Pokerstadt Mülheim

Eine Woche des Pokern liegt hinter der Stadt. Hier der Poker um den Nahverkehrsplan, dort um Fördermittel für die Sanierung der Thyssenbrücke, an anderer Stelle um städtische Zuschüsse an das Forum, um seinen Teil zur Reinigung und Bewachung der öffentlich nutzbaren Wege durch das Einkaufszentrum beizusteuern – oder eben nicht mehr. Auch in Speldorf läuft ein heißer Poker. Um das Depot. Kein Mitspieler verzieht eine Miene. . .


Und noch ein Poker: Die Oberbürgermeisterin pokert mit ihrer Verweigerung, sich schon im kommenden Jahr zur Kommunalwahl dem Votum der Bürger zu stellen, mit hohem Einsatz. Keine Frage: Sie bewegt sich auf sicherem Grund des Rechtes, wenn sie darauf beharrt, die vollen sechs Jahre im Amt zu bleiben. Aber ein fader Beigeschmack bleibt: Sie trägt so nicht dazu bei, die unsinnige, auch teure Entscheidung der alten schwarz-gelben Landesregierung schnellstmöglich zu revidieren, Kommunal- und OB-Wahlen zeitlich zu trennen.


Mühlenfelds Beharren auf die volle Amtszeit wird viel Geld kosten, wahrscheinlich mit weit mehr als 100 000 Euro wird der gesonderte Wahltermin im Jahr 2015 zu Buche schlagen. Die Oberbürgermeisterin hätte mit einem Verzicht auf ihr sechstes Jahr in Zeiten der Haushaltsnot ein Zeichen setzen können, vielleicht gar neue Sympathien gewonnen.


Chance vertan! Das Geld wird rausgepustet für eine Wahl, an deren Ende wahrscheinlich ein Negativrekord der Wahlbeteiligung bejammert wird. Ob es sich auf derart schwacher Legitimationsbasis als Oberbürgermeister(in) besser (weiter)arbeiten lässt? Man darf nicht nur, man muss Zweifel haben.
Welche Karten hält wohl die Polizei als Trumpf in der Hand, um rund um die Eppinghofer Straße wieder Ruhe einkehren zu lassen. Nervöse Unruhe bestimmt seit Monaten die Szenerie, da offenbar mehrere Rockerbanden um die Vormachtstellung in der Ruhrstadt kämpfen.


Die Polizei hält sich größtenteils bedeckt. Das ist ihr gutes Recht, will sie sich bei ihrer Strategie im Kampf um Recht und Ordnung nicht in die Karten schauen lassen. Es könnte ja auch ihre Erfolgsaussichten schmälern.


Verständlich, dass der Stadtteil Eppinghofen aufgrund der vielen Nacht- und Nebelaktionen beunruhigt ist. Das ohnehin fragile Stadtteilgebilde verträgt keine Tiefschläge mehr. Gestern Morgen nun ein Brandanschlag auf das „Star Café“. Man kann nur hoffen, dass die Polizei die Sache in den Griff bekommt. Schnell!