Post aus Afrika

Thomas Emons
In der deutschen Botschaft in Burundi übergab Klaus Grütjen (l.) seinen Wahlbrieg dem Botschafter Bruno Brommer.
In der deutschen Botschaft in Burundi übergab Klaus Grütjen (l.) seinen Wahlbrieg dem Botschafter Bruno Brommer.
Foto: NRZ
Wie der Wahlbrief eines Mülheimers aus dem afrikanischen Burundi nach Mülheim kommt

Echt bequem diese Briefwahl. Man wirft seinen Wahlbrief in den Briefkasten an der nächsten Ecke und ab geht die Post. Laut Wahlamt haben bis zum 17. September (die NRZ berichtete) bereits 8700 Mülheimer von dieser zur Bundestagswahl 1957 eingeführten Möglichkeit der Stimmabgabe Gebrauch gemacht.

Einer von ihnen ist Klaus Grütjen. Doch der Mann konnte nicht so einfach seinen Wahlbrief in die Post geben. Denn der Mann aus Mülheim lebt und arbeitet zurzeit im afrikanischen Burundi. Das Auswärtige Amt schreibt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen über das gut 9800 Kilometer von Deutschland entfernte Land im Herzen Afrikas:

„In Burundi besteht weiterhin die Gefahr terroristischer Anschläge. Besondere Vorsicht und Wachsamkeit ist deshalb beim Besuch von öffentlichen Einrichtungen mit potentiellem Symbolcharakter geboten. Es wird empfohlen, Menschenansammlungen (Märkte, Busbahnhöfe und Straßenbars) zu meiden und abendliche Ausgänge auf das Notwendige zu beschränken.“

Wie das Auswärtige Amt auf Nachfrage bestätigt, gehört Burundi zu den Ländern, in denen man nicht von einem geordneten Postverkehr ausgehen kann. Deshalb hat Klaus Grütjen seinen Wahlbrief bereits am 10. September in der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Bujumbura dem deutschen Botschafter Bruno Brommer zu treuen Händen übergeben. Der gab ihn am 13. September dann auf den amtlichen Kurierweg, der das Auswärtige Amt in Berlin mit den deutschen Botschaften in aller Welt verbindet. Das bedeutet: An diesem Tag wurde Grütjens Wahlbrief im Postsack der Botschaft zum Flughafen gefahren und von dort aus nach Berlin geflogen. Dort wurde er von der Poststelle des Auswärtigen Amtes in den normalen deutschen Postverkehr gegeben. Das bedeutet: Per LKW wurde er mit allen anderen wahlbedingten und wahlunabhängigen Briefen in das für Mülheim zuständige regionale Briefzentrum nach Essen gebracht. Von dort aus trat der Wahlbrief aus Burundi wieder per Lieferwagen seinen Weg zum Hauptpostfach der Stadt an. Und von der Hauptpost am Hauptbahnhof zum Wahlamt im Rathaus war es dann nur noch ein Katzensprung. Postsprecher Dieter Pietruck weist darauf hin, dass Wahlbriefe, die noch am kommenden Wahlwochenende im Essener Briefzentrum landen, von dort per Kurier direkt an die Wahlämter ausgeliefert werden.

Normale Briefe aus Afrika werden, laut Pietruck, über das internationale Briefzentrum in Frankfurt auf die 82 regionalen Briefzentren verteilt. Aus dem Vergleich der internationalen Brieflaufzeiten, in denen Burundi aber nicht aufgeführt wird, weiß er, dass Post aus Afrika, je nach Absenderland bis zu zehn Tage unterwegs sein kann, während 95 Prozent aller Briefe innerhalb Deutschlands innerhalb eines Tages ihr Ziel erreichten.