils nicht offen zu erkennen gäben, die Unterschriftenlisten nicht mit allen nötigen Infos versehen hätten. Man habe in der Vergangenheit mehrfach mit den Händlern gesprochen, „und wir sind auch jetzt jederzeit ansprechbar“. Die Entscheidung pro Verlegung sei gefallen, „weil über 80 Prozent der Mitglieder das so wollten“. Zudem finde der Markt ja weiterhin an zwei Tagen auf der Schloßstraße statt, „und die Verlegung findet nur probeweise für zwei Jahre statt“. Erst danach werde endgültig entschieden.