Projekt Aissawa aus Marokko beeindruckt mit Show in Mülheim

Das Projekt Aissawa aus Marokko, eine Mischung aus Konzert, Lesung und Zeremonie, beeindruckte die Zuschauer im Theater an der Ruhr. Foto: Gerd Wallhorn
Das Projekt Aissawa aus Marokko, eine Mischung aus Konzert, Lesung und Zeremonie, beeindruckte die Zuschauer im Theater an der Ruhr. Foto: Gerd Wallhorn
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Als vorletzte Veranstaltung der Reihe "Klanglandschaft Afrika" begeisterte das Projekt Aissawa im Theater an der Ruhr das Mülheimer Publikum. Erstmals wurde mit der Ritual-Show ein Ensemble der Gaukler und Schlangenbeschwörer nach Deutschland geholt.

Mülheim.. Marrakesch. Auf dem Platz der Geköpften lassen die Aissawas bei schrillen Schalmeien-Klängen die Puffottern und Kobras tanzen. Auch wenn die Fakire und Gaukler der alten Sufibrüderschaft ihre Giftschlagen zu Hause gelassen hatten, so bot das bunt gewandete Ensemble in der Reihe „Klanglandschaft Afrika“ im Theater an der Ruhr eine beeindruckende Show, deren Riten tief in der Jahrhunderte alten Tradition des Landes verankert sind.

So wurde die dekorativ beleuchtete Bühne zum marokkanischen Marktplatz, auf dem sich die geschäftstüchtigen Gaukler und Schlangenbeschwörer tummeln, die zu ekstatischen Trommelschlägen heißes Wasser trinken und sich Messer unter die Augenlider treiben. Kein Anblick für schwache Nerven.

Hippiekultur

In der vorletzten Veranstaltung der Reihe „Klanglandschaft Afrika“ hatten der Autor Andreas Kirchgäßner und der Münchner Percussionist Thomas Gundermann erstmals ein Ensemble jener legendären Aissawas mit nach Deutschland gebracht, deren turbulente Inszenierung in Mülheim eine Premiere feierte.

Bereits vor über 30 Jahren hatte sich Thomas Gundermann als neugieriger Repräsentant abendländischer Hippiekultur auf den Weg nach Marokko gemacht, um auf dem berühmten Platz der Geköpften dann die magische Kultur der Aissawas zu entdecken. Vor allem der durchdringende Ton der Schalmeien, der allerdings enorm gewöhnungsbedürftig ist, zog ihn in seinen Bann. Zuhause entdeckte er dann ein Instrument, das dieser Schalmei vom Klang her sehr ähnlich ist: die altdeutsche Sackpfeife. Mit dieser kehrte er dann 2006 mit dem Autoren Andreas Kirchgäßner nach Marrakesch zurück und lud die verblüfften Aissawas zu einer musikalischen Session ein.

Hier in Mülheim war dann der Reiseschriftsteller Andreas Kirchgäßner für den roten Faden der Inszenierung verantwortlich. Zu den Aufnahmen seines Kassettenrekorders vom Platz der Geköpften trug Kirchgäßner seine reportagenhaften Texte dem Publikum vor, das in den ersten Reihen zwar schon mal einen Tropfen heißes Wasser abbekam, aber ansonsten immerhin keine Bekanntschaft mit den berühmten Giftschlangen dieser lautstarken Inszenierung machen musste.

Heftige Diskussionen im Foyer

Gundermann und Kirchgäßner ist es gelungen, mit der Ritual-Show der Aissawas ein altes marrokanisches Kulturgut einem interessierten deutschen Publikum zu präsentieren. Wenn ein junges Paar unter den Besuchern mit dieser Wiedergabe der Aissawa-Kultur die Musikkultur und Klanglandschaft Marrokkos auf eine Jahrmarkt-Show reduziert sah und darüber im Foyer heftig diskutieren wollte, so sei ihm gesagt, dass es hier ganz gezielt um das Jahrhunderte alte Spektakel der Aissawas ging und nicht um eine fachkundliche Präsentation der gesamten Musikkultur des nordafrikanischen Landes. Ansonsten durften sich die Gäste aus Marokko über viel Beifall freuen.

 
 

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