Politik in Mülheim heult wegen Ruhrbania

Die Gerüste sind weg: freier Blick auf die Ruhrbania. Eine architektonische Bereicherung?
Die Gerüste sind weg: freier Blick auf die Ruhrbania. Eine architektonische Bereicherung?
Foto: WAZ FotoPool
Es gibt sie noch, jene politischen Stimmen im Mülheimer Rathaus, die mahnen: Wartet ab, am Ende wird alles gut mit Ruhrbania. Noch ist es ja nicht fertig. Die Oberbürgermeisterin gehört dazu, aber auch der Vorsitzende des Planungsausschusses Dieter Wiechering (SPD).

Mülheim. Es gibt sie noch, jene politischen Stimmen im Rathaus, die mahnen: Wartet ab, am Ende wird alles gut mit Ruhrbania. Noch ist es ja nicht fertig. Die Oberbürgermeisterin gehört dazu, aber auch der Vorsitzende des Planungsausschusses Dieter Wiechering (SPD). Doch auch die einstige Euphorie lässt bei ihnen nach. Eine Mehrheit in der Politik ist deutlich unzufrieden und zeigt es auch: Die Zeit des lauten Jammerns ist angebrochen. Dahinter steckt das Ziel: Das nächste Baufeld muss besser werden.

Hören wir zum Beispiel dem FDP-Ratsherrn Wolf Hausmann zu, einer von denen, die klare Worte pflegen: „Wir müssten den Bauherren viel mehr auf die Nerven gehen, sie zu dem drängen, was wir wollen.“ Vor zehn Jahren, als Ruhrbania auf den Weg gebracht worden sei, hätten sich alle in die Brust geworfen und erzählt, welch tolle hochwertige Architektur entstehe. Und heute? Hausmann ist enttäuscht. Enttäuscht über Kunststofffenster, Metallrohre an Außenwänden, eine extreme Bauverdichtung und einen gelben Anstrich, der viele eher an den Sozialbau vergangener Zeiten denn an exklusives Wohnen erinnert.

Von einem Missstand in der Umsetzung spricht Ratsherr Hubert Niehoff (Grüne). Eine viel engere Kooperation zwischen Bauherren und Gestaltungsbeirat hätte er sich gewünscht, um eben solchen Frust am Ende zu vermeiden. „Das ist schlecht gelaufen“, sagt er. Investoren müssten gehindert werden, eigenmächtige Entscheidungen zu treffen, die am Ende ein Ärgernis und schlecht zu korrigieren sind.

Hoffnung auf Nachbesserung

Edel, attraktiv, ein exklusiver Stil – davon war anfangs die Rede bei der Neugestaltung der Ruhrpromenade. Noch härter fällt daher die Kritik von Lothar Reinhard, Mülheimer Bürgerinitiativen, aus, der nichts von dem erkennt: Er beklagt den erweiterten Baukörper auf Baufeld 1, der sich bis auf einen Spalt ans historische Rathaus anschmiegt, und schimpft: „Das haben wir genehmigt, der Fehler liegt auch bei uns.“ „Dilettantisch“ nennt er das bisherige Resultat und sieht das Risiko, dass sich die Fehler auf Baufeld 2 fortsetzen könnten, wenn nicht exakt festgelegt und kontrolliert werde, dass sich der Bauherr auch daran halte.

Da fällt jenes „Es ist nicht so schön geworden“ von der planungspolitischen Sprecherin der CDU, Ursula Schröder, noch moderat aus. Sie hat die Hoffnung, dass sich nach Gesprächen mit dem Investor Kondor Wessels vielleicht das eine oder andere noch nachbessern lässt.

Echte Kontrolle sei kaum noch möglich

„Wie konnte es nur kommen, dass wir so ein Ergebnis sehen“, fragt Achim Fänger Wir-Linke. Hinter vorgehaltener Hand diskutieren Ratsherren längst darüber: Viel zu umfangreiche Bauvorhaben müssten sie innerhalb kürzester Zeit absegnen. Echte Kontrolle sei kaum noch möglich. Vielleicht auch nicht mehr erwünscht, munkelt mancher. Dem Investor sei gar kein Vorwurf zu machen. Was heute als Defizit ins Auge falle, sei zuvor der Politik in den Unterlagen nicht aufgefallen, heißt es.

Wiechering warnt davor, „in Märchen“ zu verfallen. Gegen das Bauvolumen sei nichts einzuwenden. Vieles sei auch gut ausgeführt worden. Aber auch er bedauert, dass etwa die Farbgebung nicht umgesetzt worden sei. Strahlendes Weiß als Zeichen der Eleganz war in Hochglanzbroschüren präsentiert worden. Ein Gestaltungshandbuch, in dem alles nachvollziehbar und kontrollierbar sei, das habe gefehlt, meint Wiechering. Beim Baufeld 2 soll alles besser werden. Auch die Kontrolle. Der Gestaltungsbeirat als Wächter ohne echte Macht will sich jedenfalls intensiver damit befassen.

 
 

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