Peter Handke ist der Dramatiker des Jahres

Mülheimer Theatertage küren Peter Handkes Stück Premiere "Immer noch Sturm" mit dem Dramatikerpreis 2012. Foto: Archiv dapd
Mülheimer Theatertage küren Peter Handkes Stück Premiere "Immer noch Sturm" mit dem Dramatikerpreis 2012. Foto: Archiv dapd
Der 69-Jährige siegte mit seinem Geschichts-Drama „Immer noch Sturm“ souverän bei den 37. „Stücke“-Tagen. Der undotierte Publikumspreis geht an Philipp Löhles Globalisierungssatire „Das Ding“. Der Dramatikerpreis wurde zum 37. Mal im Rahmen der Mülheimer "Stücke"-Tage vergeben.

Mülheim.. Peter Handke ist der souveräne Sieger der 37. „Stücke“-Tage, sein eigenwilliges Geschichts-Drama „Immer noch Sturm“ sei das beste neue Stück des letzten Jahres, befand die Jury in der Nacht von Donnerstag zu Freitag mit 4:1 Stimmen und sprach dem 69-jährigen Handke den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis zu.

Ob der Autor zur Preisverleihung erscheinen wird, ist noch ebenso ungewiss wie das Datum der Feierstunde, die am 24. Juni oder am 1. Juli stattfinden soll.

Undotierter Publikumspreis

Den – undotierten – Publikumspreis, der in geheimen Abstimmungen nach jeder Aufführung ermittelt wird, gewann ebenso unumstritten die tolldrastisch-kritische Globalisierungskomödie „Das Ding“ von Philipp Löhle (33), die im Theater an der Ruhr noch zwei umjubelte Aufführungen erfahren hatte (Inszenierung: Jan Philipp Gloger fürs Deutsche Schauspielhaus Hamburg und die Ruhrfestspiele).

Handkes „Immer noch Sturm“, das die „Stücke“ 2012 in der Vier-Stunden-Inszenierung von Dimiter Gottscheff eröffnet hatte, war von Anfang an der Favorit des Wettbewerbs. Begünstigt durch den Ausfall von Rene Polleschs Stück „ Kill Your Darlings! Streets of Berladephia“, das der einzige ernsthafte Konkurrent dieses Jahrgangs hätte sein können, war Handkes Start-Ziel-Sieg verdient.

Unheilvolle Glorifizierung

In auffälliger Übereinstimmung sprachen die Juroren allesamt von einem „reichen“ Stück, selbst die Dramaturgin Sybille Baschung, die für „Reicht es nicht zu sagen ich will leben“ von Darja Stocker und Claudia Grehn stimmte, setzte sich in ihrem Votum mehr mit Handke und der Frage auseinander, ob sein Stück, bei dem die Kärtener Slowenen im und um den Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt stehen, nicht eine unheilvolle Glorifizierung von Sprach- und Minderheitenschutz betreibe.

Der Theaterkritiker Till Briegleb nannte „Immer noch Sturm“ das „ einzige große Stück“ des Wettbewerbs, der Dramaturg Achim Kerber sprach von „absoluter Champions League“, die da gegen „Corn Flakes und Bastelbogen“ angetreten sei: „Vielleicht sollte man Handke den Handke-Preis verleihen“.

Zudem sei das Stück durch welche Inszenierung auch immer „nicht kaputtzumachen“ – vielleicht auch ein kleiner Seitenhieb darauf, dass ausgerechnet im Theater an der Ruhr, wo die Abschlussdiskussion der „Stücke“ über die Bühne ging, mit Roberto Ciullis Inszenierung vielleicht sogar eine bessere Alternative zur Gottscheff-Uraufführung zu sehen ist.

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