Planen unter Zwang

Gute Architektur ist kein Wunschkonzert. Das wäre zu einfach. Neben den Vorstellungen und den finanziellen Fähigkeiten des Bauherrn, die den Entwurf beeinflussen und prägen, gibt es Zwänge. Dabei spielt die Beschaffenheit des Grundstücks, aber auch der Rahmen, den der Bebauungsplan vorgibt, eine zentrale Rolle, was sich in den beiden Beiträgen zum BDA-Wettbewerb Gute Bauten, die wir heute präsentieren, widerspiegelt. Am Blötter Weg, wo der Architekt Martin Smyk ein großzügiges Mehrfamilienhaus realisierte, befindet sich das Grundstück um etwa eine halbe Etage oberhalb der Straße. Nach dem Abriss eines Einfamilienhauses aus den 50er Jahren ergab sich hier die Möglichkeit, ein Haus mit zeitgemäßen Grundrissen zu realisieren. Der Architekt entschied sich auch hier für die klare und strenge Formensprache der klassischen Moderne. Doch erscheint hier der Eingangsbereich überdimensioniert und für ein Wohnhaus unangemessen. Zwei rechteckige Säulen tragen hier über zwei Geschosse ein üppig bemessenes Vordach. Hier würde man eher einen Firmensitz als ein Wohnhaus vermuten.

Die schlanken hohen Fenster, die an der Straßenfront regelmäßig angeordnet sind, die Steintreppe und der auf Zweckmäßigkeit getrimmte Garten verstärken noch diesen Eindruck. An der Rückfront und im Innern bietet sich dann aber ein anderes Bild. Der Eingangsbereich war auch ein kritischer Punkt in der Jury unter Vorsitz des Bochumer Architekten Dirk Godau. Der ausführende Architekt Smyk schreibt allerdings: „Die die Vertikale betonenden, zweigeschossigen Pfeiler im Eingangsbereich und die aneinandergereihten, bodentiefen Fenster verleihen dem Haus eine elegante und klassische Anmutung.“ Ein großes offenes, lichtdurchflutetes Treppenhaus bietet das Zentrum des Gebäudes und erschließt jeweils zwei Wohnungen pro Etage. Sie öffnen sich mit einer großzügigen Verglasung und vorgelagerten Terrassen zum Waldrand.

Im Haus Zeller, das Gunvar Blanck am Erbecksfeld in Holthausen realisierte waren es die Vorgaben des Bebauungsplan, der ein Korsett vorgab, mit dem sich der Planer arrangieren musste. Satteldach, maximale Dachneigung und einiges mehr war vorgegeben. Diese Einschränkungen sind wichtig, um den Entwurf zu verstehen“, so Blanck. Die klassische Moderne war planungsrechtlich verwehrt. Ein Gebäude, über das ein Zeltdach fliegt, war dann seine Idee.

Auch Blanck arbeitet mit Säulen - im Inneren wie im Äußeren, was insgesamt etwas verspielt wirkt, vor allem, wenn sie sich um ein kleines Wasserbecken gruppieren. Die Säulen tauchen auch im Keller auf und übernehmen die kompletten statischen Notwendigkeiten für die frei überspannten Räume. Die Säulenanordnung gliedern die Wohnung in die Bereiche Kochen, Essen, Wohnen, Lesen, Fernsehen. Alle Innenwände konnten nichttragend ausgeführt werden, was im fortgeschrittenen Alter der Bewohner Grundrissänderungen besser ermöglicht. Auch die Nachrüstung mit einem Aufzug ist möglich. Gut gelungen ist die natürliche Beleuchtung des Esstisches durch den Deckenausschnitt der Erdgeschossdecke, der mit begehbarem Glas belegt ist, und der Fensterhaube am Dachfirst. Säulen, Raumteiler und Mobiliar ergeben ein eher unruhiges Bild -vielleicht liegt’s auch nur am Tigerfell. Am Freitag, 19 Uhr, ist Siegerehrung in der Alten Dreherei.

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