Politik gibt grünes Licht für umstrittene Hinterland-Bebauung

Zwischen Gracht, Honigsberger Straße und Fünter Weg versteckt liegt das Stück Land, auf dem der MWB alsbald bauen will.
Zwischen Gracht, Honigsberger Straße und Fünter Weg versteckt liegt das Stück Land, auf dem der MWB alsbald bauen will.
Foto: STEPHAN GLAGLA / WAZ FotoPool

Heißen. Der jahrzehntelange Streit um die Bebauung von Hinterland zwischen Honigsberger Straße und Fünter Weg steht kurz vor einer Entscheidung zu Gunsten des Mülheimer Wohnungsbaus.

Der will dort in drei Bauabschnitten insgesamt 38 Doppelhaushälften bauen. Den Argumenten widerspenstiger Nachbarn, die sich weigern, für die Erschließung des Neubaugebietes Grundstücksflächen zu verkaufen, wollte Mülheims Planungspolitik nach hitziger Debatte am Donnerstagabend in der Mehrheit wiederholt nicht folgen.

MWB plant 38 Doppelhaushälften

Pläne für eine Bebauung auf dem Areal nahe der Heißener Ortsmitte gibt es schon Jahrzehnte. Ende der 1960er-Jahre hatte es, den mittlerweile überholten Prognosen einer wachsenden Stadt folgend, gar Pläne gegeben, an Ort und Stelle Hochhäuser mit bis zu 15 Geschossen zu errichten. 1990 wurde ein Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt, das bis heute, 22 und ein halbes Jahr später, andauert. Der MWB plant 38 Doppelhaushälften mit jeweils 135 m2 Wohnfläche. Sie sollten für 250- und 300.000 Euro in den Verkauf gehen.

Das war zumindest die Aussage des MWB vor einem Jahr, als das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan wegen formaler, aber auch planerischer Fehler beim Thema Lärmschutz einkassierte. Aktuell will sich MWB-Geschäftsführer Frank Esser nicht zum Bauvorhaben äußern. Er will den mittlerweile überarbeiteten Bebauungsplan erst in trockenen Tüchern wissen. Nun stimmte der Planungsausschuss gegen die Stimmen von MBI, Grünen und Wir-Linke zu, das endgültige Ja des Rates steht am 18. Dezember an.

Bei weiterer Weigerung droht Zwang

Zuletzt hatten Anwohner den Bebauungsplan noch per Bürgereingabe angegriffen. Sie forderten einen neuen Umweltbericht und ein neues Artenschutzgutachten. Sie sehen den Schutz von Libellen, Fröschen und Zwergfledermäusen nicht berücksichtigt. Die MBI wandelten die Forderung in einen Antrag um, der Ausschuss lehnte ab. Die Verwaltung sieht alle Belange hinreichend abgewogen, das ist vom Oberverwaltungsgericht auch bestätigt. Gleichwohl steht wohl eine neuerliche Klage von Anwohnern in Rede. „Das wird ihnen aber nichts bringen“, so Planungsamtsleiter Martin Harter.

Wesentliche Kritik bei Grünen, MBI und Wir-Linke findet der Umstand, dass aufgrund der Weigerung von Anliegern, für den Bau von Stichstraßen Grundstücksflächen zu verkaufen, ein Umlegungsverfahren gestartet werden soll; bei weiterer Weigerung droht Zwang. Harter versprach ein „gerechtes Tauschverfahren“, MBI-Fraktionssprecher Lothar Reinhardt sprach von „Enteignung“.

 
 

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